Meinungsforscher Schöppner: "Keine Partei wird wegen eines Themas gewählt"

Meinungsforscher Schöppner: "Keine Partei wird wegen eines Themas gewählt"

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Klaus-Peter Schöppner, Chef von TNS Emnid, eines der größten deutschen Meinungsforschungsinstitute

von Konrad Fischer

Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner über Eurokritiker im Allgemeinen und die Chancen der Freien Wähler bei einer Bundestagswahl im Speziellen.

WirtschaftsWoche Online: Umfragen suggerieren, dass knapp die Hälfte der Deutschen den  Austritt aus dem Euro wünscht, von den etablierten Parteien wird das geschlossen abgelehnt. Jetzt will mit den Freien Wähler zum ersten Mal eine bürgerliche Partei mit genau dieser Forderung in den Bundestagswahlkampf ziehen. Kann sie mit einer Unterstützung in dieser Größenordnung rechnen?

Klaus-Peter Schöppner: Sicherlich nicht. Denn hinter dieser Ablehnung verbergen sich zwei unterschiedliche Personengruppen: Protestwähler und Wirtschaftsliberale. Für eine Neugründung hieße das, dass sie sich für eine der beiden Gruppen entscheiden muss. Vereinen lassen sich diese Milieus kaum, dass eine ist eher intellektuell, dass andere anfällig für Ressentiments.

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Welches Wählerpotenzial sehen Sie für eine Partei, die auf den Protest gegen Europa setzt?

Wenn man die Menschen fragt, ob sie sich vorstellen könnten, eine euroskeptische Partei zu wählen, stimmen rund 20 Prozent der Befragten zu. Das heißt aber keineswegs, dass so viele sie dann auch wählen. Wenn man nach CDU oder SPD fragt bekommt man 55 bis 60 Prozent. Bei noch zu  kreierenden Parteien ist das schwieriger. Die muss man in einfachen Worten beschreiben und im Kern auf eine Aussage verkürzen. Keine Partei wird aber nur wegen eines Themas gewählt. Die Frage drückt also eher die Relevanz eines Themas als eine Wahlabsicht aus.

Welcher Wähler würde eine solche Partei denn anziehen?

Das sind Leute, die der Meinung sind, Deutschland als Ganzes und sie ganz persönlich müssten für die Verfehlungen anderer zahlen. Die sind generell eher national orientiert als kosmopolitisch. Es sind in der Regel Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss, die von den Denkmustern her einfach gestrickt sind.

Sind es Menschen, die generell zu Extremen neigen?

Nein. Eher die im Alltag zu kurz gekommenen, die Frustrierten.

Aber würde dieses Wählerpotenzial aus ihrer Sicht denn genügen, um in Parlamente einzuziehen?

Ich bin da skeptisch. Man muss sehen, dass die Zustimmung zum Euro in den letzten Jahren sogar größer geworden ist. Während 2007 noch eine Mehrheit der Deutschen die Rückkehr zur D-Mark forderte, hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Heute, in der tiefsten Währungskrise der Euro-Geschichte, steht eine stabile Mehrheit von 55 bis 60 Prozent hinter der Währung.

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Sind die Freien Wähler geeignet, um diese Rolle auszufüllen?

Die Freien Wähler gibt es als Partei ja nicht wirklich. In der Sichtweise der Bürger stehen sie nicht für ein übergeordnetes Programm. Sie nehmen auf lokale Gegebenheiten Bezug, wollen lokale Interessen durchsetzen, Bürgermitsprache. Das widerspricht einer bundespolitischen Ausdehnung und dann auch nur in einem Thema. Das ist es ganz weiter Weg, die bundesweit zu etablieren.

Kommt sich eine euroskeptische Partei den bei der Jagd um Wähler mit den Piraten ins Gehege?

Für viele Protestwähler ist ausschlaggebend, wo sie die Etablierten am meisten ärgern können. Und das geht im Moment am besten bei den Piraten. Zwischen 30 und 40 Prozent von deren Wählern sind genau solche Protestwähler. Für die Freien Wähler, die bundesweit bisher nicht in Erscheinung getreten sind, wird entscheidend sein, ob es ihnen gelingt über einen Protagonisten Wähler an sich zu ziehen. Ob Hans-Olaf Henkel dafür geeignet ist, halte ich eher für fraglich.

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