Mit 93 Jahren: Marcel Reich-Ranicki ist gestorben

Mit 93 Jahren: Marcel Reich-Ranicki ist gestorben

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Marcel Reich-Ranicki ist mit 93 Jahren gestorben.

Als Kritiker war er geehrt und gefürchtet zugleich. Seine Autobiografie mit der Schilderung der Flucht aus dem Warschauer Ghetto wurde zum Bestseller. Marcel Reich-Ranicki ist im Alter von 93 Jahren gestorben.

Marcel Reich-Ranicki ist tot. Deutschlands berühmtester Literaturkritiker starb im Alter von 93 Jahren. Dies twitterte der Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher, am Mittwoch. „Wir trauern alle. Noch vor 2 Stunden habe ich ihn besucht.“
Reich-Ranicki, der aus einer deutsch-polnischen Familie stammte und als Jude in Berlin aufwuchs, hatte das Warschauer Ghetto überlebt. 1958 kehrte er nach Deutschland zurück. Im März 2013 hatte Reich-Ranicki, der in Frankfurt lebte, seine Krebserkrankung öffentlich gemacht.
Einem großen Publikum wurde der Kritiker mit der ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett“ bekannt. Neben zahlreichen anderen Büchern veröffentlichte er 1999 seine Autobiografie „Mein Leben“, die zum Bestseller wurde. Das Buch wurde nach Verlagsangaben mehr als 1,2 Millionen Mal verkauft. Bis ins hohe Alter gab der scharfzüngige Kritiker in der Literaturszene die Richtung vor. Er schrieb noch regelmäßig für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“.
Bis August 2006 trat Reich-Ranicki auch noch in Sondersendungen des „Literarischen Quartetts“ auf. Für sein Lebenswerk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt, den Ludwig-Börne-Preis sowie das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Seine Frau Teofila („Tosia“) starb im April 2011 im Alter von 91 Jahren.

„Wir verlieren in ihm einen unvergleichlichen Freund der Literatur, aber ebenso der Freiheit und der Demokratie“

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte den gestorbenen Literaturkritiker. „Wir verlieren in ihm einen unvergleichlichen Freund der Literatur, aber ebenso der Freiheit und der Demokratie“, erklärte sie. „Ich werde diesen leidenschaftlichen und brillanten Mann vermissen.“ Nicht einmal der mörderische Hass der Nazis habe ihm seine Liebe zu den deutschen Dichtern austreiben können. Man könne nur dankbar dafür sein, dass der Sohn einer jüdischen deutsch-polnischen Familie, der Verwandte in den NS-Vernichtungslagern verloren habe, sein Zuhause wieder in Deutschland gefunden und dem Land so viel gegeben habe.

Bundespräsident Joachim Gauck nannte Reich-Ranicki „leidenschaftlichsten Streiter und entschiedensten Anwalt“ der deutschen Literatur. „Er, den die Deutschen einst aus ihrer Mitte vertrieben haben und vernichten wollten, besaß die Größe, ihnen nach der Barbarei neue Zugänge zu ihrer Kultur zu eröffnen“, erklärte Gauck. „Alle haben ihn geachtet, viele haben ihn geliebt, wir alle werden ihn vermissen.“ Gauck betonte, Reich-Ranickis Leben spiegele eindrücklich deutsche und europäische Geschichte, und erinnerte daran, dass dieser „an der Seite seiner unvergessenen Frau Teofila“ das Warschauer Ghetto überlebt habe. „Unser Land trauert um Marcel Reich-Ranicki.“

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte: „Mit Marcel Reich-Ranicki geht ein ganz Großer der deutschen Literaturkritik. Seine stets klare Sprache hat über viele Jahrzehnte die Debatten in unserem Land bereichert, seine Liebe zur deutschen Literatur viele Menschen in unserem Land beflügelt. Dass er als junger Überlebender des Warschauer Ghettos Deutschland nie den Rücken gekehrt hat, werden wir Deutsche ihm nie vergessen.“

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