Nachruf: Tod eines schwarzen Hünen

Nachruf: Tod eines schwarzen Hünen

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Philipp Mißfelder ist in der Nacht zum Montag überraschend verstorben

von Henning Krumrey

Es ist ein Schock: Sechs Wochen vor seinem 36. Geburtstag ist der CDU-Politik Philipp Mißfelder in der Nacht zum Montag an einer Lungenembolie gestorben. Ein Nachruf.

Mißfelder hatte in der CDU seit der Jahrtausendwende eine Sonderrolle. Zwölf Jahre lang – 2002 bis 2014 – führte er die Junge Union und machte die Jugendorganisation zu einer konservativen Speerspitze innerhalb der Partei. Hier verehrte man den abgewählten Altkanzler trotz dessen Spendenaffäre: „Ja wir haben ein Idol – Helmut Kohol“, dröhnten die Delegiertenversammlungen im Chor. Schließlich waren alle aktiven JUler während und die meisten wegen dessen Kanzlerschaft zur CDU gekommen. Hier bejubelte man frenetisch zur Guantanamera-Melodie den Bierdeckelreformer: „Es gibt nur einen Friedrich Merz“. Die neue starke Frau der Partei, Angela Merkel, ließ man dagegen recht lange eher kühl abtropfen. In der Partei galt Mißfelder fortan, nicht nur wegen seiner Statur, als eine Art Mini-Kohl.

Mißfelder trieb den konservativen Anstrich voran und bemühte sich als Mitgründer des „Berliner Kreises“, den rechten Flügel auch in der Gesamtpartei zu revitalisieren. Doch schon das Gründungsmanifest blieb vergleichsweise dünn; eine echte Durchschlagskraft hat die Truppe nie erreicht.

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Mißfelder machte Generationsgerechtigkeit zum Thema

Umso erfolgreicher brachte Mißfelder das Thema Generationengerechtigkeit nach vorn, wenn auch rustikal. Mit der Frage, ob es sich Deutschland künftig leisten könne, jedem 85-Jährigen ein neues Hüftgelenk zu finanzieren, machte er sich nicht nur die Seniorenunion zum Feind, sondern auch weite Teile der Gesamtpartei. Doch das Thema hat die langsam vor sich hin vergreisende CDU nicht wieder wegbekommen. Generationengerechtigkeit propagiert und zu einem politischen Streitpunkt gemacht zu haben, ist Mißfelders bleibendes Vermächtnis, auch wenn die CDU im Koalitionsvertrag der Rente mit 63 und der Mütterrente den Vorrang gab vor starken Initiativen für die Jugend.

2008 wurde Mißfelder ins Präsidium der CDU gewählt. Das Kalkül der Bundesvorsitzenden Angela Merkel ging auf. Als Mitglied der engsten Parteiführung trat der Gelsenkirchener fortan deutlich seltener als Kritiker in Erscheinung. In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt seiner politischen Arbeit auf der Außenpolitik. Als überzeugter Atlantiker war er dabei, gute Kontakte nach Washington aufzubauen und die Lücke zu schließen, die der aus der aktiven Politik ausgewanderte Karl-Theodor zu Guttenberg hinterlassen hatte.

Politisches Talent mit Fehlern

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Aufsehen erregte Mißfelder noch einmal, als er sich vom russischen Konzern Gazprom zu einer Sause anlässlich des 70.Geburtstags des Altkanzlers Gerhard Schröder einladen ließ. Er begründete dies mit der Anwesenheit Vladmir Putins und dabei möglichen politischen Gesprächen. Leider hatte Mißfelder vergessen, wenigstens seinen Fraktionsvorsitzenden von der Reise zu informieren.

Frei von Eitelkeit war der Zwei-Meter-Hüne nicht: Einen gnadenlosen Verriss im "Spiegel", den Parteifreunde als Vernichtung werteten, sah er als Ausdruck von Respekt - "auf sieben Seiten". Mißfelder galt in der CDU lange als großes politisches Talent, von denen die Partei nicht allzu viele aufzuweisen hat. Der 35-Jährige hinterlässt seine Ehefrau und zwei kleine Kinder.

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