Neue Pisa-Studie: Deutsche Schüler steigen in erste Liga auf

Neue Pisa-Studie: Deutsche Schüler steigen in erste Liga auf

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Die Wörter "PISA Studie" stehen in einer Hauptschule in Arnsberg (Sauerland) auf einer Glasscheibe

von Max Haerder

Deutsche Schüler holen im internationalen Vergleich auf, allerdings mal mehr und mal weniger und von unterschiedlichen Niveaus. Doch trotz aller Fortschritte: Im Land der Dichter und Denker macht die Lesefähigkeit und die Abhängigkeit von Umfeld und Elternhaus weiterhin die größten Sorgen.

Vor zehn Jahren existierte das politische Schlagwort von der „Bildungsrepublik“ noch nicht, gleichwohl fühlte sich die Bundesrepublik als solche. Der erste international vergleichende Pisa-Test im Jahr 2000 schickte deshalb Schockwellen durchs Land: Deutsche Schüler, so das nüchterne Ergebnis, waren nur durchschnittlich - wenn überhaupt. Beim Lesen, Rechnen und in den Naturwissenschaften blieben deutsche Schüler meist unter dem Durchschnitt anderer Industrieländer. Das Wort vom „Pisa-Schock“ ging um.

Offenbar ein heilsamer. Denn in der vierten und jüngsten Pisa-Studie („Programme for International Student Assessment“) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die heute vorgestellt wurde, schneiden die getesteten 15-Jährigen hierzulande besser ab als beim ersten Test 2000. Die Ergebnisse im Einzelnen:

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Lesen: Hier lag der Schwerpunkt des diesjährigen Pisa-Tests. Deutschland erreicht bei der Lesekompetenz mittlerweile 497 Punkte. Das ist zwar einerseits eine deutliche Steigerung von 13 Punkten gegenüber 2000; andererseits liegen die deutschen Schüler weiterhin nur im OECD-Mittelfeld (500 Punkte). „Die systematische Förderung von Lesekompetenz bleibt die größte Herausforderung“, sagte der deutsche Pisa-Leiter Eckhard Klieme.Rechnen: Hier konnten sich die Schüler leicht verbessern. Mit 513 Punkten liegt die Bundesrepublik über dem internationalen Durchschnitt.Naturwissenschaften: Mit 520 Punkten liegt Deutschland weiterhin klar über dem Durchschnitt, allerdings gab es seit dem letzten Testdurchgang 2006 auch keine signifikanten Verbesserungen.

„Deutschland ist aufgestiegen aus der zweiten. in die erste Liga“, fasste der Berliner OECD-Chef Heino von Meyer die Ergebnisse zusammen. Gleichzeitig warnte er vor zu großer Zufriedenheit: „Von der Champions League ist Deutschland noch weit entfernt.“ Bund und Ländern haben in den vergangenen Jahren auf die ersten Pisa-Tests reagiert. So gelten mittlerweile bundesweit gültige Bildungsstandards, die regelmäßig überprüft werden, die Lehrerausbildung kam auf den Prüfstand, der Didaktik im Klassenraum wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Probleme bleiben

Die bekannten Probleme des deutschen Bildungssystems wirken allerdings weiterhin fort: Elternhaus und Umfeld prägen die Leistungen extrem stark. Je nach Schulstandort und Umfeld schwanken die Ergebnisse von Schülern mit vergleichbarem sozialen Hintergrund um bis zu 100 Pisa-Punkte, das entspricht fast zweieinhalb Schuljahren. In keinem anderen Land ist dieser Einfluss so eklatant. Auch die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen sind hierzulande unvermindert hoch: Mädchen sind Jungen beim etwa Lesen um ein gutes Schuljahr voraus, Jungen den Mädchen wiederum etwa ein halbes Jahr in Mathe.

Erfreulich hingegen sind die Fortschritte bei den Migrantenkindern. Ihr Anteil an den getesteten Schülern stieg um vier auf 26 Prozent. Gleichzeitig machten sie in den vergangenen Jahren bei Pisa auch die größten Fortschritte. Ihr Bildungs-Abstand zu den einheimischen Kindern verringerte sich deutlich. „Wir haben mehr Gleichheit in unserem Bildungssystem“, lobte Bildungsforscher Klieme. Dazu gehört auch, dass der Anteil der so genannten Problemschüler mit stark unterdurchschnittlichen Leistungen unter 20 Prozent gesunken ist.

Die Bundesbildungsministerin zog deshalb insgesamt ein freundliches Resümee zum Testjubiläum: „Zehn Jahre Pisa-Studien in Deutschland haben dem deutschen Bildungssystem gut getan, es im internationalen Vergleich gestärkt und die Chancen für Kinder und Jugendliche auf gute Bildung verbessert“, sagte Annette Schavan (CDU). Allerdings sei Pisa 2010 auch nur eine „Zwischenbilanz“.

Die Hände in den Schoß legen können Bund und Länder nicht. Denn bei der fürs Lernen entscheidenden Kompetenz, dem Leseverständnis, ist das Niveau weiterhin unbefriedigend. Pünktlich zum Pisa-Jubiläum legt das Bundesbildungsministerium deshalb ein 26 Millionen Euro schweres, neues Programm namens „Lesestart“ auf – ein weiterer Versuch, dem Problem Herr zu werden.

Die Idee: Gemeinsam mit der Stiftung Lesen und den Kommunen sollen Kindern und Eltern bis zum Schuleintritt an die Welt der Schmöker herangeführt werden. Zum ersten Mal bereits, wenn die Kinder ein Jahr alt sind – und dabei verbindlich wie staatlicherseits nur möglich. Zur verpflichtenden ärztlichen Vorsorgeuntersuchung („U6“) werden Eltern zukünftig Bücher und Lesetipps direkt in der Praxis erhalten, das so genannte Lesestart-Set. Im Alter von drei Jahren erhalten sie das zweite Set in der örtlichen Bibliothek. Das dritte Set spendiert der Staat zum Schulanfang.

Weil Kinder mit Leseproblemen noch immer meist aus bildungsfernen Familien kommen, soll sich das Programm vor allem auf soziale Brennpunkte konzentrieren. „Auch die Kultur um die Schule herum muss stimmig sein“, sagte Schavan zu dem Versuch, die Eltern von Anfang an zum Wohl ihrer Kinder anzuhalten. Ob das neue Programm mehr Erfolg haben wird als vorhergehende, ist angesichts der bisherigen Erfahrungen aber zweifelhaft: In den Ländern gibt es bereits 17 verschiedene Leseförderprojekte – mit dem bekannten Pisa-Ergebnis. Auch diese, so Schavan heute, sollen nun ausgewertet werden.

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