Metallrecycling: Streit um die Rohstoffe aus der Mülltonne

Metallrecycling: Streit um die Rohstoffe aus der Mülltonne

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Blick in eine Wertstofftonne

von Cordula Tutt

Aus Rasierern, Staubsaugern oder Handys lassen sich Metalle wie Gold, Kupfer und Palladium gewinnen. Nun streiten Privatfirmen und Kommunen um den lukrativen Abfall – ein neues Gesetz wird das Geschäft auf Jahre hin verteilen.

Für Eric Schweitzer sind die Reste des Alltags Schätze, die Berge von Rasierern, Staubsaugern, Handys oder Taschenrechnern in Recyclinghöfen Goldminen. Oft landet der Kleinschrott aber noch in der grauen Tonne und ist perdu. Schweitzer, Chef des Entsorgers Alba, ist einer der Schatzsucher, die Metalle wie Gold, Silber, Kupfer, Palladium und andere Kostbarkeiten aus dem Abfall auslösen und wieder verkaufen wollen. Der 45-jährige Berliner Abfallunternehmer taxiert die Ausbeute aus einer Tonne Kleingeräte höher als die amerikanischen Schürfer im Goldrausch: 250 Gramm reines Gold lasse sich aus dem Elektroschrott gewinnen.

„Bisher werden nur 40 Prozent der Kleingeräte recycelt, 60 Prozent verbrannt. Das ist weder umweltfreundlich noch wirtschaftlich“, klagt Schweitzer. Die Botschaft: Alba und anderen Größen wie Remondis oder Veolia entgeht innovatives Geschäft – und wir verlieren Ressourcen, die rohstoffreiche Länder wie China immer teurer verkaufen oder gleich für sich selbst behalten. Zugleich ist in Geräten und Anlagen etwa mehr Kupfer versteckt, als Reserven unter der Erde lagern, so der Umweltsachverständigenrat. „Städtischer Bergbau“, also die Rückgewinnung, erwirtschaftete 2009 in Deutschland 8,4 Milliarden Euro. Nach Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft könnten es 2020 gar 20 Milliarden Euro sein.

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Bundesweit bangen aber nun 7000 kleinere und große private Müllbetriebe, ob ihnen diese Zukunft verwehrt bleibt. Denn auch städtische Betriebe wollen am Run auf die Rohstoffe teilhaben und sich den Zugriff sichern. Schweitzers Firma streitet deshalb um jede Abfalltonne und den Weg in die Hinterhöfe; Berliner Zeitungen schreiben bereits vom „Müllkrieg“. Gegner ist der städtische Entsorger BSR, der mit seiner Orange Box Wertstoffe – ob Plastik, Holz, Textilien oder Elektroteile – vorm Haus abholen will. Die Tonne für alles, was nach Rohstoff und Recycling riecht, hatte Alba zuerst und bei knapp 400.000 der zwei Millionen Haushalte seine Gelbe Tonne Plus postiert.

Das Landesverwaltungsgericht verfügte den Burgfrieden: Die Privaten dürfen die Tonnen stehen lassen, aber keine weiteren aufstellen. Schlichter soll das Bundesumweltministerium sein, das derzeit das Kreislaufwirtschaftsgesetz für die Müllmänner überarbeitet: Abfall soll vermieden, mindestens verwertet und nur zur Not verbrannt oder vergraben werden. Bis Jahresende muss die Regierung den Gesetzentwurf bei der EU vorlegen, im Januar soll das in Umwelt- und Wirtschaftsressort umkämpfte Gesetz ins Kabinett.

Angst vor Rosinenpickerei

Im Haus von Minister Norbert Röttgen (CDU) heißt es: „Wir hören auch die Argumente der Kommunen, das Wirtschaftsministerium will eher mehr Privatwirtschaft.“ Die Städte bringen vor, sie seien für Hausmüll, für alles Verwertbare zuständig, was nicht als Verpackung im Gelben Sack (der Privaten) lande. Auch dürfe es keine „Rosinenpickerei“ geben. Klamme Kommunen gründen flugs Firmen und holen Fahrzeuge fürs lukrative Geschäft.

Im Paragraf 17 des vorläufigen Gesetzentwurfs steht in ihrem Sinne, dass „überwiegende öffentliche Interessen“ den Einstieg von Privaten verhindern – es sei denn, öffentliche Müllmänner erledigten den Job nicht „in gleicher Qualität, Effizienz und Dauer“. Das Sowohl-als-Auch dürfte die Gerichte beschäftigen, weil sich Privatbetriebe da benachteiligt fühlen.

Solche Regeln machten die Kommunen zunächst zu Monopolisten, mäkelte schon das Bundeskartellamt: „Dies ist aus wettbewerbsrechtlicher Sicht (...) bedenklich.“ Alba-Chef Schweitzer unterstellt zudem, dass Kommunen sich kaum für Recycling interessieren. Sie hätten viel in Müllverbrennung investiert. Zwei Drittel der Anlagen seien in ihrer Hand und schon heute nicht ausgelastet. Der Naturschutzbund NABU schätzt, dass auch dank Mülltrennung den Brennöfen jährlich gut acht Millionen Tonnen Müll fehlen werden.

Unternehmer Schweitzer hofft im Endspurt noch auf die Kraft seiner Argumente: „Wir haben zwei Arten von Rohstoffen in Deutschland – das, was die Menschen im Kopf haben, und das, was im Abfall steckt. Aus beidem machen wir zu wenig.“

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