Nach Jahren der Ruhe: Somalier kehren zur Piraterie zurück

Nach Jahren der Ruhe: Somalier kehren zur Piraterie zurück

, aktualisiert 19. März 2017, 22:18 Uhr
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Internationale Truppen hatten das Piraterie-Problem in den Griff bekommen. Nun gab es wieder einen Überfall.

Quelle:Handelsblatt Online

Lange war es ruhig in den Gewässern am Horn von Afrika. Nun haben Piraten wieder ein großes Schiff gekapert. Ein Grund ist die illegale Fischerei vor der Küste, die den Fischern die Lebensgrundlage nimmt.

EylHassan Yasin schiebt sein kleines Fischerboot ins Wasser. Der schmächtige Somalier zerrt an der Schnur, um den Motor zum Laufen zu bringen. Entlang der Küste liegen mit Sand gefüllte Boote - viele von Hassans Kollegen haben aufgegeben. Illegale Fischerei und riesige Trawler aus dem Ausland zerstören die Lebensgrundlage der heimischen Bevölkerung.

Doch nicht nur das: Für die Fischer ist es draußen auf dem Meer gefährlich geworden. „Entweder schießen sie direkt auf uns oder sie zerstören unsere Boote“, klagt der 27-jährige Hassan. Die illegale Fischerei sei „ein aggressives Geschäft“, erklärt John Steed, Direktor der Organisation Oceans Beyond Piracy. „In einigen Fällen üben die internationalen Flotten Druck auf die heimischen Fischer aus oder greifen sie sogar an.“

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Vor allem Fischereiflotten aus dem Jemen, China, Indien, dem Iran und Trawler, die unter der Flagge Dschibutis fahren, sollen hinter dem ungezügelten und oftmals illegalen Fischfang vor Somalias Küste stehen.

Von einem schwerwiegenden Problem spricht auch die Fischhändlerin Aisha Ahmed. „Der Fischfang ist zurückgegangen. Es wurde Ausrüstung konfisziert und sie haben unsere Existenz und unser Eigentum zerstört.“ Der Vorsitzende der Fischereigemeinschaft, Mohamed Saeed, beobachtet eine wachsende Frustration unter den Fischern. „Sie haben jetzt keine Wahl, außer zu kämpfen.“

In der vergangenen Woche wurde zum ersten Mal seit 2012 wieder ein größeres Schiff vor der somalischen Küste gekapert. Die Menschen im verschlafenen Fischerdorf Eyl sagen, sie hätten so etwas kommen sehen. Einige waren früher selbst einmal Piraten. Doch als der internationale Druck zu groß wurde und bewaffnete Sicherheitsleute auf den ausländischen Frachtern mitfuhren, haben sie die Piraterie aufgegeben und sich wieder der Fischerei zugewandt. Nun seien sie selbst zur Zielscheibe geworden, klagen sie.

„Wir haben eine Hungersnot, die Lebensmittel sind knapp. Fisch könnte die Antwort sein“, sagt Steed. Doch die Überfischung treibe die Menschen aus Verzweiflung in die Piraterie. „Die Leute in den Fischerdörfern sind wütend. Arbeitslose Fischer sind zu Piraten geworden.“

Vor einigen Jahren galten die Gewässer vor Somalia als eine der gefährlichsten Schifffahrtsrouten der Welt. Dank der europäischen Anti-Piraten-Mission Atalanta und anderer internationaler Einsätze hat sich das geändert. Doch im Oktober warnten die Vereinten Nationen, die Ruhe sei brüchig. Somalische Piraten hätten die Absicht und die Fähigkeit, ihre Angriffe wiederaufzunehmen, hieß es.

Der jüngste Piratenangriff habe ihn nicht überrascht, sagt Abdirizak Mohamed Ahmed, Direktor des Anti-Piraterie-Büros in der halbautonomen Region Puntland im Norden von Somalia. Auch er verweist auf das Problem der wachsenden illegalen Fischerei. Es würden gefälschte Lizenzen an Ausländer ausgegeben, und die Behörden seien nachlässig, wenn es um die Durchsetzung von Regeln gehe.

Die örtlichen Fischer berichten laut Ahmed immer wieder über Angriffe draußen auf dem Meer. Zum Beispiel würden große Trawler die kleinen Boote rammen. Erst vor kurzem sei bei einem solchen Vorfall ein Fischer getötet und ein weiterer schwer verletzt worden. Andere erzählen, Ausländer hätten vor der Küste auf sie geschossen oder ihnen ihren Fang geraubt.

„Das ist jetzt eine Frage von Leben und Tod“, sagt Bile Hussein, ein somalischer Piratenanführer. „Wir müssen nun kämpfen, um jeden Preis.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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