Nach Kundenschelte von VW-Chef Müller: Politiker fordern von VW-Großaktionär mehr Härte

Nach Kundenschelte von VW-Chef Müller: Politiker fordern von VW-Großaktionär mehr Härte

, aktualisiert 21. November 2016, 15:49 Uhr
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Der VW-Konzernchef Matthias Müller (l.) und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): Das Land Niedersachsen hat mit 20 Prozent der VW-Stammaktien ein Vetorecht bei allen wichtigen Entscheidungen des Autobauers.

von Dietmar NeuererQuelle:Handelsblatt Online

In der VW-Debatte gerät das Land Niedersachsen unter Druck. Nachdem Konzernchef Müller betrogene VW-Kunden kritisiert hat, soll nun der Großaktionär des Autobauers einschreiten. Unmut regt sich in allen Parteien.

Nach kritischen Äußerungen des VW-Chefs Matthias Müller zu Kunden in Europa, die vom Dieselskandal betroffen sind, ist der Ruf nach einem Einschreiten des VW-Großaktionärs Niedersachsen laut geworden. „Die Zurückhaltung von Niedersachsens Ministerpräsident Weil als Anteilseigner von VW ist für mich nicht nachvollziehbar. Da wären klare Worte des Landes Niedersachsen angebracht“, sagte der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, dem Handelsblatt.

„Wenn ein Vorstandsvorsitzender seinen Kunden Vorwürfe macht, dann ist das kontraproduktiv und offenbart eine Haltung, die sich am Ende des Tages nicht auszahlt“, kritisierte Fuchs. „Ein Unternehmen muss sich auch dem Kaufverhalten seiner Kunden anpassen, nicht anders herum.“ Auch hätte er von den Sozialdemokraten erwartet, „dass sie die Boni-Zahlungen an die VW-Manager verhindern, die den Abgas-Skandal mit zu verantworten haben“.

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Auch die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Recht und Verbraucherschutz, Renate Künast, sieht Niedersachsen am Zug. Vom zweitgrößten VW-Eigner erwarte sei, „dass er ein Interesse daran hat, dass Konzerne Verbraucher nicht einfach konsequenzenlos hinters Licht führen können“, sagte die Grünen-Politiker dem Handelsblatt. Der VW-Konzern habe deutsche Verbraucher getäuscht. Sie hätten beim Kauf Autos mit anderen Abgaswerten erhalten als ihnen zugesagt worden sei. „Dafür müssen sie entschädigt werden. Es ist mir unerklärlich, dass dem VW Chef dafür die Einsicht fehlt“, so Künast.

Der Grünen-Wirtschaftsexperte Dieter Janecek forderte von der Landesregierung in Hannover ebenfalls klare Worte. „Verbraucherbeschimpfung ist genauso wenig hilfreich wie Wählerbeschimpfung“, sagte der Bundestagsabgeordnete dem Handelsblatt.

Harte Konsequenzen für die Konzernspitze brachte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, ins Spiel. „Müller gefährdet mit der Beleidigung von Kunden Arbeitsplätze“, sagte Bäumler dem Handelsblatt. „Das Land Niedersachsen muss im Interesse der Arbeitnehmer klären, ob Volkswagen mit diesem Vorstandschef noch eine Zukunft hat. Manager, die so auftreten wie Müller, unterminieren die soziale Marktwirtschaft in Deutschland.“

Das SPD-geführte Verbrauchschutzministerium wollte sich nicht zu Müller äußern und verwies auf eine Kommentierung des Parlamentarischen Staatssekretärs Ulrich Kelber (SPD) bei Twitter. „Ob bei dem Fehlverhalten des VW-Managements Kundenschelte das Richtige ist? Habe da berechtigte Zweifel“, schrieb Kelber am Sonntag in dem Kurznachrichtendienst.

Müller hatte zuvor die Position des Autobauers bekräftigt, vom Dieselskandal betroffenen VW-Kunden in Europa keine ähnlichen Entschädigungen zu zahlen wie in Amerika. „Man kann das nicht über einen Kamm scheren, denn die Ausgangssituation ist völlig unterschiedlich“, sagte Müller der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Den Kunden in Europa entsteht kein Nachteil, weder beim Verbrauch noch bei den Fahreigenschaften. Und wenn ich das anfügen darf: Auf der einen Seite kritisieren viele die amerikanische Gesetzgebung in anderen Zusammenhängen, siehe TTIP. Wenn es aber darum geht, selbst Vorteile daraus zu ziehen, scheint das amerikanische Recht auf einmal der richtige Weg zu sein.“

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