Metall- und Elektroindustrie: IG Metall streikt ab Mitternacht bundesweit

Metall- und Elektroindustrie: IG Metall streikt ab Mitternacht bundesweit

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Gewerkschafter der IG Metall Baden-Württemberg und Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie demonstrieren in Pforzheim.

In der Metall- und Elektroindustrie beginnen ab Mitternacht bundesweit Warnstreiks – unter anderem bei Ford, Daimler und Airbus. IG-Metall-Chef Hofmann nannte das neue Angebot der Arbeitgeber "Magerkost".

In der Metall- und Elektroindustrie beginnen ab Mitternacht bundesweit Warnstreiks. Die Arbeitgeber legten in den Tarifbezirken am Donnerstag zwar ein etwas höheres Angebot vor. Die IG-Metall wies dieses jedoch als zu niedrig zurück und kündigte Arbeitsniederlegungen an. Die neue Offerte sah eine Erhöhung der Entgelte in zwei Schritten um insgesamt 2,1 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten vor.

Der erste Vorschlag hatte 0,9 Prozent auf zwölf Monate vorgesehen. Zudem bekräftigten die Arbeitgeber die schon vorgeschlagene Einmalzahlung in Höhe von 0,3 Prozent. Die IG Metall verlieh mit Protestkundgebungen von Tausenden Mitgliedern an den Verhandlungsorten ihrer Forderung von fünf Prozent mehr Entgelt bei einem Jahr Laufzeit Nachdruck.

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IG-Metall-Chef Jörg Hofmann nannte das neue Angebot Magerkost: "Offensichtlich sind die Arbeitgeber in dieser Tarifrunde auf Krawall gebürstet. Wir werden auf diese Verweigerung konstruktiver Verhandlungen mit massiven Warnstreiks beginnend heute Nacht ab Null Uhr reagieren." So wird die Arbeit etwa bei Ford, Daimler oder Airbus niedergelegt.

Konjunktur IG Metall geht selbstbewusst in Tarifrunde

Die IG Metall fühlt sich stark wie nie. Nach einem erneuten Zuwachs an Mitgliedern will die größte deutsche Gewerkschaft vor allem tarifungebundene Unternehmen unter Druck setzen.

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall Quelle: REUTERS

In Baden-Württemberg steht die Warnstreikplanung bereits für die ersten zwei Mai-Wochen. "Wir wollen das nicht unbedingt, aber auf der anderen Seite sind die Beschäftigten ziemlich stinkig, ziemlich verärgert über das, was auf dem Tisch liegt", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger in Pforzheim.

Die (neuen) Köpfe der IG-Metall

  • Detlef Wetzel

    Detlef Wetzel, 62, tut es vielen Facharbeitern gleich und geht nahezu pünktlich zum 63. Lebensjahr in Rente. Nur knappe zwei Jahre hat der bedächtige Siegerländer an der Spitze der größten deutschen Gewerkschaft gestanden, die er organisatorisch kräftig umgekrempelt hat. Trotz Kanzlerin-Besuch hat Wetzel im Herbst 2013 einen klassischen Fehlstart hingelegt. 75,5 Prozent Zustimmung beim Gewerkschaftstag in Frankfurt bedeuteten das zweitschlechteste Ergebnis, mit dem je ein IG-Metall-Chef ins Amt gewählt worden ist.

    Gemeinsam mit seinem Vorgänger Berthold Huber hat der verheiratete Siegerländer den Apparat dezentralisiert und auf Kampagnenfähigkeit und Mitgliederwerbung eingeschworen. Seit vier Jahren kann die IG Metall wieder steigende Mitgliederzahlen präsentieren. Politisch hat Wetzel die Ernte der kooperativen Gewerkschaftstaktik eingefahren. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn und der vorzeitigen Rente mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren hat die große Koalition gewerkschaftliche Kernforderungen umgesetzt.

