Nach dem Verzicht von Joachim Gauck: Gerda Hasselfeldt: Die Frau, die das Amt ausfüllen könnte

KommentarNach dem Verzicht von Joachim Gauck: Gerda Hasselfeldt: Die Frau, die das Amt ausfüllen könnte

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Die CSU-Landesgruppenvorsitzende im Bundestag, Gerda Hasselfeldt

von Cordula Tutt

Sie versteht was von Wirtschaft, ist ein unabhängiger Kopf und neigt nicht zu Eitelkeiten wie ihre Parteifreunde Seehofer, Söder und Co: Warum Gerda Hasselfeldt von der CSU eine sehr passable Präsidentin sein könnte.

Bundespräsident Joachim Gauck hat es am Montag kundgetan: Er wird nicht noch einmal antreten, er fühlt sich zu alt. Sichtlich bewegt war er dabei. Anfang kommenden Jahres ist für den 76-Jährigen Schluss mit dem Staatsamt. Wer kommt dann? Wer hätte das Format?

Natürlich verbietet es sich, jetzt schon Namen zu nennen, heißt es immer. Warum eigentlich? Hier folgt der Name einer Politikerin, die sowohl das Format und die Unabhängigkeit hätte als auch die Unterstützung der Bundesversammlung erreichen könnte. Alles zusammen schaffen nicht alle Kandidaten, die jetzt genannt werden oder sich selbst ins Spiel bringen.

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Eine Revolution wäre Gerda Hasselfeldt nicht, allerdings eine Persönlichkeit mit Format und mit anderer Lebenserfahrung als die bisherigen Amtsinhaber. Nach zwei Ostdeutschen als Kanzlerin und Präsident dürften auch zwei Frauen in diesen Ämtern Konservative weiter ruhig schlafen lassen.

Schwierige Mission zwischen Merkel und Seehofer

Gerda Hasselfeldt ist aus Bayern und in der CSU. Die 65-Jährige hat bisher einen der schönsten und einen ziemlich mächtigen Berliner Parlamentsjobs. Sie ist die Landesgruppenchefin der CSU im Bundestag und damit Statthalterin bayerischer Interessen in Berlin – und in der Bundesregierung. Viel Einfluss, wenig öffentliches Tamtam. Man könnte ihren Job manchmal auch als schwierige Diplomatenmission zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU)  und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bezeichnen.

Bundespräsident Joachim Gauck verzichtet auf zweite Amtszeit

Gauck macht Anfang 2017 nach nur einer Amtszeit Schluss. Er sei gesund, wisse aber nicht, ob diese „Energie und Vitalität“ noch einmal für fünf Jahre reiche. Über einen Nachfolger soll im Herbst entschieden werden.

Bundespräsident Joachim Gauck gibt am 6. Juni im Schloss Bellevue in Berlin eine Erklärung ab. Quelle: dpa

Die Volkswirtin und ehemalige Bundesministerin (für Bauen und für Gesundheit) hebt sich angenehm vom Gepolter anderer CSU-Leute ab. Seit 30 Jahren hält sie sich in der Bundespolitik. Sie sagt die Dinge unaufgeregt und deutlich - auch wenn sie vom Gehabe der eigenen Leute nicht allzu viel hält. Vom Ministeramt trat sie einst im Konflikt mit dem damaligen Kanzler Helmut Kohl zurück. So viel zur Unabhängigkeit.

Sie kann zudem über Rentenreformen und Steuerdebatten sprechen, dass es Laien verstehen. Das ist sicher nicht ganz verkehrt in einem Land, in dem die letzten mutigen Wirtschaftsreformen etwas zurückliegen und das zurzeit noch von früheren Erfolgen wie der Agenda 2010 profitiert.

