Neulich....beim Kita-Streik: Mehr Geld für die Rotznasen-Front

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Kolumne

Erzieher verdienen hierzulande zu wenig. Noch schlimmer ist allerdings, dass engagierte, motivierte Kräfte den gleichen Lohn bekommen wie jene, die sich einen faulen Lenz machen.

Einzelne Erzieher leisten hervorragende Arbeit, über andere könnte man sich nur aufregen. Das ist vermutlich in jeder Kita so.

In der Kita meiner Söhne gibt es alle Sorten Erzieherinnen: Die ältere Dame, die trotz Hüftleiden strahlend kleine Knirpse schleppt, sie an ihren großen Busen drückt und ein ebenso großes Herz für die Sorgen und Nöte der Kleinsten hat. Die schmallippigen Mitte 40-Jährigen, die so konzentriert Kaffee trinken und tratschen, dass sie das kleine Mädchen gar nicht wahrnehmen, dass sich gerade durch einen Boby-Car-Sturz eine blutige Nase geholt hat. Die stark geschminkte 50-Jährige, die sich mit ihren chicen Kleidern weiß Gott nicht in den Sand knien kann und besser am Empfangstresen eines Nagelstudios aufgehoben wäre als an der "Rotznasen-Schürfwunden-Front". Und die deftige, burschikose Anfang Dreißigjährige, die jeden Morgen gute Laune versprüht, sich pädagogisch wertvolle Spiele ausdenkt und im Blick behält, welches Kind besonderen Förderbedarf hat.

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Mehr Geld für mehr Leistung - geht nicht

Doch als ich kürzlich die Kita-Leiterin fragte, ob sie einer engagierten, hoch motivierten Erzieherin nicht eine Art Bonus auszahlen könne, sozusagen als Belohnung für überdurchschnittliche Arbeit, schaute die mich nur entgeistert an. Mehr Geld für gute Arbeit – das ist bei Erziehern nicht drin.

Keine Frage, bei der Bezahlung der Erzieher läuft etwas falsch. Deshalb streiken tausende Erzieherinnen und Sozialarbeiter in kommunalen Kindergärten, Schülerhorten und Jugendämtern in diesen Tagen. Sie kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen. Offiziell geht es um einen Gesundheitsschutz-Tarifvertrag, in Wahrheit aber um mehr Geld. Tatsächlich ist die Bezahlung von Erziehern lächerlich gering: Knapp 2000 Euro brutto bekommt ein Berufseinsteiger, nach 15 Jahren werden daraus gerade einmal knapp 2500 Euro.

Sie passen auf das Wertvollste auf, was wir Eltern besitzen. Sie sollen unsere Kinder früh fördern, dafür sorgen, dass kein Kind zurückgelassen wird auf dem Weg in die Bildungsgesellschaft. Die Anforderungen von Politik und Gesellschaft an die Erzieher sind stark gestiegen. Einzelne Kindergärten leisten inzwischen hervorragende Arbeit, andere dagegen kümmert die gesamtgesellschaftliche Debatte über frühkindliche Förderung gar nicht. Das gilt auch für die Erzieher selbst, da gibt es solche und solche.

Satt und sauber reicht nicht

Die guten, engagierten, ja, die sollten tatsächlich besser bezahlt werden. Wer eine Aufwertung des Erzieher-Berufes will, wird nicht umhin kommen, auch besser zu bezahlen. Es ist doch nicht einzusehen, dass gut ausgebildete Kita-Erzieher schlechter bezahlt werden als Müllwagenfahrer oder Krankenschwestern.

Pauschal mehr Geld für alle – das wäre aber der falsche Ansatz. Jene, die im alten Stil nach der Devise fortfahren, „satt und sauber“ reicht, sollen dafür nicht noch belohnt werden. Schließlich müssen am Ende die Eltern für Kita-Kosten und die Steuerzahler für die Mehrkosten aufkommen.

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