Neulich...beim Renten-Guru: Rente in der Krise

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Kolumne

Während an den Kapitalmärkten die Rendteaussichten deutlich nach unten fielen, schien die Rente in der Krise wie immer sich zu sein. Sie ist schließlich unabhängig von Dax und anderen Börsendaten. Eine Studie des Mannheimer Forschunginstitut für Demographischen Wandel (MEA) widerlegt allerdings diese Annahme.

Ökonomen um Axel Börsch-Supan, einer der Rentengurus hierzulande, gingen der Frage nach: Wie krisenfest ist die umlagefinanzierte Rente?

Viel weniger als oft behauptet, lautet die Antwort der Experten – deren Institut übrigens zu mehr als 80 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert wird und kein Interesse daran haben dürfte, die gesetzliche Rente schlecht zu rechnen. Es besteht nämlich eine Symmetrie zwischen der kapitalgedeckten – privaten – und der umlagefinanzierten – gesetzlichen – Rente. Bei der einen macht sich die Krise im Werteverlust der Kapitalanlagen bemerkbar, bei der anderen im Werteverlust der Beitragsbasis. Diese Basis sinkt in Krisenzeiten, weil die Menschen weniger verdienen oder arbeitslos werden. Die Folge ist bei der privaten Rente die niedrigere Rendite, bei der gesetzlichen der niedrigere Wert der Entgeltpunkte.

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Selbst wenn die Löhne, anders als von den Wirtschaftsforschern angenommen, in diesem Jahr nicht sinken, führt die Krise zur Verringerung des Rentenzahlbetrags, also der Summe, die sie aus der gesetzlichen Kasse erhalten. Am stärksten spüren das alle diejenigen, die Anfang der 1950-er Jahre auf die Welt kamen: Sie müssen aufgrund der Krise teilweise eine Verringerung von mehr als sechs Prozent in Kauf nehmen. Für den Babyboomerjahrgang 1964 liegt sie bei 5,7 Prozent. Sinken die Löhne, wie von den Experten vorausgesagt, um 2,3 Prozent, reduziert sich der Zahlbetrag um 7,8 Prozent.

Ebenso verringert sich die rechnerische Rendite aufgrund der Krise. Bei den 1964-ern um genau zehn Prozentpunkte, bei den 1940-er Jahrgängen sogar um 20 bis 30 Prozent – allerdings: Auf viel höherem Niveau. Erhielt ein 1940 geborener Rentner ohne Krise noch 3,6 Prozent Rendite auf die Beiträge, die er Zeit seines Lebens eingezahlt hat, so sind es mit Krise immer noch über 3,3 Prozent. Schon die Arbeitnehmer, die Ende der 1950-er Jahre geboren sind, durften ohne Krise nur noch mit unter drei Prozent Rendite rechnen. Jetzt liegen die Erwartungen noch einmal deutlich niedriger.

Älter als Jahrgang 1953? Wahlgeschenk!

Für alle diejenigen, die vor 1953 das Licht der Welt erblickten, hatte die Bundesregierung trotz ihrer ohnehin schon besseren Altersversorgung ein Wahlgeschenk der Extraklasse: Das Rentengarantiegesetz. Es legt fest, dass die Bezüge niemals sinken dürfen, auch nicht kommendes Jahr – obwohl manchen Ökonomen für 2009 ein Lohnrückgang von 2,3 Prozent erwartet wird. Bis 2018 würde es dauern, müsste eine solche künstliche Aufrechterhaltung des Rentenniveaus später nachgeholt werden – und das dies geschieht, ist mehr als unwahrscheinlich, droht doch spätestens 2013 die nächste Bundestagswahl. Arbeitnehmer, die nach 1953 geboren wurden, müssen das Geschenk der Großen Koalition an die lieben älteren Wählerinnen und Wähler finanzieren, ohne selbst davon zu profitieren.

Wahrscheinlich ist laut Börsch-Supan allerdings, dass auch die potenziellen Nutznießer dieses Wahlgeschenkes schon lange vor Rentenbeginn zur Kasse gebeten werden, und zwar über steigende Beitragsätze. Sollte die Krise länger als erwartet andauern, steigt die Kurve schon ab 2011 an. Zunächst nur auf 20,2 Prozent des Bruttolohns, ab 2016 geht es kontinuierlich nach oben, 2024 lägen die Beiträge bei 22 Prozent. Alternativ könnte der Staat noch mehr Geld aus Steuermitteln zuschießen – schon heute sind die Zahlungen an die Rentenkasse mit 80 Milliarden der größte Posten im Haushalt.

Aber Moment mal, hatte die OECD, also die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, nicht gerade erst das deutsche Rentensystem gelobt? Hat sie, und zu Recht, wie die Mannheimer Demographen finden. Denn die Rentenformel erinnert zwar mindestens an eine Abituraufgabe im Mathe-Leistungskurs – aber sie ist „gut austariert“, findet Börsch-Supan, und sorgt damit für Gerechtigkeit zwischen den Generationen.

Gerecht wäre, wenn die Krise jung und alt gleichermaßen treffen würde, Arbeitnehmer wie Rentner. Gefährlich für die gesetzliche Rente ist weniger die Krise selbst als die populistische Art, mit der die Koalition auf die Krise reagiert.

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