Neue Ärztehonorare: Wenn weniger am Ende mehr ist

KommentarNeue Ärztehonorare: Wenn weniger am Ende mehr ist

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Praktischer Arzt bei der Untersuchung eines Patienten

Kassenversicherte zahlen höhere Beiträge - die Sparvorgaben an Mediziner, Kliniken oder Pharmaindustrie greifen dagegen kaum. Ein Kommentar von Cordula Tutt.

Was nach Kompromiss aussah, ist tatsächlich ein Erfolg für Deutschlands rund 150.000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Eine Milliarde Euro mehr werden sie 2011  zu verteilen haben, voriges Jahr waren es insgesamt rund 30 Milliarden Euro. Auch für Krankenhäuser, Pharmaindustrie, Pillengroßhandel und Apotheker ist absehbar, dass Lobbyarbeit sich lohnt und sie mehr statt Mäßigung erwarten dürfen.

Dabei hatte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die  höheren Kassenbeiträge für 70 Millionen Versicherte ab 2011 auch damit gerechtfertigt, dass im Gegenzug die Anbieter im Gesundheitswesen einen Sparbeitrag leisten sollten. Doch dazu reicht seine Gestaltungsmacht offenbar nicht recht aus.

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Beispiel Ärzte: Mediziner mit eigener Praxis verdienen in Deutschland unterschiedlich – je nach Bundesland. Dieser Unterschied soll schwinden. Weil aber die Gutverdiener vor allem im Süden der Republik bei jedem Minus sofort auf der Straße zur Trillerpfeife greifen, wird allen ein bisschen oder ein bisschen mehr gegeben. Einmal mehr auch hilft den Ärzten ihr undurchsichtiges System, das Honorar zwischen Orthopäden, Hautärzten und Allgemeinmedizinern oder zwischen Ost und West, Nord und Süd hin- und herzuverrechnen. Allein beim Verband auf Bundesebene, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, sind 25 Fachleute mit Honoraren und Gebühren befasst, obwohl die Landesverbände die Details berechnen und das Geld verteilen. Was kaum jemand durchschaut, kann kaum jemand kritisieren. Kassenärzte verdienten 2009 im Schnitt 162.000 Euro brutto. Anders als bei anderen Selbstständigen ist ihr Risiko einer Firmenpleite allerdings verschwindend gering.

Zugeständnisse an starke Lobbys

Beispiel Krankenhäuser: Den Kliniken geht es aus Sicht von Gesundheitsökonomen so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr. Dabei leistet sich Deutschland mehr Patientenbetten pro Einwohner als die meisten vergleichbaren Länder. Auch bieten viele Häuser ambulante Behandlungen, was die Einnahmen aufbessert. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung bescheinigt den Krankenhäusern 2011 eine halbe Milliarde Euro mehr Einnahmen.  

Beispiel Pharmaindustrie: Zwar beschert Minister Rösler der Industrie zwangsweise Rabatte auf Arzneipreise, die im europäischen Schnitt recht hoch sind. Doch zeigt sich, dass der Zugang zum lukrativen deutschen Markt wohl einfacher bleibt als anderswo, auch wenn der zusätzliche Nutzen neuer Mittel strittig ist. Heftig umkämpft ist derzeit eine Verordnung, die das Preismonopol der Branche brechen und Medikamente höheren Anforderungen unterwerfen sollte.

Beispiel Apotheker und Pillengroßhandel: Apotheker agieren in Deutschland nach wie vor in einem gesetzlichen Rahmen, der ihnen gesicherte Einnahmen verspricht und Konkurrenz etwa durch Apothekenketten wie im Ausland fern hält. Den Großhandel machen zwischen Industrie und Apotheken machen eine Hand voll Unternehmen unter sich aus.

Gesundheit wird teurer – auch weil die Ansprüche der Menschen an ihre Gesundheit steigen. Doch sollte das Geld für tatsächlich bessere und nicht nur teurere Medizin fließen. Davon ist seit Amtsantritt des Gesundheitsministers vor einem Jahr noch wenig umgesetzt.

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