Neulich...bei der Juniorwahl: So würden unsere Kinder wählen

kolumneNeulich...bei der Juniorwahl: So würden unsere Kinder wählen

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Schelmisch lacht ein kleiner Junge am Sonntag (30.08.2009) in einem Leipziger Wahllokal, während sein Vater den Wahlschein zur Landtagswahl ausfüllt.

Kolumne

In den 80er Jahren wählte man grün, wenn man seine Eltern schocken wollte - und heute? Immer noch grün - jedenfalls in Thüringen. Die Linke jedenfalls, im Westen der neue Bürgerschreck, hat im Osten weder Protestpotenzial noch Sexappeal. Und noch schlimmer: Die Eltern wählen sie selbst. Die Grünen dagegen kommen bei Thüringens Erwachsenen nur auf sechs Prozent. Sie gelten bei vielen Ostdeutschen als Partei der Elite-Wessis, die für Luxusprobleme kämpfen.

Früher wählte man grün, um seine Eltern zu schocken. Die Grünen waren diese haarigen Wesen, auf deren schrammeligen Autos „100 für den Wald“ stand, „Atomkraft nein danke“ oder „Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben“. Interessanter Weise scheinen die Jugendlichen von heute immer noch häufig grün zu wählen, obwohl sie damit doch niemanden mehr schockieren.

Oder doch? Bei der "Juniorwahl" in Thüringen, einer Wahlsimulation für Jugendliche unter 18, machten 27 Prozent ihr Kreuz bei den Grünen. Von den Eltern entschieden sich nur sechs Prozent für die Ökopartei.

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Sie hat bei vielen Ostdeutschen den Ruf, für die Yuppisierung ehemaliger Ostbezirke zu stehen, für Wessis, die Biowein trinkend auf schicken Dachterrassen sitzen und denen die Rettung der Gelbbauchunke wichtiger ist als der Erhalt von Arbeitsplätzen.

Vielleicht macht genau das den Sexappeal der Grünen bei Thüringens Jugend aus: Wir wählen die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben.

Die Linke ist im Osten piefig und miefig wie die DDR. Potential zur Protestpartei: null

Umgekehrt kommen bei den Kindern und Jugendlichen nach wie vor die Parteien schlecht an, die von den Erwachsenen gewählt werden.

In Thüringen stimmten die Wähler vor allem für CDU und Linke, die mit rund 31 und 28 Prozent am besten abschnitten. Ihre Kinder fanden die beiden Parteien weniger attraktiv: 19,5 Prozent machten ihr Kreuz bei den Schwarzen, 14 Prozent bei den Dunkelroten.

Während es im Westen manche bürgerliche Eltern durchaus schockieren könnte, wenn der Nachwuchs die Linke wählt – sofern die toleranten Mütter und Väter von heute sich überhaupt provozieren lassen - wählen die bürgerlichen Eltern im Osten oft selbst diese Partei.

Die Linke ist dort so piefig und miefig wie die DDR, Gardinen und Rauputzfassade inklusive. Ihr Potential zur Protestpartei geht gegen Null. Und offenbar können die jungen Leute wenig mit dem „Es-war-nicht-alles-schlecht“-Gefühl anfangen, von dem die Linke im Osten bei den Älteren profitiert. Die zweitattraktivste Partei war die SPD, für die sich knapp 23 Prozent der Thüringer Jugendlichen entschieden – bei den Eltern waren es knapp 19 Prozent.

Für die FDP votierten neun Prozent, zwei Prozentpunkte mehr als bei den Eltern.  

Die NPD erhielt bei den unter 18 jährigen 4,2 Prozent der Stimmen, etwas weniger als bei den Erwachsenen – das ist erfreulich wenig, besonders, wenn man berücksichtigt, dass Jugendliche aller Schulformen ab der siebten Klasse beteiligt waren. Rechtes Gedankengut kommt vor allem bei Kindern aus bildungsfernen Familien gut an. Fazit: Interessantes Projekt, das den eigenen Kindern und ihren Klassenlehrern vor der Bundestagswahl unbedingt ans Herz gelegt werden sollte. 

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