Nach Lucke-Abgang: Unternehmer verlassen die AfD

Nach Lucke-Abgang: Unternehmer verlassen die AfD

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Die neu gewählte AfD-Vorsitzende Frauke Petry auf dem Parteitag der AfD.

von Konrad Fischer und Marc Etzold

Erst wurde Bernd Lucke als Parteichef abgesägt, dann ging Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel. Nun verlässt eine Reihe von Unternehmern die AfD, darunter Hans Wall und Hans Hermann Schreier. Sie alle haben eine gemeinsame Sorge.

Wenn es um Benehmen und Höflichkeit geht, macht Hans Wall keine Kompromisse. Und aus diesem Grund ist das Thema AfD nun für den Unternehmer beendet. „Ich trete noch in dieser Woche aus der Partei aus“, sagt der Gründer der Wall AG, dem auf Außenwerbung spezialisierten Unternehmen mit Sitz in Berlin. „Es hat mir überhaupt nicht gefallen, wie Parteigründer Bernd Lucke beim Bundesparteitag behandelt wurde. Das gehört sich nicht.“

Über Monate hatten die Unternehmer in der Partei stillgehalten, den hässlichen Flügelkampf ertragen, in der Hoffnung dass sich die Spitzenkräfte Bernd Lucke und Frauke Petry am Ende versöhnen würden. Doch beim Bundesparteitag am Wochenende war das Gegenteil eingetreten. Parteigründer Lucke wurde abgewählt und unter Buhrufen und Anfeindungen regelrecht vom Hof gejagt. Am Mittwochabend kündigte Lucke dann an, aus der Partei austreten zu wollen.

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Den meisten Wirtschaftsliberalen war das offenbar zu viel. Hans Hermann Schreier, Aufsichtsratschef der Nanofocus AG aus Oberhausen und Vorstand im Mittelstandsforum der AfD, schließt sich Hans Wall an: „Ich werde mich in den nächsten Tagen von allen Ämtern zurückziehen, sowohl beim Mittelstandsforum als auch aus als Kreisvorsitzender.“ Unter Frauke Petry werde die AfD „bestenfalls noch ein rechtes Sammelbecken sein, mehr aber nicht.“ Und übrigens: Sein halber Kreisverband trete ebenfalls aus, genauso wie eine weitere Vorstandskollegin Margot Rheinheimer-Bradkte.

Wird die AfD langfristig erfolgreich sein?

  • Die Umfrage

    Die Forschungsgruppe Wahlen hat zwischen September 2014 und Mai 2015 in Deutschland Wahlberechtigte befragt, ob sie glauben, die AfD werde langfristig erfolgreich sein.

    Quelle: ZDF Politbarometer, Statista

  • September 2014

    Im September 2014, also ungefähr ein Jahr nach dem knapp verpassten Einzug in den Bundestag, glaubten nur 56 Prozent der Befragten, die AfD werde langfristig nicht erfolgreich sein.

  • November 2014

    Zwei Monate später stieg der Anteil derer, die der AfD keinen langfristigen Erfolg zutrauten, auf 63 Prozent.

  • Januar 2015

    Im Januar 2015 glaubten 69 Prozent nicht an den langfristigen Erfolg der Euro-Kritiker um Bernd Lucke.

  • Februar 2015

    Im Februar 2015 prognostizierten 64 Prozent der AfD keinen langfristigen Erfolg.

  • Mai 2015

    Im Mai 2015 stieg (unter dem Eindruck der internen Personaldebatte?) der Anteil derjenigen, die der Alternative für Deutschland keinen Erfolg auf lange Sicht hin zutrauen, auf den in der Umfrage bisher höchsten Stand von 76 Prozent.

Viele Unternehmer haben Sorge, dass sie mit Rechtsradikalen in Verbindung gebracht werden könnten. Für Hans Wall machen die neue Vorsitzende Frauke Petry und ihr Stellvertreter Alexander Gauland zwar „eigentlich einen guten Eindruck“, wie er sagt. „Mit den Rechten in der Partei will ich aber nichts zu tun haben.“ Schon im vergangenen Oktober hatte sich Daniel Wall, Sohn des Firmengründers und heutiger Vorstandsvorsitzender, öffentlich von seinem Vater distanziert.

Auch zwei Landesvorsitzende des Mittelstandsbündnisses bestätigen gegenüber der WirtschaftsWoche ihren Parteiaustritt. Susanne Schreier, Inhaberin einer Managementberatung in Oldenburg und Mittelstandsbeauftragte in Niedersachsen, erklärt das mit den Vorkommnissen auf dem Parteitag: „Die AfD wird jetzt zur Pegida-Partei. Auf dem Parteitag hat sich eine braune Masse erhoben, das habe ich nicht ausgehalten.“

Für Lothar Hofer, bislang NRW-Vorsitzender des Mittelstandsforums, ging von dem Parteitag eine eindeutige Botschaft aus: „Eine AfD, die diesen Rechtsruck vollzogen hat und bei der die Religionsfreiheit mit Buh-Rufen zu Grabe getragen wird, gehört nicht in eine freiheitliche Demokratie“, schreibt er in einer E-Mail, mit der er seinen Rücktritt erklärt. Über die verbleibenden Mitglieder fällt er ein eindeutiges Urteil: „Das Elend der Kriegsflüchtlinge wird von Pöblern und Stammtischbrüdern mit Buh-Rufen abgetan. Wer das noch weiter mittragen will, hat sich für Deutschland disqualifiziert.“

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