Neulich...auf der Neugeborenenstation: Mutter Ursula hat doch Recht

Neulich...auf der Neugeborenenstation: Mutter Ursula hat doch Recht

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Neulich...

2008 erblickten hierzulande etwa gleich viele Babys das Licht der Welt wie im Jahr zuvor. Dies wird die Vergreisung der Republik nicht aufhalten können, da die Gruppe möglicher Mütter schnell schrumpft.

So ein Hin und Her: Im Februar ließ Ursula von der Leyen verbreiten, dass die Zahl der Neugeborenen im Jahr 2008 über der des Vorjahres liege – dies ergäben vorläufige interne Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Die Bundesfamilienministerin und siebenfache Mutter wertete dies als ersten Erfolg ihrer vor allem bei konservativen Parteikollegen viel gescholtenen Familienpolitik.

Im April dann schlugen die Kritiker der Familienministerin gnadenlos zurück. Sie feixten lauthals, als das Statistische Bundesamt neue Zahlen verbreitete, nach denen es nicht mehr, sondern sogar 8000 weniger Babys gegeben habe. Na wer sagt’s denn, frohlockten vor allem konservative Herrschaften hämisch: Mehr Kitaplätze, Vätermonate und Elterngeld führen eben doch nicht dazu, dass junge Leute wieder mehr Kinder in die Welt setzen.

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Wann sterben wir aus?

Jetzt schlägt das Pendel wieder zurück. Aktuellen Zeitungsberichten zufolge erblickten im vergangenen Jahr etwa genau so viele Jungen und Mädchen das Licht der Welt wie im Jahr zuvor. Gerade einmal 2000 Babys weniger als 2007 meldeten danach die Statischen Landesämter ihrer Zentrale. Erfahrungsgemäß wird diese Zahl durch Nachmeldungen der Standesämter noch steigen. Erst im August werden endgültig alle Säuglinge registriert sein.

Tja, da lag die viel bespöttelte „Mutter Ursula“ wohl doch nicht ganz falsch. Möglicherweise wird nun nämlich die Geburtenrate, die zuletzt bei im Schnitt 1,37 Kinder je Frau lag, gar nicht sinken. Diese Zahl ist ein Politikum hierzulande. Und sie richtet sich - und da liegen die Tücken der Statistik - nach der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter, genauer gesagt zwischen 15 und 45 Jahren. Da aber die Zahl dieser Frauen und Mädchen in Deutschland jedes Jahr um mehrere tausend fällt, kann die Geburtenrate steigen, auch wenn absolut nicht mehr Kinder geboren werden, also die Alterung der Gesellschaft nicht gestoppt wird.

Ungeborene können keine Kinder bekommen

Die ungebrochene Lust auf Kinder wird die Vergreisung der Republik dennoch nicht aufhalten können. Denn die Gruppe möglicher Mütter schrumpft weiter rapide. Während 2006 mehr als 19 Millionen Frauen im entsprechenden Alter waren, werden es im Jahr 2022 nur noch 13,5 Millionen sein (Zu- und Abwanderungen sowie Sterbefälle nicht mitgerechnet). Das kann man so exakt berechnen, da die Mädchen, die später einmal Mutter werden könnten, heute bereits geboren sind - oder eben auch nicht.

Idealerweise müsste jede Frau mindestens zwei Kinder zur Welt bringen. Rechnet man eine entsprechende Zuwanderung mit ein, sagen Experten, reichen auch 1,6 bis 1,7 Kinder pro Frau. Doch davon ist Deutschland weit entfernt. Und Familienpolitik - dies sei Kritikern wie Fans der Familienministerin gleichermaßen gesagt -  wirkt sehr, sehr langsam. Selbst wenn die ideale Geburtenrate in acht oder zehn Jahren durch mehr Betreuungsplätze, Elterngeld, und Vätermonate erreicht werden sollte, wird dies die demografischen Probleme der Sozialsysteme oder den Facharbeitermangel kaum beheben. Denn die dann Geborenen stehen dem Arbeitsmarkt erst 15 bis 25 Jahre später zur Verfügung. In der Zwischenzeit rächen sich die familienpolitischen Versäumnisse der Vergangenheit.

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