„Mut zu Deutschland“: AfD mit Lucke und Henkel nach Europa

„Mut zu Deutschland“: AfD mit Lucke und Henkel nach Europa

von Konrad Fischer

Nach Chaos-Parteitagen und einer Austrittswelle hat AfD-Chef Bernd Lucke am Samstag versucht, die Partei vor der Europawahl im Mai mit harscher Kritik an der EU und der Konkurrenz wieder zu einen.

Der größte Widerstand kam diesmal von Außen. Als die Delegierten der AfD am Morgen in der Aschaffenburger Sporthalle Frankenstolz-Arena eintrafen, waren die Linksalternativen schon da gewesen. Die komplette Eingangsfront der Halle hatten Sie mit Parolen gegen Rechtsextremismus beschmiert. Eilig wurden AfD-Anhänger abgestellt, um die Schmierereien zu beseitigen.
Drinnen hingegen verläuft der Tag vorerst erstaunlich harmonisch. Nach dem Chaos-Parteitag in Hessen vor zwei Wochen, als die Partei extra die Presse aussperrte, um sich in Ruhe streiten zu können, hatten einige mit dem schlimmsten gerechnet. Doch früh übernahm der Vorsitzende Bernd Lucke das Wort und zog die Delegierten auf seine Seite. In einer scharfen Rede holte er zunächst zum Generalschlag gegen die als ¨Altparteien¨ titulierten etablierten Konkurrenten aus. Die CSU habe ihre Zuwanderungsparolen bei der AfD geklaut, die SPD müsste entsprechend eigentlich längst die Koalition verlassen, wenn sie es ernst damit meine, dass die AfD rechtspopulistisch sei.

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Bernd Lucke Quelle: dpa

Kanzlerin Merkel schließlich mache, ¨stets die Politik, ¨die ihre Partner von ihr verlangen. So dann präsentierte Lucke ein paar Veralberungen der Parolen der Konkurrenz. ¨Wie heißt es bei der SPD: Das wir entscheidet - das Du bezahlt.¨ Auch mit Selbstkritik sparte Lucke nicht. So resümiert er das Auftreten bei der Bundestagswahl: ¨Wir hatten kein Personal - also haben wir genommen, wer sich gemeldet hat.¨ Am Ende dann präsentiert Lucke den Slogan: ¨Mut zu Deutschland.¨ Jubelnd springen die Anhänger von ihren Stühlen auf, auf so etwas hatten sie hier gewartet. Draußen dürfte das zwar viele Ressentiments gegen die Partei verschärfen, aber zumindest Aufmerksamkeit sichert es der Partei.

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Es war eine von Luckes unterhaltsamsten Reden und sie verfehlte ihre Wirkung nicht. Gegenkandidaten für den Listenplatz 1 zur Europawahl traten erst gar nicht an, mit 88 Prozent erzielte Lucke ein für die streitliebende Partei beachtliches Ergebnis. Auch der von ihm aufs Schild gehobene Hans-Olaf Henkel sicherte sich auf Anhieb Listenplatz 2. Das eindringlichste Argument des einstigen BDI-Präsidenten: ¨Von meinen Nachfolgern redet heute keiner mehr ein Wort mit mir.

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So kann die Partei mit einem starken Votum für ihr Spitzenduo in die Europawahl gehen. Das ist deutlich mehr, als manche der Partei zuletzt zugetraut hatten. Ob es aber bei der Programmdiskussion ähnlich harmonisch zugeht, steht in den Sternen. Ende März trifft sich die Partei dafür in Erfurt, es wird dann keine Delegiertenveranstaltung, jedes Mitglied darf kommen. Mit mehreren tausend Anwesenden wird gerechnet, es könnte eng werden. Vielleicht muss die Presse dann wieder draußen warten - wenn auch nicht unbedingt aus Platzgründen.

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