Metallindustrie: Jobverlust durch zu hohen Tarifabschluss?

KommentarMetallindustrie: Jobverlust durch zu hohen Tarifabschluss?

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Wiederholt sich die Geschichte? WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse kommentiert den Tarifabschluss in der Metallindustrie.

Im Jahr 1995 fand in einer konjunkturellen Abschwungphase  eine Tarifrunde in der Metallindustrie statt. Die IG Metall setzte eine zweifstufige Lohnerhöhung von sieben Prozent durch. Im Jahr darauf gingen 120 000 Jobs verloren. Und die Unternehmen flohen in Scharen aus dem Flächentarifvertrag.

Wiederholt sich nun die Geschichte? Auf den ersten Blick erinnert es schon ein bisschen an 1995, was die Tarifparteien heute in Sindelfingen vereinbart haben. Die 3,6 Millionen Beschäftigten erhalten 2009 in zwei Stufen insgesamt 4,2 Prozent mehr Geld – in einem Jahr, in dem uns mit ziemlicher Sicherheit eine Rezession erwartet.

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Oben drauf kommt eine Einmalzahlung von 510 Euro für November und Dezember 2008 sowie zwei weitere Einmalzahlungen  2009 und 2010. Der Tarifvertrag läuft bis April 2010. 

Dass die Metallarbeitnehmer angesichts der vergangenen fetten Jahre in ihrer Branche einen Lohnzuschlag verdient haben, stellen selbst Hardcore-Ökonomen nicht infrage. Fakt ist aber auch: In keinem Land der Welt verdienen Metallarbeitnehmer so gut wie in Deutschland. Und die Lohnerhöhungen der Metallindustrie lagen schon in den vergangenen Jahren deutlich über dem Durchschnitt. 

Im Vorfeld einer möglichen Weltwirtschaftskrise mit der höchsten Lohnforderung seit 16 Jahren in die Tarifrunde zu ziehen, war daher ziemlich gewagt von IG-Metall-Chef Bertold Huber und seiner Truppe.

Dennoch gehen die Tarifparteien mit diesem Abschluss ein hohes Risiko ein

Denn: In der Metall-und Elektroindustrie ist die Ertragslage nach Regionen und Branchen sehr unterschiedlich. Gießereien etwa laufen noch gut, für den Maschinenbau hingegen sagt das Ifo-institut für 2009 einen Produktionsrückgang von drei Prozent  voraus. Vielen Unternehmen brechen derzeit die Aufträge in einem dramatischen Tempo weg. Industrielle Schwergewichte wie Daimler, Opel und Bosch müssen bereits wegen massiver Absatzprobleme Mitarbeiter in den Zwangsurlaub schicken.

Umso wichtiger, dass der Tarifabschluss den Betrieben überraschend weitreichende Ausweich-Optionen bietet. Die zweite Erhöhungsstufe ab Mai 2009 etwa dürfen Betriebe, denen es dreckig geht, um bis zu sieben Monate nach hinten schieben. Auch die lange Laufzeit von 18 Monaten gibt ihnen Planungssicherheit.

Dennoch gehen die Tarifparteien mit diesem Abschluss ein hohes  Risiko ein. In Boomzeiten mögen die Lohnkosten für viele Betriebe ja ein vernachlässigbare Größe sein. Aber sobald die Krise kommt und die Gewinne schrumpfen, stehen innerbetrieblich wieder die Controller und Sparkommissare in der ersten Reihe. Von daher könnte dieser Tarifabschluss in vielen Unternehmen Arbeitplätze gefährden.

Dass wissen auch die Betriebsräte. Hätte die IG Metall zum Flächenstreik gerufen, um ihre absurde ursprüngliche 8-Prozent durchzusetzen, wären ihr vermutlich viele Arbeitnehmer nicht gefolgt – weil ihnen der eigene Job wichtiger ist als die Beschlusslage der IG Metall. Die Gewerkschaft hätte ein ähnliches Desaster befürchten müssen wie 2003 - als sie versuchte,  in einem Rezessionsjahr in Ostdeutschland die 35-Stunden-Woche zu erstreiken.

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