Neue Handelskammer: China fasst in Deutschland Fuß

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Neue Handelskammer: China fasst in Deutschland Fuß

von Florian Willershausen

Die Eröffnung einer chinesischen Handelskammer in Berlin kündigt an, was die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren erwartet: Massive Investitionen von Unternehmen aus China.

Buntstifte und billige Hemden, Plastikspielzeug und Backformen – simple Güter dominierten den Handel mit China, als die Deutschen ihre erste Handelskammer eröffneten. Das war 1987 und erfolgte in Hongkong, damals noch britische Kolonie und sicherer Hafen für Pioniere auf fremdem Terrain. Heute stützt sich die hiesige Wirtschaft auf vier Auslandshandelskammer in China plus einer in Taiwan; zusammen betreuen die Filialen mehr als 2500 Mitglieder. Denen geht es längst mehr um den Verkauf von Maschinen nach China als um Beschaffung. Bislang stehen aber weiterhin die Geschäfte der Deutschen im Vordergrund.
Ab sofort ändert sich das. Am Nachmittag wird in Berlin die Chinesische Handelskammer in Deutschland (CHKD) eröffnet, im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Chinas künftig wohl mächtigste Lobby-Organisation in Deutschland ist direkt mit Peking verdrahtet und zählt bereits zur Eröffnung 100 Mitglieder. Der überfällige Schritt trägt jener Strategie Rechnung, die die Parteiführung im aktuellen Fünf-Jahres-Plan beschrieben hat: der Internationalisierung der chinesischen Wirtschaft.
Das China-Geschäft ist keine Einbahnstraße mehr. Die Volksrepublik hat zwar sowohl durch Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen und die massiven Exporte von zunehmend hochwertigen Gütern wie iPhones und Tablet-PCs enorm profitiert, Beschäftigung und mehr Wohlstand für die 1,3 Milliarden Menschen geschaffen. Doch das Land will weiter die Wertschöpfungskette nach oben klettern, mit eigener Hightech den Weltmarkt erobern statt die Werkbank des Westens zu spielen. Das gelingt nur, wenn Chinas Unternehmen technologisch zum Westen aufschließen – und ihre Marken hierzulande etablieren. Beides dürfte künftig zu den Schwerpunkten der CHKD zählen.

Nach Angaben von Chinas neuer Kammer haben die Unternehmen der Volksrepublik im vergangenen Jahr allein 50 Milliarden Dollar im Ausland investiert. Nach Deutschland sind bis September 2013 bereits 3,8 Milliarden Dollar geflossen. Zu den größten Übernahmen der vergangenen Jahre zählen die 738 Millionen Euro teure Übernahme des Wiesbadener Gabelstapler-Herstellers Kion durch Weichai Power, sowie die des Essener Computerherstellers Medion durch Lenovo (629 Millionen Euro).

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Sicher gilt es für die CHKD auch, politisches Lobbying und Image-Pflege in Deutschland zu betreiben. Bisweilen lösen Übernahmen durch chinesische Investoren eher Ängste bei den Beschäftigten aus. Dabei belegen Studien etwa der Bertelsmann-Stiftung gerade nicht, dass auf Akquisitionen durch chinesische Unternehmen der Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen folgt – im Gegenteil scheinen die meist angeschlagenen deutschen Unternehmen vom vereinfachten Zugang zum Wachstumsmarkt China zu profitieren.
Dennoch wird es ein hartes Stück Arbeit sein, die kulturell bedingten Vorurteile abzubauen. Hierbei kann die CHKD die Deutsch-Chinesische Wirtschaftsvereinigung DCW zählen, die als Verein deutscher und chinesischer Unternehmen bereits seit 1987 aktiv ist – und mit Seminaren, Veranstaltungen und Studien zur Verständigung beider Länder beiträgt. Wobei Chinas zuweilen knallharte Interessenpolitik künftig über die neue Handelskammer kanalisiert werden wird.

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