Neulich...im Reagenzglas: Babys aus Steuermitteln?

kolumneNeulich...im Reagenzglas: Babys aus Steuermitteln?

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Kolumne

Es gibt sie, die Zweiklassenmedizin. Jedenfalls in der Kinderwunschsprechstunde. Privat versicherte Frauen haben eine achtfach höhere Chance, mit medizinischer Hilfe schwanger zu werden, als gesetzliche Versicherte. Das fand das Forschungsinstitut IGES heraus. Und fordert, gesetzlich versicherte Paare müssten aus Steuermitteln unterstützt werden. Ist das sinnvoll?

Seit 2004 müssen gesetzlich Versicherte für die ersten drei Versuche der sogenannten künstlichen Befruchtung zur Hälfte selbst aufkommen, alle weiteren ganz. Fünf Versuche schlagen im Schnitt mit 12.000 Euro zu Buche. 2003 lag die Eigenbeteiligung laut IGES noch bei 3600 Euro.

Die Versuche, dem Babywunsch medizinisch nachzuhelfen, gingen in den letzten fünf Jahren entsprechend zurück. Das Forschungsinstitut hat nun ausgerechnet, dass 4209 Babys zusätzlich auf die Welt kämen, wenn Paare sich wieder so vielen Behandlungen unterziehen würden wie 2003. Bei einem optimistischeren Szenario könnten es sogar bis zu 14.500 Babys pro Jahr sein. Das IGES schlägt deshalb vor: Der Staat soll sich künftig zur Hälfte an den Eigenkosten beteiligen.

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Aber ist es die Aufgabe der Steuerzahler, Paaren zum Wunschkind zu verhelfen?

Wunschkind als Abwrackprämie

Dafür spricht, dass es eine hohe Geburtenzahl im gesamtgesellschaftlichen Interesse sein sollte. Stichwort demographischer Wandel. Dafür spricht auch, dass das Geld der Steuerzahler für weitaus sinnlosere Dinge ausgegeben wird – lieber Wunschkind als Abwrackprämie. Dafür spricht auch, dass es ökonomisch besser ist, diese Summe – pro Kind 6000 bis 10.000 Euro – den Steuerzahlern aufzubürden, als den gesetzlich Krankenversicherten. Die Kasse sollte nur dann zuständig sein, wenn eine medizinische Indikation vorliegt, wenn ein Paar also unfruchtbar ist und dies schon immer war. Ansonsten handelt es sich um eine versicherungsfremde Leistung, die aus Steuern finanziert werden sollte.

Wenn überhaupt. Denn auch dagegen gibt es Gründe: Es ist  zumindest fragwürdig, ob der Staat einspringen muss, wenn Paare biologisch gesehen oft erst in letzter Minute versuchen, Nachwuchs zu zeugen. Dahinter stehen schließlich private Entscheidungen: Die Abwägung zwischen Kind und Karriere, zwischen Weltreise und Wickeltisch, vielleicht auch zwischen knackigem Traummann und verlässlichem Ernährer – oder was auch immer.

Aber müssen dann nicht auch die Konsequenzen privat finanziert werden?

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