Mindestlohn-Hotline: Angestellte sollen eigenen Chef anschwärzen

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Mindestlohn-Hotline: Angestellte sollen eigenen Chef anschwärzen

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Gewerkschaften wollen eine Mindestlohn-Hotline einführen, bei der Angestellte ihren Chef völlig anonym verpetzen können, wenn der keinen Mindestlohn zahlt.

von Stephan Happel

Petzen für den Mindestlohn: Gewerkschaften wollen eine Hotline einrichten, über die Angestellte ihren Chef verpfeifen können, wenn der nicht ordentlich zahlt. Dabei gibt es schon jetzt zu wenig Kontrolleure, die die Einhaltung des Mindestlohns überprüfen sollen.

Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro kommt und der Streit darum geht in unverminderter Härte weiter. Während sich die Regierungsparteien vor der geplanten Gesetzesverabschiedung im Juli um mögliche Ausnahmen zanken, sorgen sich Arbeitnehmervertreter um schwarze Schafe und Drückeberger.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten, Michaela Rosenberger, hat daher die Diskussion um eine Mindestlohn-Hotline entfacht. Völlig anonym sollen dort Angestellte ihren Chef verpetzen können, wenn der keinen Mindestlohn zahlt. England habe mit einem ähnlichen Modell Erfolg. Aus Angst Probleme zu bekommen, zahlten dort die meisten Chefs den gesetzlichen Erfolg, so Rosenberger. 

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Der Vorstoß stößt auf viel Gegenliebe - bei anderen Arbeitnehmervertretern. “Eine gute Idee”, heißt es aus der Gewerkschaft Verdi. “Diejenigen, die nicht zahlen wollen, müssen unter Druck gesetzt werden.” Die Erfahrungen etwa vom Pflege-Mindestlohn zeigten, dass immer wieder massive Verstöße und Umgehungsversuche gebe.

Verpetzen erwünscht

Dass der Telefonservice Denunziantentum in Zukunft noch einfacher macht und sich konkurrierende Unternehmen auch gegenseitig melden, nimmt Verdi nicht nur in Kauf. Die Gewerkschaft setzt sogar darauf. Schließlich treffe es ja nur diejenigen, die sich nicht an die Regeln halten.

“Unter den Whistleblowern sind auch viele Konkurrenten, die den Mindestlohn zahlen und deshalb mit den schwarzen Schafen im fairen Wettbewerb nicht mithalten können”, sagt ein Verdi-Sprecher. Durch die Möglichkeit die Drückeberger anzuschwärzen, soll also für Chancengleicheit gesorgt werden.

Bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) is man von der Idee hingegen wenig begeistert. “Überflüssig”, sagt BDA-Mann Roland Wolf. “Das ist eine Regelung, für die es keinen Anlass gibt.” Die meisten deutschen Unternehmer seien ohnehin gesetzestreu. Wozu also das Ganze.

Lohngrenze Der Mindestlohn ist eine riskante Strategie

Für die Gewerkschaften könnte der gesetzliche Mindestlohn zu einem organisationspolitischen Eigentor werden. Der Staat wird ein immer mächtigerer Akteur in der Lohnpolitik.

Mindestlohn  Quelle: dpa

Tatsächlich gibt es schon jetzt die Möglichkeit, Unternehmen, die sich nicht an das Gesetz halten, beim zuständigen Zollamt zu melden. Davon werde auch regelmäßig Gebrauch gemacht, heißt es aus Bundesfinanzdirektion West. Heißt: Bekommen die Fahnder einen Tipp, prüfen Sie die Betriebe schon jetzt - ganz ohne besondere Rufnummer.

Personalmangel

Die Mindestlohn-Hotline könnte das Verfahren für Angestellte zwar leichter machen, ob damit aber nur die Zahl oder auch die Qualität der Hinweise auf vermeintliche steigt, ist ungewiss.

Die Hotline genüge deshalb auch keinesfalls, um den Mindestlohnanspruch durchzusetzen. heißt es von Verdi. Verpetzen allein reicht nicht, schärfere und vor allem mehr Kontrollen sollen her. Und genau da gibt es derzeit ein Problem.

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