Neulich...am Buffet: Schweinebraten oder gekochter Fisch?

kolumneNeulich...am Buffet: Schweinebraten oder gekochter Fisch?

Kolumne

Eine gute Nachricht für alle Genießer: Ein bisschen Übergewicht ist gesund und erhöht die Lebensdauer. Das fanden Gesundheitswissenschaftler jetzt heraus. Es bleibt also noch mehr Zeit zum Genießen!

Neulich beim Herbstempfang, ausgerechnet einer Krankenkasse, am Buffet: Wieder einmal so ein Moment, in dem wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen: Salat oder Pilzcremesuppe als Vorspeise? Schweinebraten oder gedünsteter Fisch? Und die Kartoffeln, mit viel Öl im Ofen gebacken oder einfach nur gedünstet?

Zum Nachtisch Panna Cotta mit Schokoladensoße oder Obstsalat?

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Der Herr hinter mir seufzte einen Satz, der mit  "Kalorienbomben" endete und griff zum Wokgemüse.

Ich blickte dezent über die Schulter: Mittvierziger, das hellblaue Hemd spannte leichte im unteren Drittel, aber die Gürtelschnalle war noch gut sichtbar. Dieser Mann sollte zu dick sein?

Nein, hat ein Team um die Hamburger Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser jetzt herausgefunden. Der kleine Bauch ist genau richtig und schenkt seinem Träger vermutlich ein paar Lebensjahre zusätzlich.

Menschen mit leichtem Übergewicht leben länger und werden seltener krank als ihre dünnen Zeitgenossen, so das Ergebnis der Studie, die im aktuellen Ärzteblatt veröffentlicht wird.

Galt bisher ein Body-Mass-Index von unter 25 als ideal, so empfehlen die Wissenschaftler nun einen BMI von etwa 27: „Heute ist ein BMI um 27 im mittleren Alter mit der geringsten Sterblichkeit verbunden.“ Für ältere Menschen werden sogar 27 bis 35 empfohlen. Der BMI errechnet sich, indem man die Körpergröße mit sich selbst multipliziert. Anschließend teilt man sein Gewicht durch das Ergebnis.

Wer also 1, 70 Meter groß ist und 60 Kilo wiegt, kommt auf einen Body-Mass-Index von 21.

Die "Birnenform" bei der Frau ist weniger bedenklich als die "Apfelform" beim Mann

Das heißt natürlich nicht, dass es gesund ist, als Tonne durch die Gegend zu laufen oder gar zu rollen. „Die Sterblichkeit war bei Untergewicht und Fettleibigkeit erhöht“, berichtet eine Autorin der Studie.

Dürre brechen sich schneller die Knochen, Dicke sind anfälliger für alle möglichen Krankheiten.

Bei Menschen, die etwas übergewichtig sind, sinkt dagegen das Risiko, an Krebs zu sterben. Sie erholen sich auch leichter von Operationen als "Idealgewichtige" oder Dünne. Allerdings ist mollig nicht gleich mollig: Die sogenannte "Birnenform" bei der Frau – der Speck auf den Hüften also – ist laut Studie weniger gefährlich als die "Apfelform" beim Mann, die durch die Röllchen entsteht  – die Spanier geben ihnen den drolligen Namen „los Michelines“, in Anlehnung an die Reifenfirma.  

Warum das alles so ist? So richtig geht das aus der Studie nicht hervor. Vielleicht einfach deshalb, weil Menschen, die nicht jeden Morgen auf die Waage stehen und sich dafür abends am Buffet Obstsalat und Panna Cotta gönnen, das bessere Leben führen.

Katharina.Koufen@wiwo.de

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