Neulich... im Kreißsaal: Kaiserschnitt immer beliebter

kolumneNeulich... im Kreißsaal: Kaiserschnitt immer beliebter

Kolumne

Pressen oder Schneiden – das ist die Frage der Fragen, wenn die Wehen einsetzen, spätestens wenn im Kreißsaal gar nichts mehr vorangeht. Seit Jahren tobt ein heftiger Streit um die bessere Gebärmethode. Dabei hat die Beliebtheit des Kaiserschnitts womöglich einen einfachen Grund: Sie bringt mehr Geld.

„Jeder Kaiserschnitt ist eine OP und damit ein Risiko“, sagen die einen. „Bei einer spontanen Geburt ist das Risiko des Sauerstoffmangels für das Kind größer, und das kann zu bleibenden Schäden führen“, halten die anderen dagegen. „Nach einem Kaiserschnitt haben Mutter und Kind Probleme, zueinander zu finden“, behaupten die einen. „Nach einer spontanen Geburt sind die Frauen manchmal monatelang traumatisiert  und träumen von Saugglocken und Dammschnitten“,   sagen die anderen. Und dann gibt es auch noch völlig abwegige Argumente wie „save your love chanel“ für den Kaiserschnitt oder „spüre deine Urkraft als gebärende  Frau“ für die Spontanentbindung.

Selbst um die Zahlen gibt es Streit: Experten behaupteten jüngst auf einer Tagung in Berlin, der Trend zum Kaiserschnitt sei rückläufig. Das Statistische Bundesamt dagegen legte kürzlich andere Zahlen vor, allerdings für 2007: Fast jedes dritte Kind kommt in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt, zehn Jahre zuvor war es nicht einmal jedes fünfte.

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Der Grund für die Beliebtheit des Kaiserschnitts hat womöglich Gründe, die weder mit der befürchteten Blaufärbung des Babys noch mit Liebeskanälen zu tun haben, sondern mit Geld. Für einen Kaiserschnitt erhält eine Klinik fast das Doppelte von der Krankenkasse wie für eine vaginale Entbindung. Auf diesen Zusammenhang weist die Regensburger Gynäkologin Birgit Seelbach-Göbel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Eltern hin. „Viele Kliniken werben heute bereits auf ihren Internetseiten mit dem Kaiserschnitt auf Wunsch“, empört sich die Ärztin. Und fordert, die Kassen müssten beide Arten der Entbindung ähnlich vergüten.

Dies hätte entweder zur Folge, dass der Kaiserschnitt künftig unterbezahlt und damit für die Krankenhäuser unattraktiv würde. Oder, wenn der Einheitsbetrag nach oben angepasst würde, dass die natürliche Geburt entsprechend lukrativ würde. Denn sie kommt das Krankenhaus ja  tatsächlich billiger: Im besten Falle muss gar kein Arzt anwesend sein, sondern nur eine schlechter bezahlte Hebamme, während am Kaiserschnitt  gleich mehrere Mediziner beteiligt sind. Vermutlich brächte eine Gleichbezahlung der spontanen Entbindung  eine Welle von Studien mit sich, die allesamt beweisen, wie vorteilhaft die stundenlange natürliche Quälerei doch ist. Die Kaiserschnitt-Rate würde dramatisch sinken.

Der ökonomisch verständliche, jedoch medizinisch problematische Anreiz, der Geburt im OP-Saal den Vorzug zu geben, würde also durch einen anderen Fehlanreiz ersetzt: Die Spontanentbindung um jeden Preis zu forcieren, weil das Krankenhaus dadurch Geld spart. Da kann man das System auch gleich so belassen, wie es ist – auf dass jede werdende Mutter nach ihrer Facon glücklich werde. 

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