München: "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für einen Bezug zum IS"

ThemaTerrorismus

München: "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für einen Bezug zum IS"

, aktualisiert 23. Juli 2016, 14:53 Uhr
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Am Tag nach der Schießerei ist die Anspannung in München weiter groß.

Nach der Schießerei in München hat die Polizei zehn Tote bestätigt, einer von ihnen war der Täter selbst. Am Mittag gab die Polizei weitere Informationen bekannt. Was wir wissen.

  • Bei einer Schießerei in München sind am Freitagabend zehn Menschen zu Tode gekommen.
  • Einer der Toten ist nach Polizeiangaben der mutmaßliche Täter. Er hat sich offenbar selbst erschossen.
  • Den Angaben zufolge wurden 27 Menschen verletzt, zehn davon schwer. Einige hätten sich ihre Verletzungen auch im Zuge der Panik in der Stadt zugezogen.
  • Es handelte sich nach Behördenaussagen um "einen klassischen Amoklauf"
  • Der 18-jährige mutmaßliche Täter aus München habe keinen Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat gehabt, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä am Samstag.
  • Dieser Text gibt die Ereignisse bis zum frühen Samstagabend wieder. Die Ereignisse vom Freitagabend können Sie in diesem Überblick nachlesen.

+++De Maizière: Täter vorher nicht polizeilich in Erscheinung getreten+++
Der Amokläufer von München war nach Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) für die Sicherheitsbehörden zuvor ein unbeschriebenes Blatt. „Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt“, sagte er am Samstag in Berlin. Deswegen habe es auch keine staatsschutzrelevanten Informationen gegeben. „Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person.“ De Maizière bestätigte, dass der 18-jährige Deutsch-Iraner nach bisherigen Informationen „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ als Einzeltäter gehandelt habe.

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+++Bundeswehreinsatz wurde erwogen+++

Während des Amoklaufes wurde Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zufolge ein Einsatz der Bundeswehr erwogen. "Solange das Ausmaß des Anschlages am Freitag nicht klar war, war eine Feldjägereinheit der Bundeswehr in München in Bereitschaft versetzt", sagt sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorabmeldung. In einem solchen Fall behalte aber die Polizei die Federführung.

+++ Reaktion der Kanzlerin+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel lobt die Hilfsbereitschaft der Münchner in der Tatnacht, in der viele ihre Wohnungen Fremden zur Verfügung stellten. "In dieser Freiheit und Mitmenschlichkeit liegt unsere größte Stärke", sagt Merkel nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in Berlin.

+++ Seehofer dankt Einsatzkräften +++

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat den Einsatzkräften für ihre Leistung in der Nacht zu Samstag gedankt. Zudem kündigte er einen Trauerakt im Landtag am Sonntag in einer Woche an. Bis dahin würden die Mitglieder der Staatsregierung ihre Teilnahme an Bierzelt- und Festveranstaltungen absagen.

+++ Überwiegend junge Opfer ++++

Viele Todesopfer waren minderjährig. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, berichteten die Ermittler. Die weiteren Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen.

München Ermittler sprechen von „klassischem Amoklauf“ ohne IS-Bezug

Amoklauf statt Terrorakt: Der 18-jährige Schüler war vermutlich psychisch krank und hatte nach aktuellem Ermittlungsstand keinen Kontakt zum IS. Er hat sich jedoch intensiv mit Amokläufen beschäftigt.

Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä geht von einem "klassischen Amoklauf" aus. Quelle: dpa

+++ Kein Bezug zu IS +++

Der mutmaßliche Attentäter von München hatte nach Angaben der Polizei keinen Kontakt zur Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für einen Bezug zum IS", sagte der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä am Samstag in München. Stattdessen habe die Durchsuchung des Zimmers des 18-Jährigen ergeben, dass er sich intensiv mit Amoktaten beschäftigt habe. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht insgesamt davon aus, dass es sich bei der Tat um einen klassischen Amoklauf handelt. Es gebe keine anderen Anhaltspunkte.

