Neue Regeln: Warum die Arznei-Branche nervös in die Zukunft blickt

Neue Regeln: Warum die Arznei-Branche nervös in die Zukunft blickt

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Medikamenten-Entwickler Hauel im Labor: Mit harter Arbeit zur wirksamen Pille

von Gerhard Bläske

Die Pharmabranche hatte Jahrzehnte lang ein ähnlich auskömmliches Geschäftsmodell wie die Energieerzeuger.

Zwar sind für Arzneihersteller die Forschungskosten recht hoch und für Stromkonzerne die Investitionen sehr langfristig. Doch gelangt ein patentgeschütztes Medikament erst auf den Markt, verspricht es bisher über Jahrzehnte einen stolzen Verkaufspreis in Deutschland und zugleich in den Nachbarländern, deren Sozialversicherungen auf deutsche Apothekenpreise oft einfach gewisse Abschläge festlegen.

Nun dürfte sich auf dem wichtigsten Pharmamarkt Europas einiges ändern. Diese Erwartung war auch Gesprächsthema bei einem Kongress mit Branchenvertretern und Gesundheitspolitikern heute in Berlin.

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Die von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) entworfenen Regeln für einen Gütetest neuer Präparate und Pillen sind noch nicht erprobt. Deshalb ist umstritten, ob der Arzneicheck eine Zeitenwende für die Hersteller ist und der Sektor entsprechend durchgewirbelt wird.

Bald muss die Branche vor der Einführung neuer und eben oft sehr teurer Präparate zum ersten Mal genauer nachweisen, welcher zusätzliche Nutzen für Patienten heraus springt. Dabei dürfte nicht genügen, dass ein Mittel zum Beispiel nur noch einmal am Tag und nicht mehr häufiger verabreicht werden muss.

Geschäftsmodell in Frage gestellt

Erkennen die staatlich beauftragten Pharmaprüfer vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) einen medizinischen Fortschritt und schließt sich der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) von Kassen und Ärzten dem an, können Hersteller weiter auf gute Gewinne nach jahrelanger Forschungsarbeit hoffen. Doch senkt sich der Daumen, weil etwa aus Sicht der Prüfer nur einige Moleküle eines Präparats geändert wurden, könnte manches Geschäftsmodell in Frage stehen.

Vergleichbare Verfahren gibt es bereits in vielen Nachbarländern, deren Gesundheitssysteme finanziell nicht so gut ausgestattet. In England ist ein kritisches Urteil der zuständigen Behörde nicht nur schlecht für die Marge, weil die Versicherung dann den Preis drücken dürfte. Der nationale Gesundheitsdienst NHS weigert sich sogar immer wieder, besonders teure Mittel überhaupt einzusetzen, weil die Prüfer die Kosten insgesamt für unangemessen halten. Das gilt für Krebs- ebenso wie für Alzheimermittel.

So drastisch wird es Deutschland nicht. Die Unsicherheit unter Pharmamanagern ist aber groß. Jüngst trommelten einige von Ihnen Journalisten in Berlin zusammen und klagten, dass schlimmstenfalls die Existenz der Firma in Frage stehe. Einer machte sichtlich erschüttert die Gleichung auf, dass eine  missglückte Einführung eines Mittels, die bald zu fürchten sei, erst den Börsenkurs drücke und damit die Firma womöglich zum preiswerten Übernahmekandidaten mache. Führungsleute anderer Branchen würden ihm zustimmen. Für sie ist das aber wenig Neues, sie treffen immer wieder Entscheidungen in einem solchen Szenario.

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