Müller und Gröhe in Afrika: Der Drängler und der Duldsame

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Müller und Gröhe in Afrika: Der Drängler und der Duldsame

, aktualisiert 08. April 2015, 11:05 Uhr
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Entwicklungsminister Gerd Müller (l, CSU) und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (r, CDU) unterhalten sich im Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre mit Generalmajor Obed Akwa.

von Cordula Tutt

Entwicklungsminister Gerd Müller und Gesundheitsminister Hermann Gröhe besuchen Westafrika. Bevor es ins von Ebola betroffene Liberia geht, machen sie im Nachbarland Ghana Station.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bringt den deutschen Botschafter in Ghana noch in der Lounge des Flughafens in Verlegenheit. Eigentlich ist der Minister in Westafrika, um sich über das tödliche Virus Ebola und die Folgen für die drei schwer betroffenen Nachbarländer zu informieren, will aber erst einmal zu einer Schrotthalde.

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Denn am Rande der Hauptstadt Accra befindet sich die weltgrößte Halde mit Fernsehern, Computern und anderem Elektroschrott, der auch aus Deutschland nach Ghana verschifft wird. Dort schlachten Firmen, oft auch Kinder, die Geräte aus und versuchen Rohstoffe wiederzugewinnen. Gesund oder gar umweltschonend ist das nicht. Müller: "Das muss doch zu machen sein, dass wir auf dem Weg zum Termin jetzt da vorbei fahren. Schließlich ist das hier das Ende unseres Konsums ins Deutschland, da darf man nicht wegschauen."

Ein typischer Müller - freundlich, aber drängelnd, und nur ein Minimum auf Etikette bedacht. Ohnehin war die Bundeswehrmaschine mit dem CSU-Politiker und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eine halbe Stunde zu früh gelandet, die Einreiseformalia unerwartet flott vorangegangen. Botschafter Rüdiger John windet sich sichtlich, meint, die Halde sei wohl zu weit draußen für einen Abstecher. Müller: "Wie heißt der Schrottplatz nochmal? Wir haben doch Zeit." John muss einräumen, dass er den Namen nicht kennt, wohl aber manchmal auf Accras Straßen die hoch mit Elektroschrott beladenen Lkw sieht. John hält solche Ortskenntnisse für Diplomaten womöglich für eher nebensächlich. Müller nicht.

Noch ist die Gefahr nicht gebannt

Der erste Termin geht dann doch wie geplant im Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC) los. Dort werden Militärs, Polizisten und Zivile aus Westafrika ausgebildet, nach Kriegen wieder Frieden zu schaffen und bei der Versöhnung zu helfen. Auch in den von Ebola betroffenen Nachbarländern haben Konflikte die Menschen beeinträchtigt. Die Folgen sind bis heute spürbar. Ghana ist für die Minister wichtig: Im Gegensatz zu Liberia, Sierra Leone und Guinea hat das Land ein recht ordentliches Gesundheitssystem. Daher könnte es beim Ausbruch ansteckender und unheilbarer Krankheiten künftig eine wichtige Rolle spielen. Zwischen 2014 und heute starben mehr als 10.000 Menschen an Ebola. Noch ist die Gefahr nicht gebannt.

Das ist das Ebola-Virus

  • Das Virus

    Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes, Fieber aus.

  • Sterblichkeit

    Je nach Erregerstamm sterben laut Angaben der WHO 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung ist noch kein Heilmittel auf dem Markt, Impfstoffe sind in der Testphase.

  • Der Übertragungsweg

    Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen oder Flughunde. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

  • Die Krankheit

    Die Inkubationszeit beträgt nach WHO-Angaben zwei Tage bis drei Wochen. Dann setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, auch andere Organe werden geschädigt. Es können schwere innere Blutungen auftreten. Erst wenn die Symptome auftreten, sind Infizierte ansteckend.

  • Die Gefahrenzone

    Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal wurde das Virus 1976 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe dem Ebola-Fluss nachgewiesen. Daher hat die Krankheit ihren Namen.

    Laut aktuellen Zahlen der WHO (Stand: 14. November 2014) sind seit dem aktuellen Ausbruch mehr als 14.400 Ebola-Fälle bekanntgeworden, die meisten in Liberia und Sierra Leone. Fast 5200 Menschen haben das Virus nicht überlebt.

Müller ist ein Fan von Gruppenfotos und stellt sich sogleich mit dem Leiter des Zentrums, dem ghanaischen Generalmajor Obed Boamah Akwa, vor das Bildnis des ehemaligen Uno-Generalsekretärs Annan, der aus Ghana stammt und Namensgeber ist. Etwas zögernd tritt auch Kabinettskollege Gröhe hinzu, doch die Bühne bespielt Müller, der mit dem Generalmajor schäkert. Ab und an schießt ein belehrender Zeigefinger Müllers nach oben. Der sehr umgängliche Generalmajor lässt es lächelnd geschehen.

Hinter dem Eingang stoßen die beiden Minister auf ein großes Foto des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, der hier vor gut zehn Jahren wohl bei der Eröffnung das Band durchschnitt. "Gerhard Schröder Hall" steht da, der Korridor vor dem großen Saal ist so benannt.

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