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Neues System: Bremen muss länger auf Wahlergebnis warten

von dpa Quelle: Handelsblatt Online

Für den Wähler ist das Kreuzchen schnell gemacht, aber das Ergebnis wird in Bremen länger auf sich warten lassen. Die ein oder andere Partei muss also nach der Bürgerschaftswahl noch länger zittern.

Sigmar Gabriel und Spitzenkandidat Jens Böhrnsen: Bei der SPD gibt man sich vor der Wahl in Bremen siegessicher. Quelle: handelsblatt.com
Sigmar Gabriel und Spitzenkandidat Jens Böhrnsen: Bei der SPD gibt man sich vor der Wahl in Bremen siegessicher. Quelle: handelsblatt.com

Prognose, Hochrechnungen, Schluss. Wenn am Sonntag in Bremen die Wahllokale für die Bürgerschaftswahl schließen, beginnt an der Weser das lange Zählen. Absolute Sicherheit gibt es für die Parteien und die Kandidaten am Abend noch nicht. Wer muss eventuell um den Einzug in das Landesparlament bangen? Wie viele Prozente und Sitze bekommen die antretenden Parteien genau? Die Bürger werden ihre fünf Kreuzchen binnen Minuten machen, mancher Kandidat muss vielleicht tagelang auf Gewissheit warten. Erst zur Wochenmitte will Landeswahlleiter Jürgen Wayand die endgültigen Zahlen auf den Tisch legen.

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Was Beobachter im Rest der Republik mit Kopfschütteln quittieren, begründet Wayand mit dem erheblichen Mehraufwand durch das neue Wahlsystem. Wie beim Urnengang in Hamburg im Februar können die Menschen auch bei der Landtagswahl in Bremen am Sonntag nicht nur zwei Kreuzchen machen. Insgesamt können sie fünf Stimmen auf Parteien und Bewerber verteilen. Dieses Kumulieren und Panaschieren ist nach Wayands Angaben auch der Grund für das lange Auszählen.

Auch ohne vorläufiges amtliches Endergebnis sagt Wayand für den Wahlabend belastbare Daten voraus. "Es gibt kein späteres Ergebnis. Die Wahlforschungsinstitute werden nach unseren Informationen wie gewohnt eine Erstprognose sowie Hochrechnungen herausgeben." Dazu komme die eigene Hochrechnung des Landesamtes, für die 70 repräsentative Wahlbezirke ausgewählt wurden.

Bremer Beobachter schauten sich das Prozedere in Hamburg an, wo sogar zehn Stimmen vergeben werden konnten. Auch an der Elbe sei am Wahlabend kein vorläufiges amtliches Endergebnis präsentiert worden, betont Wayand. Stimmt - aber: Gegen 23 Uhr waren in Hamburg alle Zweitstimmen ausgezählt, die für die Zusammensetzung eines Parlaments entscheidend sind. Das endgültige Ergebnis stand dann auch an der Elbe erst zur Wochenmitte fest.

Und bei Kommunalwahlen in anderen Bundesländern können die Wähler zum Teil noch viel mehr Stimmen vergeben und ebenfalls kumulieren und panaschieren. Trotzdem geht das Auszählen deutlich schneller. Solche Vergleiche hält Bremens Landeswahlleiter jedoch für unzulässig. Dort gebe es ein anderes Wahlrecht. 2600 Helfer wurden in Bremen für die Bürgerschaftswahl und die gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahlen berufen.

Die Politiker treibt derweil die Furcht vor einer niedrigen Wahlbeteiligung um. Die Umfragen prognostizieren einen klaren Sieg für die rot-grüne Koalition. Im themenarmen Wahlkampf, der nur auf mäßiges Interesse stieß, kam keine Spannung auf. Die SPD, die seit dem Kriegsende die Regierungschefs stellt, steht den Umfragen zufolge als Sieger fest, ebenso wie die Grünen, die ihren Höhenflug wohl weiter fortsetzen werden und erstmals die CDU übertrumpfen könnten.

"Man hört immer wieder, dass die Wahl schon gelaufen ist", warnte der Bremer SPD-Vorsitzende Andreas Bovenschulte im Wahlkampf. "Ich halte diese Einschätzung für sehr gefährlich." Bundeschef Gabriel betonte: "Je mehr zur Wahl gehen, desto weniger haben die Spinner eine Chance dahinzukommen, wo sie nicht hingehören." Schon 2007 machte der damalige SPD-Landeschef Uwe Beckmeyer die positiven SPD-Umfragewerte für die niedrige Wahlbeteiligung von 58,6 Prozent und das schlechter als erwartete Abschneiden seiner Partei verantwortlich. Und auch diesmal treibt die Sozialdemokraten offenbar die Angst um, die eigenen Wähler nicht ausreichend mobilisieren zu können. Trotz aller Treueschwüre der rot-grünen Koalition warnen die Genossen angesichts des Höhenfluges der Grünen denn auch davor, dass der Koalitionspartner mit einem zweiten grünen Regierungschef nach Baden-Württemberg liebäugeln könnte. Dies wäre nach den Umfragen durchaus im Bereich des Möglichen. Allerdings haben die Grünen einem Bündnis mit der CDU bisher eine Absage erteilt.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 20.05.2011, 16:35 UhrPaul

    schön wär, wenn die Grünen zittern müssten, nichts geleistet und trotzdem oben auf?

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