Naturschutz: Schwäbische Alb an die Börse

Naturschutz: Schwäbische Alb an die Börse

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Ausflügler am Rande eines Waldes

Die Natur verspricht nicht nur Genuss, sondern auch bares Geld: Findige Schwaben wollen die Schwäbische Alb an die Börse bringen.

Der tüchtigste aller Schwaben ist schwarz, trägt zotteliges Fell und hört auf den lateinischen Namen Bubalus Albensis: der Albbüffel. Deutschlands ältester Wasserbüffel grast die Wiesen zuverlässig ab, seine Milch lässt sich zu Mozzarella, Butter und regionalen Spezialitäten wie Maultaschen und Spätzle verarbeiten. Außerdem liefert das wuchtige Tier jede Menge Fleisch. Bubalus Albensis ist das Markenzeichen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, das Maskottchen der Region – und ein lebendiges Beispiel für schwäbische Schaffenskraft.

Beinahe wäre der Büffel nämlich ausgestorben, die letzten seiner Art standen im Zoo. Dass die Herde heute 200 Exemplare zählt, ist nur dem Geschäftssinn der Gemeinden zu verdanken. Der Landkreis Reutlingen siedelte die Tiere an, förderte Züchter, Metzger und Molkereien, setzte auf private Investoren, professionelles Marketing – und knüpfte eine büffelstarke Wertschöpfungskette.

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Und nicht nur das: Das Schutzgebiet Schwäbische Alb, das die Unesco in Kürze zum Weltnaturerbe erklären will, soll künftig richtig Geld bringen. Die Landräte basteln an einem Konzept, die Landesregierung ist angetan und mit der Allianz-Umweltstiftung ein erster Partner in Sicht. Die Rede ist von einem Science-Center mit Raum für Exponate, von einem Baumwipfelpfad, der sich durch die Kronen des Waldes schlängelt, und von einer Startup-Beratung für junge Firmen, die sich hier niederlassen wollen. Mit der „Alb-Card“ sollen Besucher ermäßigten Eintritt, einen Parkplatz sowie Gutscheine für den Einkaufsbummel erhalten – damit die drei Millionen Shopping-Touristen, die jährlich ins Outlet-Center nach Metzingen reisen, auch die Schönheit der nahe gelegenen Schwäbischen Alb konsumieren. Die Projektplaner wollen die Alb möglicherweise sogar an die Börse bringen. Am Gewinn teilhaben könnten dann zum Beispiel Landwirte, Kirchen und Gemeinden, die ihre Flächen einbringen.

Kraft des Marktes

Das Projekt klingt abenteuerlich und ist zudem antizyklisch: Während Banken und Unternehmen in der Krise nach dem Staat rufen, setzen Naturfreunde auf die Kraft des Marktes. Schon in den vergangenen sieben Jahren hat die Landesanstalt für Umweltschutz über 300 privatwirtschaftliche Projekte nach Albbüffel-Art unterstützt. Die Palette der regionalen Produkte reicht von Alb-Schnecken, Bio-Bier, Dinkel-Nudeln bis zum Apfelsaft von Streuobstwiesen, der die Regale einer Supermarktkette füllt.

„Unsere Initiativen haben gezeigt, dass Naturschutz kein Zuschussgeschäft sein muss“, freut sich Thomas Reumann, Landrat von Reutlingen. Knapp fünf Millionen Euro flossen bisher in die Förderung, die wiederum Investitionen in Höhe von elf Millionen Euro angestoßen hat. Dadurch sind 100 Arbeitsplätze entstanden oder konnten erhalten werden, viele in Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus. Die angrenzenden Landkreise Esslingen und Alb-Donau haben sich inzwischen angeschlossen, mit einer Fläche von 85.000 Hektar ist das Biosphärengebiet längst kein kleines „Wäldle“ mehr.

Südafrika als Vorbild

„Schützen durch nützen“, das Motto könnte Modell für ganz Deutschland sein. Denn dem Naturschutz geht das Geld aus, viele Fördertöpfe wurden in den letzten Jahren zusammengestrichen, beklagt Claus-Peter Hutter, Leiter der Akademie Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg und Initiator der Alb AG: „Künftig muss Naturschutz sich selbst finanzieren.“

Vorbild ist für die Baden-Württemberger dabei das Land Südafrika. Dort machten die Nationalparks aus der Finanznot eine Tugend, als ihre Mittel auf ein Viertel gekürzt wurden. Im bekannten Krüger-Nationalpark etwa sind viele Camps privat geführt, der Shamwari Park bei Port Elisabeth ist sogar komplett in Investorenhand. Der größte Safari-Anbieter Conservation Corporation Africa ist so erfolgreich, dass er nun nach Lateinamerika und Indien expandiert.

Im Gegensatz zu den Südafrikanern wollen die Schwaben ihre Naturschätze den Besuchern allerdings kostenlos präsentieren: „Wir ziehen keinen Zaun um die Schwäbische Alb“, versichert Landrat Reumann. Schließlich bietet die Alb anders als Afrika von den Big Five – Löwe, Elefant, Nashorn, Leopard und Büffel – nur das letzte Wildtier, nämlich den Albbüffel. Und den auch nur auf der Weide.  

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