Nach dem Petry Video: Warum die AfD in der Wählergunst verliert

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Nach dem Petry Video: Warum die AfD in der Wählergunst verliert

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Führungschaos in der AfD: Frauke Petry und Alexander Gauland

von Thomas Schmelzer

Frauke Petry will nicht mehr Spitzenkandidatin werden. Die AfD versinkt nun im Chaos. Für die Misere der Partei gibt es mehrere Gründe.

Frauke Petry benötigt genau 12 Minuten und 33 Sekunden, als sie am Mittwochnachmittag mit einem Video ihren Verzicht auf die Spitzenkandidatur der AfD im Bundestagswahlkampf verkündet. Vor einer deutschen Flagge und einem AfD-Plakat spricht Petry über die Querelen der vergangenen Wochen, über das Fehlen einer gemeinsamen Strategie, über den leidenden Ruf der Partei.

Es ist eine Analyse, die das Außenbild der AfD vor ihrem Parteitag am Wochenende in Köln gut trifft. Streit, Häme, Intrigen: Dadurch fiel die Partei in den vergangenen Wochen auf. Statt sich in Programmdebatten zu stürzen, verloren sich die AfD-Spitzenleute in Personalrochaden und persönlichen Streitereien. So etwas wird vom Wähler selten goutiert. Seit Januar hat die Partei in Umfragen fast ein Drittel an Zustimmung verloren. Das Wählerpotential, so sagt es Petry in ihrer Botschaft, sei seit Herbst 2015 um die Hälfte geschrumpft.

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Die aktuelle Misere der Partei geht aber auf noch mehr Faktoren zurück. Es sind drei Ursachen, die für das Tief der AfD in der Wählergunst verantwortlich sind.

1. Der Dauerzoff:

Das Video, auf dem Frauke Petry ihren Verzicht erklärt, ist der vorläufige Höhepunkt eines Machtkampfes innerhalb der AfD. Schon länger gärt es in der Partei, zwei Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Auf der einen Seite das Polit-Pärchen Frauke Petry und Marcus Pretzell. Auf der anderen ein Bündnis um Alexander Gauland, Björn Höcke und André Poggenburg.

Frauke Petry AfD-Chefin verzichtet nach Machtkampf auf Spitzenkandidatur

Die AfD-Chefin will ihre Partei nicht als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen. Mit ihrer Entscheidung überrascht Petry Unterstützer und Gegner. Linken-Chef Riexinger findet ihren Verzicht skurril.

AfD-Chefin Frauke Petry Quelle: AP

Anders als früher geht es derzeit kaum um Inhalte, sondern vor allem um strategische Fragen und Macht. Petry und Pretzell wollen mit ihrer Partei so schnell wie möglich Koalitionsoptionen ermöglichen. Gauland, Höcke und Poggenburg verstehen sich als Fundamentalopposition. Sie befürchten, von den großen Parteien zerrieben zu werden sobald sie an der Macht sind – und wollen deswegen in der Opposition wachsen.

Mit einem Antrag zur Ausrichtung der Partei wollte Petry auf dem Parteitag in Köln eine Richtungsentscheidung erzwingen. In einer Version des Antrags stellte sie sich explizit gegen Gauland und seine Strategie der Fundamentalopposition. Bei einem Geheimtreffen in Goslar bereitete das Gauland-Lager daraufhin angeblich den Sturz Petrys auf dem Parteitag vor. Sie wollten mit einem Spitzenteam um Alexander Gauland und Alice Weidel gegen Petry antreten. Wenige Stunden vor der Veröffentlichung des Petry-Videos brachte André Poggenburg gar Neuwahlen des AfD-Vorstands ins Spiel.

Der AfD-Experte Jan Müller von der Universität Rostock sieht in diesen Querelen den ersten Grund für die Misere der Partei. „Streit innerhalb einer Partei ist immer schlecht – vor allem wenn es nur noch um persönliche Animositäten geht“, sagt er. „Wenn sich Frauke Petry nun vollends zurückzieht, wird die AfD außerdem für viele gemäßigte Konservative unwählbar.“

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