Neulich...beim Rotwein: Alkohol in der Puppenküche

kolumneNeulich...beim Rotwein: Alkohol in der Puppenküche

Bild vergrößern

Neulich...

Kolumne

Natürlich sind Eltern dafür, dass ihre Kinder früh über die Gefahren des Alkohols aufgeklärt werden. Der Vorstoß der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in diese Richtung stößt auf Zustimmung, auch verdeckte Testkäufe im Supermarkt und an der Tankstelle finden viele Eltern gut.

Das alles nützt aber wenig, wenn die Eltern selbst jeden Abend mit größter Selbstverständlichkeit eine Flasche Wein zum Essen leeren. Schließlich machen Kinder nach, was die Erwachsenen tun.

Bei uns gibt es nur hin und wieder ein gepflegtes Glas Rotwein. Nicht allzu selten zwar, und nicht unbedingt immer nur ein Glas, sondern auch mal zwei oder drei. Aber saufen? Das tun die anderen. Die vor dem Supermarkt mit ihren Bierflaschen, oder die in der Starßenbahn, die schon morgens ihre Fahne ins Gesicht pusten.

Anzeige

Wenn Eltern wie wir von der Konfirmandenfahrt des Neffen erfahren, wo sich die Achtklässler „total vollaufen ließen“ – der Neffe selbst natürlich nicht – dann sind wir selbstverständlich geschockt. Mit vierzehn! Betrunken! Und wir finden es gut, wenn die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit einer neuen Kampagne den Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen eindämmen will, wie sie Anfang der Woche ankündigte. Oder wenn Politiker darüber nachdenken, an Tankstellen nachts den "Spritverkauf" zu verbieten. Aber verbieten alleine bringt nichts.

Wer Kindern ernsthaft die Gefahren des Alkohols nahebringen will, muss sich ein Beispiel an der Kampagne gegen das Rauchen nehmen. Noch vor 30 Jahren fand niemand etwas dabei, wenn sich der Vater im Auto bei geschlossenen Fenstern eine Zigarette nach der anderen anzündete und die Kinder hinten husteten. Früher rauchten die Tatort-Kommissare, früher rauchten die Journalisten im Presseclub.

Heute werden die Raucher bei größter Kälte auf den Balkon verbannt, heute müssen sich die Menschen sogar schon im Freien für ihre Zigarette entschuldigen. Das Rauchen zu Hause im Wohnzimmer gilt fast schon als Ausdruck von „Bildungsferne“. Ist also irgendwie „bäh“ und zunehmend uncool. Die Folge: Es rauchen fast nur noch diejenigen, die es ohne Kippe partout nicht aushalten. Und man kann, anders als noch vor zehn Jahren, sein T-Shirt auch nach einem Rockkonzert am nächsten Morgen wieder anziehen.

Bionade oder Bier?

Auch beim Alkohol hat sich etwas getan - denkt man zurück an die Zeit, als im Presseclub Sonntagmittag um zwölf Uhr Wein getrunken wurde. Heute wäre das undenkbar.

Doch immer noch gehen viele Menschen, auch wenn sie längst ein Alkoholproblem haben, sehr unbekümmert mit dieser Droge um. Haben Sie schon mal versucht, ein paar Wochen ohne Alkohol zu leben? Gar nicht so einfach. Ständig wird im Restaurant beim Geschäftsessen nachgeschenkt, hier mit einem Glas Sekt angestoßen und dort ein Schnäpschen zur Verdauung gekippt. Und, Hand aufs Herz: Wie lange hat es gedauert, bis Sie richtig Sehnsucht hatten nach einem kühlen Feierabendbier zur Entspannung oder einem Glas Wein zur Auflockerung des drögen Smalltalks beim Business Lunch?

Die Kinder bekommen das mit. Bei meiner Tochter in der Puppenküche wird Suppe gekocht und Wein dazu gereicht. Und als ich neulich mit dem Sohn im Ikea-Restaurant an der Kasse stand und den Fünfjährigen zurückschickte, um noch ein Getränk zu holen, rief er: Möchtest Du eine Bionade, Mama, oder lieber Bier?

Jetzt fragen wir uns, ob wir Schuld sind, wenn er in zehn Jahren Komasäufer wird.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%