Nachhaltigkeit: Die grüne Illusion

Nachhaltigkeit: Die grüne Illusion

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"Grüne" Wirtschaft: Felder am Rande von Kleinrinderfeld bei Würzburg sind mit Sonnenkollektoren und Windkraftanlagen verbaut.

von Ferdinand Knauß

Das Versprechen eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums ist eine Lüge, wenn man beide Begriffe ernst nimmt. Letztlich müssen wir uns entscheiden, wie viel Wachstum wir noch wollen.

Als Naturwissenschaftler ist Aristoteles out. Doch mit einer seiner fast 2300 Jahre alten Einsichten erlebt der Philosoph seit 40 Jahren eine Renaissance: Für alles gibt es eine Grenze. Die gleiche Botschaft verbreitet seit 1972 auch Dennis Meadows mit seinem 1972 erschienenen Bericht „Die Grenzen des Wachstums“. Die enorme Nachwirkung des Berichts und die gerade in den letzten Jahren anschwellende Flut wachstumsskeptischer Literatur von Meinhard Miegel ("Exit") und Harald Welzer ("Selbst Denken") bis Robert & Edward Sidelsky ("Wie viel ist genug?") sind ein Indiz für den Konflikt zwischen zwei entgegengesetzten Bedürfnissen in den entwickelten Gesellschaften:

Der von den Renditezielen der Kapitaleigner angetriebene und scheinbar unstillbare Wachstumshunger trifft auf das zunehmende Unbehagen vieler Menschen an den externen Folgen des Wirtschaftswachstums. Einen wirkungsvollen Ausdruck fand dieses Unbehagen in dem Begriff der „Nachhaltigkeit“. Er wurde 1987 in dem so genannten Brundtland-Bericht einer Kommission der Vereinten Nationen geboren. Beziehungsweise wiedergeboren. Denn bekanntlich stammt er vom Begründer der Forstwirtschaft Hans Carl von Carlowitz, der 1713 schrieb, "wie eine sothane [solche] Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen, daß es eine continuirliche beständige und nachhaltige Nutzung gebe, weil es eine unentbehrliche Sache ist, ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag".

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Während am Wortsinn bei Carlowitz kein Zweifel herrschen kann, verschwindet der Begriff in jüngerer Zeit mit wachsender Geschwindigkeit in einem Nebel der gewollten Verschwommenheit. Wer den Begriff ernst nimmt, kann darunter nur verstehen, dass nur so viel verbraucht werden darf, wie nachwächst. Ein unbegrenztes Wachstum von was auch immer kann also nicht nachhaltig sein.

Die Definition der Brundtland-Kommission wich davon ab, indem sie von einer „nachhaltigen Entwicklung“ sprach, „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Da ist schon ein gewisser Spielraum für Interpretationen drin.

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