Neulich... beim Kinderzahnarzt: Karius, Baktus und die Küsse

kolumneNeulich... beim Kinderzahnarzt: Karius, Baktus und die Küsse

Bild vergrößern

Neulich...

Kolumne

Hilfe, der "Monat der Mundgesundheit" steht vor der Tür. Trotz Horror-Geschichten über Zahnteufel futtern meine Kids Süßes, so oft es geht. Bundesweit aber gilt: Kinderzähne sind heute viel gesünder als früher.

Am Anfang war noch alles gut. Selbstverständlich waren meine Kinder keine Nuckelflaschenkinder, selbstverständlich wurden sie lange gestillt, selbstverständlich bekamen sie als kleine Kerle nur hin und wieder mal einen Vollkornkeks, während ich ihnen Horrorgeschichten über die Zahlteufel Karius und Baktus vorlas, die, oh wie schlimm, Löcher in die Zähne hacken.

Das war gestern. Heute sind die beiden fünf und sieben. Und sie lieben Süßes. Und sie bekommen es. Der eine in der Kita, wo er morgens (wenn wir mit frisch geputzten Zähnen dort ankommen) auf seine Kumpels trifft, deren Hosentaschen durch Schlechte-Gewissen-Eltern mit Süßigkeiten gefüllt sind. Und wo es zum Frühstück gesüßten Tee und Nutella-Brote gibt. Mein vorsichtiger Versuch, diese Sachverhalte in einer Elternversammlung einmal zu diskutieren, wurde im Ansatz abgewürgt. Ich sei "Genuss-feindlich" – Ende der Debatte.

Anzeige

Als Belohnung Gummibärchen

Mein anderer Sohn organisiert sich Süßes in der Schule. Zur Freude der Küchenfrauen räumt er in der Kantine täglich die Stühle von den Tischen und staubt als Belohnung Gummibärchen ab. Schokolade gibt es dann als Dankeschön, wenn er nach dem Essen alle Tische mit einem feuchten Lappen abwischt, was mein Sprössling natürlich eifrig tut. Ich selbst habe ein Dreivierteljahr jeden morgen Wurst- oder Käsebrote in allen Varianten in die Brotdose gepackt, und abends in den Müll geworfen. Jetzt haben wir uns auf Vollkornbrot mit Nutella geeinigt und Mutter ist beruhigt, dass das Kind wenigstens irgend etwas isst.

Mit mulmigem Gefühl im Bauch steuere ich nun auf den Oktober zu. Den hat die Bundeszahnärztekammer gemeinsam mit einem großen Zahnpastahersteller zum "Monat der Mundgesundheit" ausgerufen. "Vorbeugen ist besser als Bohren", lautet das Motto und wir alle werden wieder lesen, was wir eigentlich längst wissen, aber daheim nur schwerlich durchsetzen können: zweimal täglich Zähne putzen, wenig Süßes, und wenn, dann direkt bei den Mahlzeiten. Regelmäßig zum Zahnarzt gehen, einmal die Woche mit speziellem Gelee putzen, das bei Karies im Anfangstadium Wunder wirken soll.

Die Kariesprophylaxe-Offensive der vergangenen Jahre zeigt offenbar Wirkung: Bei zwölfjährigen Kindern weist im Schnitt weniger als ein Zahn Karies auf, das zeigen aktuelle Studien. Im Vergleich zu 1997 ist das ein Rückgang um fast 60 Prozent! Verblüffend: Knapp 71 Prozent der Kinder hat völlig gesunde Zähne, aber zehn Prozent der Kids haben 60 Prozent aller Karieserkrankungen. Und erschreckend bleibt nach wie vor: In Familien mit unterdurchschnittlichem Einkommen und geringer Bildung der Eltern haben die Kinder viel schlechtere Zähne.

Mädchen küssen? Ihhhhh!

Ich jedoch fürchte, dass meinen Kindern der "Monat der Mundgesundheit" völlig wurst ist. Ok, zweimal täglich Zähne putzen, das kriegt man zuhause irgendwie hin. Und auch Zahnarztbesuche sind heutzutage für Eltern wie Kinder längst ein freudiges Event: Die Wartezimmer in speziellen Kinderzahnarztpraxen gleichen Indoor-Spielplätzen. Während die Kids mit geöffnetem Mund auf einer Pritsche liegen und an der Decke Sponge Bob oder Au Schwarte gucken, fummeln freundliche Zahnärzte und –helfer mit lustig buntem Werkzeug in ihren Mündern herum. Hinterher gibt es – nein, nix Süßes – eine Münze für eine Automaten, aus dem ein Spielzeug plumpst.

Das Gelee jedoch hassen meine Kinder. Und der Süßkram? Ist fast nicht in den Griff zu bekommen. Jedenfalls nicht, wenn man seine Kinder nicht einsperren oder anbinden will. Und just wenn sich die ersten "zweiten Zähne" zeigen, werden die Kleinen ja flügge. Die Ratschläge in den Broschüren, die wir demnächst überall finden werden, helfen jedenfalls da kaum weiter. Von "zahnschonender Ernährung" ist die Rede, man solle die "kohlehydrat- und säurehaltigen Zwischenmahlzeiten" reduzieren, "im Rahmen der Hauptmahlzeiten naschen". Nicht leicht, wenn die Kinder saure Gurken und Fanta über alles lieben, mit Nachbarskindern spielen, deren Eltern derartige Broschüren nicht lesen oder mangelnde Zuwendung mit Schokolade, Mohrenköpfen oder Lutschern kompensieren.

Bleibt zu hoffen, dass die Fortschritt in der Zahnmedizin, bei Füllungen und Implantaten in den nächsten Jahren in hohem Tempo weiter gehen. Meine Drohung jedenfalls, läuft bei meinen Jungs ins Leere. "Wenn ihr schlecht Zähne habt, will Euch später kein Mädchen küssen", habe ich ihnen schon an den Kopf geworfen. Die Antwort gibt es in verschiedenen Varianten, der Inhalt ist gleich: "Mädchen küssen? – Ihhhhh, wollen wir sowieso nicht."

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%