Neue Energiewende: Gewerkschaftschef Vassiliadis fordert Schutz für heimische Kohle

Neue Energiewende: Gewerkschaftschef Vassiliadis fordert Schutz für heimische Kohle

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IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis.

von Angela Hennersdorf

Michael Vassiliadis, Chef der drittgrößten Gewerkschaft in Deutschland, IG BCE, fordert einen Fonds zur Rettung der heimischen Braunkohle. Geschützt vor neuen staatlichen Klimaauflagen, soll die Kohle die Stromversorgung nach dem Atomausstieg sichern. Gleichzeitig müsse der Bund einen Förderplan für Öko-Speicher und neue Stromnetze aufstellen.

Ein Dorn im Auge ist die Energiepolitik der Bundesregierung dem Chef der Gewerkschaft Bergbau Chemie und Energie Michael Vassiliadis schon lange. Die Politik von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, immerhin SPD-Parteigenosse, verglich der Gewerkschaftschef kürzlich mit der Planwirtschaft in der Ex-DDR. Alle Energiekonzerne litten sehr unter den politischen Eingriffen in den Markt, und der Energiekonzern RWE sei deshalb in echter Not. Die Regierung mache Vorgaben, die Folgen müssten andere ausbaden.

Jetzt fordert Vassiliadis einen radikalen Schwenk bei der Energiewende. Und empfiehlt genau das, was er selbst kritisiert: eine staatlich gelenkte Neupositionierung bei der Energiewende, mit der die Politik erneut massiv in den Markt eingreift.

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Vassiliadis fordert Fahrplan für Leitungs- und Speicherbau

Investitionen in Speicher für Ökostrom und in den Netzausbau müsse die politische Leitlinie für das kommende Jahrzehnt sein, sagte Vassiliadis am Freitagabend vor Journalisten. Wind- und Sonnenstrom müsse gespeichert und dorthin transportiert werden können, wo er gebraucht wird – vor allem in den Süden Deutschlands, also dorthin, wo der Ökostrom aus den Windkraftanlagen im Norden dringend gebraucht wird, um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten. wenn in sieben Jahren das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet wird.

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Die Zahl der Windparks auf dem Meer könnte bis 2020 deutlich höher ausfallen als bislang geplant. Die beiden ersten Windparks in Nord- und Ostsee haben schon mehr Strom produziert, als Prognosen vorhergesagt hatten.

Ein Umspannwerk und Windräder stehen in der Nordsee rund 70 Kilometer westlich der Insel Sylt. Quelle: dpa

Die Bundesregierung müsse einen „Fahrplan für einen beschleunigten Leitungs- und Speicherbau aufstellen“, so Vassiliadis. Um die Industrie bei der Entwicklung solcher Speicher zu unterstützen, solle die Bundesregierung Speicherstrom von staatlichen Auflagen wie Netzentgelt und der Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz befreien. Schon der Wegfall dieser Kosten würde ein neues Geschäftsfeld eröffnen und Investitionen in neue Speichertechnologien anstoßen.

Neue Speichertechnologien sind zweifelsohne dringend notwendig. Richtig ist auch: Der Ausbau von Ökostrom hält mit dem Ausbau der Stromnetze nicht stand.

Fehlen würde das Geld allerdings beim weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit würde auch für die finanziell angeschlagenen Stromriesen RWE und E.On der Ausbau von Ökostromanlagen teurer.

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3 Kommentare zu Neue Energiewende: Gewerkschaftschef Vassiliadis fordert Schutz für heimische Kohle

  • Gilt die Marktwirtschaft auch für den Kohlestrom?

    Welches Kohlekraftwerk kann für einen Börsenpreis von 3 Cent je kWh produzieren?
    Wie stark sollen Stromerzeugung von Wind und Sonne noch ausgebat werden? Derzeit sind es jeweils rund 40 GW Sonnenstrom und 40 GW onshore Windstrom. Bald werden es auch 10 GW offshore Windstrom sein. Dann werden es aber auch 60 GW Sonnenstrom und 60 GW Windstrom an Land sein, so etwa 2023.Der Normalverbrauch beträgt jedoch selten über 50 GW. Welche Stromerzeuger dürfgen ihren Strom dann nicht mehr einspeisen, wenn man doppelt oder dreimal so viel Strom erzeugt, wie man verbraucht? Wie viele Stromerzeuger will man dann noch dazu bauen? Werden dann nur noch Ersatzinvestitionen erfolgen, die alte Anlagen ersetzen aber die Kapazität nicht steigern? Wofür soll das dann freie Kapital investiert werden?
    Ist der Kohleindustrie überhaupt klar, dass diese Situation eintritt, wenn die Steinkohleförderung in Deutschland kaum 5 Jahre beendet ist? Wird zum Schutz der Braunkohle ein Festpreis für Wind- und Sonnenstrom nötig sein, der die Kohle schützt?

