Neulich….beim Entdecken des Kinderbonus: Ein vergiftetes Geschenk

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Neulich... die Kolumne zu Bildung und Gesundheit

Kolumne

Letzte Woche standen plötzlich und unverhofft zweihundert Euro Guthaben auf meinem Konto, direkt unter dem Kindergeld. "Kinderbonus" stand daneben. Ich sollte mich eigentlich freuen. Und ich sollte konsumieren. Aber beides gelingt mir nicht richtig.

Zweihundert Euro für zwei Kinder - das ist so eine Summe, die reicht nicht für ein neues Sofa und schon gar nicht dafür, das alte neu zu polstern. Oder einen neuen Kühlschrank zu kaufen.

Mal davon abgesehen, dass ich auch nicht weiß, warum "der Staat", also letztlich die Allgemeinheit, mir ein neues Sofa oder einen Kühlschrank spendieren sollte. Drei bis vier Paar Kinderschuhe wären drin, aber die hatten wir gerade schon neu gekauft, als es vorletzte Woche warm wurde. Und so bleibt das Geld erst mal dort, wo es ist, auf dem Konto. Von dort schmilzt es erfahrungsgemäß sowieso von selbst weg.

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Immerhin habe ich den Einkauf auf dem Heimweg aus dem Büro letzte Woche spontan im italienischen Feinkostgeschäft erledigt. Sonst wäre ich vermutlich nur in den Supermarkt gegangen.

Ist das im Sinne der Erfinder des Konjunkturpakets? Vielleicht überweist der Familienvater mein Geld sofort auf ein Konto in Palermo, wo er für ein Häuschen spart. Vielleicht gönnt er seinen Kindern aber auch ein Wochenende im Tropical Island, diesem Badespaßparadies vor den Toren Berlins. Dann würde er dazu beitragen, Arbeitsplätze in Brandenburg zu sichern.

Meine Kinder, deren Existenz wir das Geldgeschenk von Vater Staat verdanken, haben vom "Kinderbonus" gar nichts. Italienischen Rotwein dürfen sie nicht trinken. Käse mögen sie nicht.

Meine Kinder zahlen für die Kredite

Im Gegenteil: Sie müssen Zinsen zahlen für die Kredite, mit denen diese "Geschenke" finanziert werden.

Und irgendwann müssen sie die Kredite sogar tilgen. Glauben wir Herrn Steinbrück, der die Schulden für das Konjunkturpaket in zehn Jahren zurückzahlen möchte, kosten die 200 Euro "Geschenk" seine Empfänger 310 Euro.

Hochgerechnet auf die 18 Millionen Kinder, für die der Staat etwa 1,8 Milliarden Euro Kinderbonus zahlt, kommen eine Milliarde Euro Zinsen zusammen.

Insgesamt kostet der Bonus die Steuerzahler von morgen somit  2,8 Milliarden  Euro, sollte der Staat tatsächlich seine Neuverschuldung in zehn Jahren wieder abzahlen, wie Finanzminister Peer Steinbrück es verspricht.

Um nicht ganz unrealistisch zu werden, gehen wir von zwei tilgungsfreien Jahren aus, solange dürfte die Krise mindestens dauern, und von 6,5 Prozent Zinsen – gut möglich, dass auch der deutsche Staat in der Zukunft an Bonität verliert, weil auch die Gläubiger an dessen guten Vorsätze zweifeln, die neuen Schulden schnell zu tilgen.

Die Schuldenkurve kennt nur eine Richtung

Denn mit dem Tilgen von Staatsschulden haperte es schon immer, egal ob schwarz-gelbe oder rot-grüne Regierungen am Ruder saßen.

Die Schuldenkurve der Bundesrepublik kennt nur eine Richtung: nach oben. Schon vor der aktuellen Mammutverschuldung standen die jährlichen Zinszahlungen mit der unglaublichen Summe von 40 Milliarden Euro an Platz zwei auf der Ausgabenseite im Staatshaushalt  - nach den Rentenzuschüssen und vor den Hartz IV-Ausgaben.

Angenommen also, aus welchen politischen Gründen auch immer – Wahljahre, drohende Krisen, nötige Befriedung unzufriedener Bevölkerungsgruppen – es dauert 20 Jahre, bis eine Regierung sich an die Tilgung des 1,8 Milliarden-Kredites wagt: Bis dahin würden bei einem angenommen Zinssatz von 6,5 Prozent  4,8 Milliarden Euro Zinsen anfallen.

Nur Zinsen, wohlgemerkt! Diese Summe muss obendrein von einer schrumpfenden Zahl von Erwerbstätigen aufgebracht werden.

Ein wahrlich vergiftetes Geschenk also, das der Staat den Kindern und ihren Familien macht.

Übrigens ist es durchaus klug, den Kinderbonus einfach auf dem Konto liegen zu lassen. Denn am Jahresende könnte es sein, dass er gleich wieder mit den Freibeträgen verrechnet wird – falls das Haushaltseinkommen über 67.000  Euro liegt, jedenfalls.

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