+++ Profil des Täters +++

Im Hinblick auf die Amoktat gehen die Ermittler von einem Zusammenhang mit dem Attentat des Norwegers Anders Behring Breivik aus. „Diese Verbindung liegt auf der Hand“, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Am Freitag war der fünfte Jahrestag von Breiviks Amoklauf. Nach Angaben der Ermittler soll der Münchner Attentäter auch eine Erkrankung „aus dem depressiven Formenkreis“ gehabt haben. Das sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Samstag. Details nannte er nicht, er verwies auch auf die Vorläufigkeit dieser Information. Der Mann hatte offenbar eine illegale Pistole mit Kaliber 9-Millimeter dabei. Die Seriennummer war ausgefräst. Zudem habe er 300 Schuss mit sich geführt, geben Polizei und Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz bekannt.

+++ Wohnungsdurchsuchungen +++

Die Polizei hat bei der Durchsuchung „umfangreiche IT“ sichergestellt. „Da läuft die Auswertung“, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Auf die Frage, ob der Täter auch „Ballerspiele“ gespielt habe, sagte er: Auszuschließen sei es nicht, wenn er sich sehr intensiv mit Amokläufen beschäftigt habe.

+++ Suizid ++++

Nach der Tat hat sich der Mann nach Einschätzung der Ermittler selbst getötet. Hinweise, dass er von der Polizei getroffen worden sei, gebe es nicht. Die Ermittler haben bisher keinen Abschiedsbrief des Täters gefunden. Das könne sich aber noch ändern.

Nach dem Attentat in München sind zur Zeit noch 800 Einsatzkräfte in der Stadt im Einsatz. Der Tatort bleibt abgesperrt.

+++ "Eindeutig ein Einzeltäter" +++

Bei der Gewalttat mit neun Toten in München hat es keine weiteren Täter geben. Es habe sich um einen Einzeltäter gehandelt, sagte Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä am Samstag. Der Täter war 18 Jahre alt, Schüler. Er ist in München geboren und aufgewachsen.

Chronik: Aufsehenerregende Anschläge in Deutschland

  • Juli 2016

    Mit Axt und Messer bewaffnet geht ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan in einer Regionalbahn bei Würzburg auf Fahrgäste los. Fünf Menschen werden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Polizisten erschießen den Attentäter, der sich in einem Video als Kämpfer der Terrormiliz IS bezeichnete.

    Wenige Tage später sprengt sich ein 27-jähriger syrischer Flüchtling vor einem Musik-Festival in Ansbach mit einem Rucksack in die Luft. Er stirbt, 15 weitere Menschen werden verletzt. Auf einem Handy des Mannes gebe es eine Anschlagsdrohung als Video, sagt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Der Täter kündige einen Racheakt gegen Deutsche an als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten.

  • April 2016

    Nach einer indischen Hochzeit verüben zwei junge mutmaßliche Salafisten aus Gelsenkirchen einen Bombenanschlag auf ein Gebetshaus der Sikhs in Essen. Drei Menschen werden verletzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen gezielten Angriff mit terroristischem Hintergrund handelte.

  • Februar 2016

    Bei einer Kontrolle am Hauptbahnhof Hannover verletzt eine 15 Jahre alte Deutsch-Marokkanerin einen Bundespolizisten lebensgefährlich mit einem Messer. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft war die Attacke eine „Märtyreroperation“ für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

  • März 2011

    Ein junger Kosovo-Albaner erschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Der Mann gilt als extremistischer Einzeltäter. 2012 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

+++ Lob für die Polizei +++

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann lobt die Arbeit der Polizei. Die Beamten hätten einen sehr großen Einsatz gezeigt und seien in kürzester Zeit mit einer großen Zahl von Kräften im Einsatz gewesen. Der Minister bestätigt bisherige Erkenntnisse, wonach es sich wohl um einen Einzeltäter gehandelt hat. Lob gibt es auch für die Kommunikationsstrategie der Münchner Polizei, die versucht hatte Chaos und Gerüchte durch sachliche Information einzudämmen.

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