
„Union und Liberale schlagen sich hier auf die Seite des Oligopols der Wirtschaftsprüfer, statt marktwirtschaftliche Reformen zu ermöglichen. Dabei tragen die Wirtschaftsprüfer eine erhebliche Teilverantwortung für die Krise“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick. Risiken seien verkannt und Testate nicht eingeschränkt worden, obwohl das in vielen Fällen dringend erforderlich gewesen wäre. „Viele schwere Fehler und Versäumnisse der Wirtschaftsprüfer im Vorfeld der Krise lassen sich auch auf die Marktstruktur und den Regulierungsrahmen der Wirtschaftsprüfung zurückführen“, macht der Grünen-Politiker deutlich.
Die jetzt öffentlich gewordenen Vorschläge der EU-Kommission wiesen daher in die richtige Richtung. „Union und FDP müssen ihren Widerstand deshalb aufgeben und stattdessen die Kommissions-Vorschläge konstruktiv begleiten, wenn die richtigen Lehren aus der Krise gezogen werden sollen“, so Schick.
Nach dem Willen von Binnenmarktkommissar Michel Barnier soll es den Marktführern KPMG , Ernst & Young , Deloitte und PwC künftig nicht mehr erlaubt sein, in ein und demselben Konzern als Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater aufzutreten. Das geht aus einem Entwurf Barniers vor, der Reuters am Dienstag vorlag.
Die Neuregelung soll Interessenskonflikten einen Riegel vorschieben, denn Beratungsmandate sind lukrativ und könnten die Unabhängigkeit der Prüfer in Zweifel ziehen. Am Ende ist auch eine Aufspaltung der Gesellschaften denkbar. Die Pläne müssen aber noch vom Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten abgesegnet werden. Widerstand wird vor allem aus Großbritannien erwartet, wo die „großen Vier“ ihren Europasitz haben.
Branche läuft Sturm gegen die EU-Pläne
Barnier hatte zu Jahresbeginn eine Richtlinie bis November angekündigt, die für mehr Wettbewerb in der Branche sorgen soll. KPMG, Ernst & Young, Deloitte und PwC prüfen praktisch alle großen Konzerne weltweit. In die Kritik sind sie vor allem während der Finanzkrise geraten: Sie hatten die Bilanzen vieler Banken testiert, die wenig später vom Steuerzahler gerettet werden mussten - Ernst & Young etwa war bei der Pleite-Bank Lehman Brothers an Bord. Erwogen wird nun, Prüfungen künftig immer von zwei Gesellschaften durchführen zu lassen - wobei einer der Prüfer nicht von den Marktführern kommen soll.
„Die Kommission kann vorschlagen, was sie will, aber wir sind der Gesetzgeber“, sagte der Vorsitzende des Rechtsausschusses Klaus-Heiner Lehne (CDU) der „Financial Times Deutschland“ (FTD). „Mit uns wird es keine Revolution dieser Art geben. Von diesen Plänen wird nur ein Bruchteil übrig bleiben.“
Ähnlich äußerte sich die rechtspolitische Sprecherin der FDP im Europaparlament, Alexandra Thein. Sie lehnt Barniers Entwurf als "zu weitgehend" ab und spricht von einem "Affront gegen das Parlament". Außerdem sagte Thein der FTD: "Das ist ein altehrwürdiger Berufsstand, den kann man doch nicht so einfach komplett durcheinander bringen."
Auch die Branche läuft Sturm und befürchtet eine Überregulierung. Am Finanzplatz London wird bereits vor einer Übernahme der Marktführer etwa durch die aufstrebende Konkurrenz aus China gewarnt. Das deutsche Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) bezeichnete Barniers Pläne als „Irrweg ohne Beispiel“. „Es geht dem Kommissar augenscheinlich nicht mehr darum, die Abschlussprüfung auf der Grundlage der Erfahrungen aus der Finanzmarktkrise qualitativ weiterzuentwickeln, sondern den Prüfungsmarkt nach seinen Vorstellungen und auf Kosten der prüfungspflichtigen Unternehmen umzugestalten“, kritisierte IDW-Vorstandssprecher Klaus-Peter Naumann. Der Deutschland-Chef von KPMG, Rolf Nonnenmacher, sprach von einer „drastischen Intervention“ der EU-Kommission in den Prüfungsmarkt. „Wir werden uns mit aller Macht gegen Vorschläge wehren, die die Qualität der Prüfung gefährden.













