Müntefering löst Beck ab: Steinmeier wird Kanzlerkandidat: Willkommen zurück, liebe SPD!

Müntefering löst Beck ab: Steinmeier wird Kanzlerkandidat: Willkommen zurück, liebe SPD!

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Außenminister Frank-Walter Steinmeier

Die SPD kürt Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten und will Franz Müntefering zum neuen Parteichef machen. Und ganz nebenbei entdeckt die Partei auch die Wirtschaftskompetenz neu für sich. Ein Glückwunsch-Schreiben von WirtschaftsWoche-Reporterin Cornelia Schmergal.

Liebe SPD,

Du hast es wirklich nicht leicht gehabt in den vergangenen Wochen. Du hast Dich gequält mit Existenzängsten. Deine Umfragewerte waren so mau wie Deine Parteiführung. Du bist mal nach links und mal nach rechts gezuckelt. Du hast Dich von Reformen verabschiedet, auf die Du eigentlich stolz sein solltest. Du wusstest nicht genau, wer Du eigentlich bist. Und das war ziemlich pubertär für eine Volkspartei, die über 145 Jahre auf dem Buckel hat.

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Aber jetzt, liebe SPD, willst Du alles besser machen. Und wir sind wirklich darauf gespannt. An diesem Sonntag hast Du Dich zwar noch im Chaos präsentiert und  Deinen unglücklichen Parteivorsitzenden Kurt Beck verloren. Aber Du hast die leidige K-Frage geklärt und Vizekanzler, Außenminister und Umfragekönig Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidat gekürt. Gleichzeitig hast Du Franz Müntefering reaktiviert, der neuer Parteichef werden soll. Du magst heute noch etwas kopflos aussehen – aber auf längere Sicht hast Du Dir die wirklich lästige Kandidaten-Debatte vom Hals geschafft. Vor allem aber hast Du ein inhaltliches Signal gesetzt: Du willst Deinen Frieden mit der Agenda 2010 machen. Du willst wieder auf Wachstums- und nicht auf Verteilungspolitik setzen. Du willst wieder stolz auf Dich sein. Es scheint, als wolltest Du nun erwachsen werden.

Wir waren erstaunt, liebe SPD, als wir das Papier lasen, das Du am Sonntag vorgelegt hast und in dem Du Deinen Weg für die Zukunft beschreibst (und das fast noch wichtiger ist als der Kandidat selbst, der es prägte). Du beschwörst darin schon im ersten Absatz ein innovatives Deutschland. Das Stichwort von der Solidarität fällt erst viele Zeilen weiter unten – und das ist ziemlich mutig für eine sozialdemokratische Partei mit einer sehr wortstarken Linken. Aber Du willst die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes ausbauen, wie Du schreibst. Du willst endlich stolz auf die Agenda 2010 sein und Deine politische Pubertät beenden. Du hältst sogar an der Rente mit 67 fest. Aber das muss mit Franz Müntefering ja automatisch so sein. Um es kurz zu machen: Du willst Arbeitslosigkeit durch Wachstum abbauen – und nicht etwa Arbeitslose mit einem ausufernden Sozialstaat verwalten. Und zu dieser Erkenntnis gratulieren wir.

Wir wissen, liebe SPD, dass Du Deine Flügelkämpfe nicht über Nacht beenden wirst. Du hast Kurt Beck, dem oft Unterschätzten, einen unschönen Abgang bereitet. Du musst Franz Müntefering erst noch in sein neues Amt wählen. Und wir ahnen schon jetzt, dass Du Deine Linke mit Deinem Papier überrollst. Wir können ja zwischen den Zeilen lesen. Den Mindestlohn, gewissermaßen sozialdemokratisches Urprojekt,  erwähnst Du in Deinem Papier erst auf Seite sechs – weit nach der Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen. Und von höheren Erbschaft- und Vermögensteuern sprichst Du gar nicht mehr. Wir wissen das zu schätzen, liebe SPD. Und wir hoffen, dass Du damit durchkommst. Aber wir ahnen jetzt schon, dass Du Dir mit der eigenen Parteilinke jede Menge Ärger einhandelst.

Jetzt geht die Arbeit für Dich erst einmal richtig los, liebe SPD. Du musst Dich wieder neu sortieren. Du musst Deine Parteizentrale neu aufstellen. Du musst die Bayern-Wahl hinter Dich bringen  und verkraften, dass die CSU sowieso wieder stärkste Kraft wird – auch wenn Dein Kanzlerkandidat im Bund ein Umfragekönig ist. Du musst Dich darauf einstellen, dass Dir Deine Genossin Andrea Ypsilanti in Hessen in den Rücken fällt, wenn sie mit der Linkspartei paktiert. Aber umso wichtiger wird es für Dich sein, dass Du Dir jetzt treu bleibst. Und das du aus Deinem Papier ein Wahlprogramm schreibst, dass erkennt, dass Wachstum die beste Sozialpolitik ist.

Liebe SPD, wir gratulieren zum Neuanfang. Und wir hoffen für das ganze Land, dass Du das Beste daraus machst.

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