Konservative mit modernem Lebensweg

Die gebürtige Gastwirtstochter und Niederbayerin ist zudem Teil des wohl buntesten Polit-Clans der Republik. In zweiter Ehe ist sie mit dem ehemaligen CSU-Innenpolitiker Wolfgang Zeitlmann verheiratet. In der Patchwork-Familie finden sich auch Töchter und Schwiegersöhne, die für die Grünen oder die SPD kandidieren. Hasselfeldt zog zwei Kinder groß und hat einen Bruder, der ebenfalls für die CSU im Bundestag sitzt. Eigentlich hat Hasselfeldt angekündigt, sie wolle nicht mehr für den nächsten Bundestag kandidieren. 2017 hätte sie also Zeit für etwas anderes.

Das sind die möglichen Gauck-Nachfolger

  • Norbert Lammert

    Norbert Lammert (67): Seit 2005 ist der CDU-Mann aus Bochum Präsident des Bundestages, der Umzug ins Schloss Bellevue wäre ein naheliegender Karriereschritt. Lammert gilt als wortmächtig und intellektuell brillant, was er andere auch gerne spüren lässt.

  • Ursula von der Leyen

    Ursula von der Leyen (57): Ihr Name fällt immer, wenn es um Spitzenämter geht, auch als künftige Kanzlerin ist die CDU-Frau im Gespräch. Schon 2010 war die amtierende Verteidigungsministerin als mögliche Kandidatin für das Präsidenten-Amt im Gespräch.

  • Volker Bouffier

    Volker Bouffier (64): Früher eher dem rechten Flügel der CDU zugeordnet, führt er seit 2014 relativ geräuschlos und erfolgreich die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen. Ein Signal für Schwarz-Grün auch im Bund also.

  • Frank-Walter Steinmeier 

    Frank-Walter Steinmeier (60): Beinahe so etwas wie der natürliche Kandidat für das höchste Amt im Staate. Beliebt bei den Bürgern, angesehen über Parteigrenzen hinweg, diplomatisch erfahren. Aber hat ein SPD-Mann diesmal überhaupt eine Chance?

  • Martin Schulz

    Martin Schulz (60): Der Präsident des Europaparlaments wird immer wieder genannt, wenn die SPD nach Kandidaten für Spitzenämter sucht. Doch abgesehen von der Schwierigkeit, eine Mehrheit zu finden: Kanzlerin Angela Merkel gilt nicht als Schulz-Fan.

  • Annegret Kramp-Karrenbauer

    Annegret Kramp-Karrenbauer (53): Die CDU-Ministerpräsidentin aus dem Saarland genießt Ansehen auch bei der SPD und den Grünen. Sie ist linker und jünger als andere CDU-Kandidaten, und sie ist eine Frau.  

  • Winfried Kretschmann

    Winfried Kretschmann (68): Der grüne Ministerpräsident aus Baden-Württemberg ist nicht nur in seiner Heimat populär. Sein landesväterlicher Habitus könnte auch für die Rolle des Bundespräsidenten passen. Wenn sich Union und SPD nicht einigen können, wäre er ein Kompromiss.

Bleibt noch die Frage nach der Mehrheit in der Bundesversammlung. Im Gremium aus Vertretern von Bund und Ländern, das den oder die Präsidentin wählt, sind zurzeit elf Parteien vertreten. Die Union ist stärkste Kraft, aber allein reicht es für keine Mehrheit. Also bräuchten die Parteien Verbündete und deshalb Kandidaten, die für andere wählbar sind. Die CSU könnte sich kaum gegen eine eigene Kandidatin sperren, wahrscheinlich würden zur Not auch Sozialdemokraten oder Grüne die Bayerin mittragen. Hasselfeldt ist eine Konservative mit sehr modernem Lebensweg.

Auch wenn es anders kommt: Der Wechsel im Amt des Bundespräsidenten sei "in diesem Land kein Grund zur Sorge", sagte Amtsinhaber Gauck am Montag, sondern "vielmehr demokratische Normalität" - auch in schwierigen Zeiten für die Demokratie.

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