  • Jörg Hoffmann

    Jörg Hoffmann, 59, wirkt nur auf den ersten Eindruck mit seiner starken Brille und seinem sanften schwäbischen Tonfall etwas schüchtern. Wer sich mit dem Gewerkschafter über Arbeitnehmerrechte oder Tariffragen unterhält, lernt schnell den harten Verhandler und detailfesten Tariffuchs kennen. Als Tarifsekretär und langjähriger Bezirksleiter im traditionellen Pilot-Bezirk Baden-Württemberg hat der Diplom-Ökonom an zahlreichen Tarifverträgen maßgeblich mitgearbeitet, die weit mehr geregelt haben als die nächste Gehaltserhöhung für die Metallarbeiter.

    Altersteilzeit, Sonderregeln für ertragsschwache Unternehmen oder die tarifliche Absicherung von Leiharbeitern sind einige der dicken und innovativen Tarifbretter, die Hofmann meist gemeinsam mit seinem Vorgänger Berthold Huber gebohrt hat. Der fest in seiner Heimat Baden-Württemberg verwurzelte Hofmann ließ sich zum Abgang Hubers in die Pflicht nehmen und ging als Stellvertreter des drei Jahren älteren Detlef Wetzel in das rote Vorstands-Hochhaus am Main. Der verheiratete Vater einer Tochter sitzt zudem in den Aufsichtsräten der Konzerne Daimler und Bosch.

  • Christiane Benner

    Christiane Benner, 47, könnte die erste IG-Metall-Chefin in der Geschichte der Gewerkschaft werden. Sollte sie tatsächlich im Oktober auf dem Gewerkschaftstag als Nachfolgerin Hofmanns zur Zweiten Vorsitzenden gewählt werden, steht ihr auch der nächste Schritt an die Spitze offen. Zu den ungeschriebenen Gesetzen der IG Metall gehört, dass der Zweite Vorsitzende später Chef werden kann, wenn er denn will.

    Die gebürtige Aachenerin hat in Darmstadt erste Betriebsratserfahrung gesammelt, später in Marburg, Frankfurt und Chicago studiert und dann diverse Funktionen innerhalb der IG Metall ausgefüllt. Im Oktober 2011 rückte sie in den geschäftsführenden Vorstand der Gewerkschaft auf. Zu Benners Arbeitsgebieten gehören die Digitalisierung der Arbeitswelt und die gezielte Ansprache spezieller Zielgruppen. Sie ist verheiratet und sitzt bei BMW und Bosch im Aufsichtsrat.

Die erhöhte Offerte sei "ein ernstzunehmendes Signal" für eine friedliche Lösung, sagte hingegen der Verhandlungsleiter der Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen Arndt Kirchhoff. Er rief die Gewerkschaft erneut auf, zu einer "realitätsnahen Tarifpolitik" zurückzukehren. Die Tarifpartner trügen eine große Verantwortung für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter.

"Der Verteilungsspielraum ist im Moment historisch niedrig", sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf. Die Inflation sei gering, die Produktivität der Unternehmen steige kaum noch. Mit Blick auf die Warnstreiks im öffentlichen Dienst sagte Wolf, das Land versinke gerade wieder in Streiks. "Die Menschen in unserem Land sind es leid, Streiks ertragen zu müssen." Die IG Metall solle nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen.

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Jörg Hofmann Quelle: PR Frank Rumpenhorst

Die Gewerkschaft begründet ihre Forderung mit dem Gewinnwachstum in den Unternehmen und der soliden Konjunktur, die mit höheren Löhnen über mehr Kaufkraft weiter angekurbelt werden müsse. Die Arbeitgeber betonen dagegen die Risiken in der Weltwirtschaft und warnen, die Unternehmen investierten mehr und mehr im Ausland wegen des aus ihrer Sicht hohen Tarifniveaus in Deutschland.

In der Woche vor Pfingsten wollen sich Gewerkschafter und Arbeitgeber wieder an den Tisch setzen. Einen Pilotabschluss für die Branche, der sonst häufig in Baden-Württemberg ausgehandelt wurde, könnte dieses Mal in Nordrhein-Westfalen erzielt werden, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall Oliver Zander. "Aber sicher ist das nicht." NRW-Verhandlungsführer Kirchhoff hat bereits atmosphärische Verbesserungen ausgemacht. "Dieses Mal sind wir nicht kopfschüttelnd auseinander gegangen", sagte er in Neuss. Sein Gegenspieler, IG-Metall-Chef Knut Giesler, musste dagegen die "Fortschritte mit der Lupe suchen."

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