Mindestlohn: Wirtschaftsweiser Schmidt: Mindestlohn kostet mehrere 100.000 Jobs

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Der gesetzliche Mindestlohn könnte in Niedriglohn-Branchen Arbeitsplätze kosten, befürchtet der Chef der Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt

von Bert Losse

Die Einführung des flächendeckenden Mindestlohnes wird nach Einschätzung des Chefs der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, mehrere 100.000 Arbeitsplätze kosten.

„Ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn wird gerade den Schwachen voraussichtlich mehr schaden als nutzen“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Schmidt, in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. „Es dürften auf lange Sicht einige 100.000 Stellen im Niedriglohnbereich wegfallen oder in die Schattenwirtschaft abwandern, wenn es rasch und ohne Differenzierung zu Mindestlöhnen von 8,50 Euro pro Stunde kommt.“ Der Ökonom ist auch Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.

Besonders in strukturschwachen Regionen erwartet Schmidt negative Folgen. „Gerade in strukturschwachen Regionen können Dienstleistungsbetriebe mit geringer Gewinnmarge die höheren Löhne nicht auf die Preise überwälzen. Dann bleibt nur der Personalabbau“, erklärt Schmidt. Höhere Preise ließen sich vielfach nicht durchsetzen, weil es zu Ausweichreaktionen der Kunden komme. „Dann heißt es beim Haareschneiden der Kinder wieder 'Do it yourself', und die Blumen für die Oma holt man nicht mehr beim Floristen, sondern am Wegesrand.“

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Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will bis zur Sommerpause einen Gesetzentwurf vorlegen. Sollte die Bundesregierung an ihren Plänen festhalten, hält Ökonom Schmidt Ausnahmeregelungen für unbedingt notwendig. „Die Politik könnte die negativen Folgen mit einem differenzierten Mindestlohn entschärfen. Nötig ist die Unterscheidung nach Ost und West – in Ostdeutschland ist gut ein ¬Viertel der Arbeitnehmer betroffen – und zum anderen nach Alter und Qualifikation.“ Sonst werde der Mindestlohn besonders Jugendlichen, Berufseinsteigern und Langzeitarbeitslosen schaden.

Scharf kritisierte Schmidt die Pläne der großen Koalition, künftige Erhöhungen des Mindestlohns einer Kommission aus Gewerkschaftern und Arbeitgeberfunktionären zu überlassen. "Wissenschaftler sollen außen vor bleiben. Sie dürfen beraten, haben aber kein Stimmrecht. Das ist keine gute Konstruktion", sagte er der WirtschaftsWoche.

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