Michael Fuchs : "Nachrüsten statt abschalten"

Michael Fuchs : "Nachrüsten statt abschalten"

Bild vergrößern

Michael Fuchs

von Christian Ramthun

Deutschland soll die Atomkraftwerke am Netz lassen und Energiepolitik ohne Hysterie betreiben, fordert der CDU-Politiker Michael Fuchs.

WirtschaftsWoche: Herr Fuchs, kommt nun der verkürzte Atomausstieg, nachdem die CDU im vorigen Jahr die Laufzeiten verlängerte?

Fuchs: Wir sollten uns nicht vorschnell von der Kernenergie trennen. Deshalb hoffe ich, dass wir nach dem ersten verständlichen Schock über den Tsunami in Japan und die Katastrophe in Fukushima wieder zu mehr Sachlichkeit zurückkehren, statt uns in kollektiver Hysterie zu ergehen.

Anzeige

Möchten Sie wieder zur alten Tagesordnung übergehen?

Natürlich nicht. Wir müssen aus der Katastrophe lernen und die richtigen Schlussfolgerungen ziehen.

Und die sind?

Nachrüsten statt abschalten. Die Politik muss die Sicherheitsstandards weiter verschärfen, und die Kernkraftwerksbetreiber haben diese umzusetzen. Oder sie müssen abschalten, wenn es sich dann nicht mehr lohnt.

Soll das auch für die acht Kernkraftwerke gelten, die wegen des dreimonatigen Moratoriums abgeschaltet sind?

Klar. Kein Kernkraftwerk soll abgeschaltet werden, nur weil es vor 1980 ans Netz gegangen ist. Entscheidend muss doch allein die Erfüllung der Sicherheitsnormen sein. Auch hier rufe ich zu Sachlichkeit und Vernunft auf.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen will die alten Reaktoren nicht wieder ans Netz lassen. Wie ist denn die Stimmung in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion?

Die Stimmung in der Unionsfraktion ist mehrheitlich für eine sachliche, an Fakten orientierte Diskussion. Und klar ist auch, dass die Fraktion bei der Änderung der Energiepolitik gehört werden muss.

Die Kanzlerin will schnell ins Zeitalter der erneuerbaren Energie. Sie auch?

Ich sehe nicht, wie das in absehbarer Zeit funktionieren kann. Der Wind- und Sonnenenergie fehlt die erforderliche Grundlastfähigkeit. Mal fließt kaum Strom, mal so viel, dass die Netze fast zusammenbrechen. Darüber hinaus fehlt es uns nach wie vor an Spreichermöglichkeiten. Eine Grundlastsicherung kann bei einem Atomausstieg nur durch mehr Kohle- und Gaskraftwerke sichergestellt werden. Aber dagegen gibt es ja auch Ressentiments von Umweltschützern.

Die gibt es auch beim erforderlichen Netzausbau. Was muss hier geschehen?

Die Grünen dürfen nicht länger den Bau neuer Stromleitungen bekämpfen. Frau Roth und Herr Trittin müssen ihre eigenen Leute vor Ort zur Räson bringen.

Sehen Sie in einem raschen Atomausstieg die Gefahr einer Deindustrialisierung Deutschlands?

Seit der Anordnung, sieben Atomkraftwerke abzuschalten, sind die Preise an der Leipziger Strombörse um zehn Prozent gestiegen. Wenn Strom sich dauerhaft deutlich verteuert, wird es für bestimmte Branchen wie etwa Metall und Chemie eng. Dann drohen ganze Wertschöpfungsketten wegzubrechen. Und weswegen? Weil wir die sichersten Kernkraftwerke Europas abschalten, während die Nachbarn um uns herum weitermachen wie bisher.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%