  • Energiewende heisst für mich, dass die Energieversorgung langfristig zu 100% auf die Basis erneuerbarer Energien gestellt wird. (Übrigens: Die Energieversorgung als Ganzes, nicht nur die Elektrizitätsversorgung!) Das ist vom Potenzial her möglich (in Europa und weltweit) und von der Ökologie her notwendig (wegen des CO2-Ausstoßes einerseits und der nuklearen Abfälle und Risiken andererseits). Auch wenn die (Braun- oder Stein-)Kohle im Gegensatz zum Erdöl noch lange nicht zur Neige geht: Ihre Nutzung muss wegen des Klimawandels ab sofort spürbar reduziert und allmählich ganz heruntergefahren werden. - Das sind die langfristigen Leitplanken, ob es der Kohleindustrie gefällt oder nicht.
    Jetzt erst kommt die Ökonomie! In Sachen Kohle (und auch bei den anderen fossilen Energieträgern) muss sie sich auf die soziale Abfederung der notwendigen Veränderungen beschränken. Ihre wahre Aufgabe besteht darin, für den Umbau auf erneuerbare Energieressourcen die adäquaten Finanzierungs- und Preisbildungsmechanismen zur Verfügung zu stellen. - Die Arbeit wird weder den Ingenieurinnen noch den Ökonomen so schnell ausgehen (in dieser oder der umgekehrten Geschlechterzuordnung)!

  • Die Gewerkschaften haben Ihre Mitglieder in der Vergangenheit gegen die eigenen Arbeitsplätze gegen Atom - und Kohlekraftwerke protestieren lassen.Wer sich daran beteiligt hat ,weiß ich nicht.Die meisten Menschen schaffen sich nicht selbst ab.Vielleicht erinnern sich noch manche wie die Gewerkschaften gegen Schlecker gehetzt haben.Als er dann pleite war haben sie ein paar Krokodilstränen über die Arbeitsplätze vergossen.Den Mitarbeitern hat das wenig geholfen.
    Inzwischen sind Zehntausende gutbezahlte Arbeitsplätze in der Stromerzeugung unter aktiver Mithilfe der Gewerkschaften vernichtet worden.Die Betroffenen können sich bei ihrer Gewerkschaft bedanken.Sollten die Stromversorger pleite gehen ,sind auch noch die üppigen Betriebsrenten gefährdet.Das wird die Mitarbeiter und ehemaligen Mitarbeiter der Stromkonzerne besonders freuen.Jetzt nachdem das Kind im Brunnen ist,kommt der große "Retter" Vassiliadis daher und verlangt eine Selbstverständlichkeit ,die auch ganz ohne ihn zwingend ist ,nämlich den Weiterbetrieb der Braunkohlekraftwerke ,die den günstigsten Strom nach der Kernkraft liefern.Die sog. EE können ,das weiß natürlich Hr. Vassiliadis genauso wie alle Anderen , Strom nur an max. 35% der Zeit liefern,da kann man die Kapazitäten verhundertfachen,wenn die Sonne nicht scheint -und sie scheint fast 90% der Zeit nicht,und der Wind nicht weht (mind. 65% der Zeit) dann kommt auch kein Strom aus der Steckdose,entgegen den Ankündigungen der Grünen.
    D.h. wer die Stromversorgung sicherstellen will,braucht die Kohlekraftwerke nach wie vor.Ein Ende ist nicht abzusehen ,da es keine brauchbare Strom-Speichermöglichkeit in absehbarer Zeit gibt.
    D.h. Hr.Vassiliadis tritt offene Türen ein.Das Ganze wohl nur um die Mitglieder seiner Gewerkschaft für dumm zu verkaufen.

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