Milliarden-Überschuss: Ökostrom-Umlage wird sinken

Milliarden-Überschuss: Ökostrom-Umlage wird sinken

, aktualisiert 07. Oktober 2014, 12:16 Uhr
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Die Ökostrom-Umlage soll erstmals sinken.

Das Umlage-Konto für Ökostrom weist einen fast 1,4 Milliarden schweren Überschuss auf. In der Folge gilt es als sicher, dass die Verbraucher bald eine geringere Ökostrom-Umlage zahlen müssen.

Erstmals seit ihrer Einführung wird die von allen Stromverbrauchern zu zahlende Ökostrom-Umlage sinken. Das sei wegen eines Milliarden-Überschusses auf dem Förderkonto zum entscheidenden Stichtag 30. September sicher, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Branchenkreisen.

Das Umlage-Konto war Ende September mit 1,38 Milliarden Euro im Plus, in den Vorjahren gab es immer ein dickes Minus. Am 15. Oktober wird die Umlage für 2015 veröffentlicht. Zuständig für die Berechnung sind die vier Übertragungsnetzbetreiber, die den aktuellen Kontostand nun im Internet veröffentlicht haben.

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Das Sinken hat sich wegen einer zu hoch angesetzten Umlage für 2014 schon seit Monaten abgezeichnet. Die Umlage wird seit 2003 erhoben, damals betrug sie 0,41 Cent je Kilowattstunde. Derzeit liegt die Umlage bei 6,24 Cent je Kilowattstunde, was bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden einen Haushalt knapp 220 Euro im Jahr kostet.

Tilman Cosack Die EEG-Umlage sinkt, der Strompreis bleibt gleich

Die EEG-Umlage wird voraussichtlich erstmals seit ihrer Einführung sinken. Ein Verdienst der Politik ist das aber nicht, sagt der Energieexperte Tilman Cosack. Und der Verbraucher profitiert davon auch nicht.

Der Offshore-Windenergiepark „BARD Offshore 1“ vor der ostfriesischen Insel Borkum. Der hier erzeugte Strom wird durch die EEG-Umlage mitfinanziert. Quelle: dpa

Nach Jahren starker Anstiege wird auch für die nächsten Jahre mit nur noch moderaten Steigerungen und daher mit etwas Entspannung bei den Strompreisen gerechnet. Dank der Milliardenhilfen beträgt der Ökostrom-Anteil bereits rund 27 Prozent. In den ersten neun Monaten wurden Solar-, Wasser-, Wind- und Biomasseenergie zur wichtigsten Stromquelle, erstmals wurde der Braunkohlestromanteil übertroffen.

Experten hatten zuletzt eine Umlage von etwa 6 Cent für das kommende Jahr berechnet, was bei 3500 Kilowattstunden Verbrauch 210 Euro ausmachen würde. Der Strompreis kann, muss aber nicht sinken. Das hängt auch von anderen Strompreis-Komponenten wie den Netzentgelten ab, die durch die Netzausbaukosten ansteigen können.

Die Ökostrom-Umlage macht derzeit 18 Prozent des Strompreises aus - der Staat profitiert sogar noch durch die Mehrwertsteuereinnahmen von einer hohen Ökostrom-Umlage. Verbraucher und Wirtschaft zahlen die Umlage über den Strompreis, energieintensive Firmen sind weitgehend befreit. Diesen Milliarden-Einnahmen stehen Milliarden-Ausgaben für die Vergütung des produzierten Ökostroms gegenüber - Betreiber von Ökoenergieanlagen erhalten auf 20 Jahre garantiert feste Vergütungen.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

  • Allgemeines

    Insgesamt 2098 Unternehmen sind im Jahr 2014 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das entspricht einer begünstigen Strommenge von voraussichtlich 107 Terawattstunden – das sind etwa 18 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2014 bleiben den Firmen damit rund 5,1 Milliarden Euro an Kosten erspart.

    Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattstunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

  • Aurubis

    Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den Jahren 2010 bis 2012 auf 102 Millionen Euro.

  • BASF

    Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde. Für 2014 stehen allerdings nur noch Betriebe in Leuna und Rudolstadt auf der Liste.

  • Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

    Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahngesellschaften – insgesamt 72 Schienenbahnunternehmen sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

  • Schwarzwaldmilch

    Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. So gehört auch die Schwarzwaldmilch Offenburg zu den von der EEG befreiten Unternehmen.

  • Storck

    Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

  • Vion

    Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Seit 2010 war die Umlage von damals 2 Cent deutlich gestiegen, unter anderem weil der Solarzubau stark zunahm. Im August trat eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Kraft mit weiteren Förderkürzungen - aber auch mit Industrierabatten bei den Förderkosten für erneuerbare Energien mit einem Volumen von rund fünf Milliarden Euro. Da die Reform erst gerade in Kraft getreten ist, hat sie keinen Einfluss auf das erwartete Sinken der Umlage 2015.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer betonte: „Die gute Nachricht: Die EEG-Umlage sinkt. Die schlechte Nachricht: Die EEG-Novelle von Union und SPD wird die Haushaltsstromkunden mittelfristig nicht entlasten.“ Grund seien weiterhin großzügige Befreiungen der Industrie, kritisierte Krischer. Daher werde die Umlage 2016 wohl wieder ansteigen.

Der Strompreis für private Haushalte in Deutschland ist seit 2008 um 38 Prozent gestiegen, wie die Bundesregierung jüngst mitteilte. Demnach legte der Kilowattstunden-Preis von 21,4 Cent auf 29,4 Cent zu. Für die energieintensive Industrie sind die Preise - auch dank hoher Rabatte - von 2008 bis 2014 hingegen um ein Prozent gefallen. Für die übrige Industrie stieg er jeweils um 13 bis 15 Prozent.

Die Versorger konnten seit 2008 wegen des Zuwachses an Solar- und Windstrom von deutlich gesunkenen Einkaufspreisen profitieren. Aber dieser Vorteil wird nach Meinung von Verbraucherschützern oft nur unzureichend an die Stromkunden weitergegeben, während sie durch die Ökostrom-Förderung, Industrierabatte und Netzkosten belastet werden.

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