Morgan-Stanley-Chefökonom : "Uns droht ein Teufelskreis"

Morgan-Stanley-Chefökonom : "Uns droht ein Teufelskreis"

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Joachim Fels

von Malte Fischer

Der Morgan-Stanley-Chefökonom über das Risiko einer weltweiten Rezession, steigende Inflationsgefahren – und die Hoffnungsschimmer für Deutschland.

Herr Fels, die Frühindikatoren für die Konjunktur befinden sich auf Talfahrt, die Aktienmärkte crashen. Ist das der Auftakt für die Weltrezession?

Fels: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Weltwirtschaft in die Rezession rutscht, liegt bei rund 50 Prozent. Die Konjunktur in den Industrieländern lahmt, in den Schwellenländern ebbt der Boom ab. Das macht die Weltwirtschaft anfällig für Schocks. In den USA und zunehmend auch in Europa lässt das Wachstumstempo nach, die Raten nähern sich Werten an, die die Amerikaner „stall speed“ nennen – eine Art Mindestgeschwindigkeit, die erforderlich ist, um nicht in die Rezession zu schlittern. Das ist wie bei einem Flugzeug. Wird die Geschwindigkeit zu gering, reißt die Luftströmung ab, und die Maschine gerät ins Trudeln.

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Was sind die Ursachen dafür?

Fels: In Amerika halten sich die hoch verschuldeten Konsumenten zurück. Die USA sind nicht mehr die Lokomotive, sondern eher der Schlafwagen der Weltwirtschaft. In Europa bremst die Staatsschulden- und Bankenkrise die Wirtschaft. Dazu kommt, dass mit dem langsameren Wachstum der Schwellenländer deren Nachfrage nach Waren der Industrieländer nachlässt. Damit ist auch der große Schub für die deutschen Exporteure vorbei.

In der vergangenen Woche hat die Ratingagentur Standard & Poor’s die Bonität der USA von AAA auf AA+ herabgestuft. Welche langfristigen Folgen hat das?

Fels: Für die USA: keine! Dass die Amerikaner ein langfristiges Fiskalproblem haben, ist seit Langem bekannt. Allerdings könnte nun auch einigen anderen Ländern mit AAA-Rating wie Frankreich eine Herabstufung drohen. Dann muss die Konstruktion des europäischen Rettungsfonds EFSF, der wegen der Regierungsgarantien selbst ein AAA- Rating hat, nachgebessert werden. Insofern hat die US-Herabstufung eine größere Bedeutung für Europa als für die Vereinigten Staaten.

Amerika muss sparen. Aber die politische Gemengelage sieht nicht danach aus...

Fels: ...weshalb die USA eher den Weg -gehen, den sie schon nach dem Zweiten Weltkrieg eingeschlagen haben. Damals hat die Notenbank zusammen mit der Regierung eine Obergrenze auf die langfristigen Zinsen für Staatsanleihen von 2,5 Prozent eingeführt. Zugleich erzeugte die Fed hohe Inflationsraten, die in der Spitze bei 20 Prozent und im Schnitt der ersten Nachkriegsjahre bei sieben bis acht Prozent lagen. So haben die USA das nominale Wachstum erzeugt, das sie benötigten, um die Staatsschuldenquote nach unten zu drücken. Eine ähnliche Entwicklung dürften wir in den nächsten Jahren wieder sehen.

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