
WirtschaftsWoche: Herr Dobrindt, waren Sie erstaunt, dass Horst Seehofer Sie zum Generalsekretär machte?
Alexander Dobrindt: Absolut. Mit so etwas rechnet man nicht an einem Montagmorgen.
Hat Herr Seehofer wirklich so einen grauenhaften Führungsstil, wie es jetzt überall heißt?
Horst Seehofer hat einen ausgesprochen guten Führungsstil, von dem die CSU nur profitieren kann.
Inwieweit profitiert die CSU jetzt?
Horst Seehofer hat in kürzester Zeit mit der Landesgruppe und dem Parteivorstand zusammen eine gute Entscheidung herbeigeführt, die der Partei Erneuerung und Verjüngung bringt.
Das klingt so, als sei die CSU froh, dass Glos endlich den Weg frei gemacht hat für Erneuerung.
Überhaupt nicht, Michael Glos hat große Leistungen für die Partei gebracht und wird weiter ein wichtiger Ratgeber bleiben. Aber es war wichtig, dass wir nach der Entscheidung von Michael Glos den Erneuerungsprozess fortgeführt haben. Sie glauben gar nicht, wie gut dieser Verjüngungsprozess der CSU bei den Menschen ankommt!
Renaissance der Sozialen Marktwirtschaft
Die FDP liegt auf Bundesebene bei 18 Prozent – wie finden Sie das?
In einer aktuellen Umfrage ist das schon deutlich weniger, nämlich nur noch 12 Prozent. Die Menschen werden schnell merken, dass in der Krise die Stabilität nur durch die Soziale Marktwirtschaft geschaffen werden kann. Die Soziale Marktwirtschaft hat zwei Säulen: Der Markt und der soziale Ausgleich. Die FDP kann nur eines: Den Markt. Das ist zu wenig, und deshalb wird die Überzeugungskraft, die wir mit der Renaissance der Sozialen Marktwirtschaft einläuten, größer sein wird.
Aber es könnte ja sein, dass die Menschen das erst nach der Bundestagswahl merken.
Ich glaube nicht, dass wir uns über solche Momentaufnahmen Gedanken machen müssen. Wir werden jetzt verantwortungsvoll die Krise bewältigen. Unser Ziel ist, eine bürgerliche Mehrheit zu schaffen.
Auf Bundesebene ist schwarzgelb für Sie sicherlich das Beste, was Sie erwarten können. Aber die Stärke der FDP wird bis nach Bayern abstrahlen – und dort strebt die CSU wieder die Alleinherrschaft an.
Wir werden unser Profil in einer schwarzgelben Koalition auf Bundesebene wieder so weit schärfen, dass wir bei der nächsten Landtagswahl in Bayern auch wieder besser abschneiden.
Dass die FDP so gut dasteht, hat womöglich damit zu tun, dass man der CDU immer weniger Wirtschaftskompetenz zutraut. Fürchten Sie, dass die CSU davon mit hinunter gezogen wird und planen deshalb einen eigenen Wahlkampf?
Die Menschen trauen uns nach wie vor die größte Kompetenz in Sachen Wirtschaft zu. Es gibt da auch überhaupt keine unterschiedlichen Einschätzungen zwischen der CDU und CSU und wir werden ein gemeinsames Wahlprogramm machen. Denn die Menschen wollen natürlich wissen, welches sind die gemeinsamen Ziele, die ihr gemeinsam in Berlin durchsetzen wollt?
Im Mai finden die Europawahlen statt. Die CSU muss fürchten, nicht auf die nötigen fünf Prozent aller in Deutschland abgegebenen Stimmen zu kommen, weil im bevölkerungsreichen Land NRW gleichzeitig Kommunalwahlen sind und viele Menschen zur Urne gehen werden. In Bayern dagegen sind Pfingstferien und viele Leute verreist. Warum hat Bayern nicht wie Baden-Württemberg die Pfingstferien einfach verlegt?
Das stand gar nicht zur Debatte. Wir haben auch schon zu anderen schwierigen Terminen Wahlen gewonnen: Wir werden das auch diesmal schaffen, trotz Pfingstferien.
Wäre es nicht eine weitere Katastrophe für die CSU nach dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit vergangenen Herbst, wenn sie jetzt auch noch ihr Image als Retterin Bayerns vor den bösen Brüsseler Bürokraten verlieren würde?
Die Wähler werden sich genau überlegen, wer sie in Brüssel vertreten soll. Denn nur mit der CSU gibt es Abgeordnete aus allen Teilen Bayerns im Europaparlament. Das kann keine andere Partei.








