Neulich...in der Apotheke: Teures Pflaster

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Kolumne

Würden Sie mehr als 70 Euro für eine Packung Pflaster bezahlen? Nein? Doch! Sie tun es ständig - sie wissen es nur nicht.

Vor ein paar Tagen gingen uns die Augenpflaster aus. Wir brauchen sie für unseren Sohn. Er sieht auf einer Seite schlecht und muss deshalb regelmäßig sein gutes Auge abkleben, um das schlechte zu trainieren. Augenpflaster sehen aus wie ganz normale Pflaster, nur dass sie eiförmig sind. „Na, bist du heute ein kleiner Pirat?“, fragen Leute, die uns zum ersten Mal besuchen, manchmal. Das macht unseren vierjährigen Sohn immer sehr wütend. „Ich will die doofen Pflaster nicht“, schreit er dann.

Billig? Von wegen.

So sehr er die Pflaster hasst, so dankbar sind wir, dass es diese Möglichkeit des Augentrainings gibt. Keine Nebenwirkungen außer Gezeter, und billig obendrein. Dachten wir jedenfalls bis vergangene Woche.

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Augenpflaster bezahlt die Krankenkasse, aber nur auf Rezept. Ich rief also die Kinderärztin an. Ja, wir könnten vorbei kommen. Es sei aber etwas voll. Wenn die Sprechstundenhilfe von "etwas voll" spricht, kann das schnell zwei Stunden Wartezeit bedeuten. Nein, wir müssten schon mit der Ärztin persönlich sprechen, einfach so könnte sie uns die Pflaster leider nicht verschreiben. Aber man bekomme sie ja auch ohne Rezept in der Apotheke.

Eine normale Packung Pflaster kostet im Drogeriemarkt zwei, höchstens drei Euro. Zwei Euro ausgeben ist allemal besser als zwei Stunden warten, dachte ich - und ging in die Apotheke. Apothekerpreise hin oder her.

Und dann konnte ich es kaum glauben: Eine Packung „Opticlude maxi Boy“ mit 50 Pflastern kostet 71,40 Euro.

Kein Mensch wäre bereit, für ein kleines Pflaster fast einen Euro fünfzig auszugeben! Doch genau das ist das Problem unseres Gesundheitssystems: Wir alle müssen die teuren Pflaster bezahlen, über unsere Beiträge. Aber wir wissen es nicht. Wir reichen der Sprechstundenhilfe unsere Chipkarte über den Tresen und haben keine Ahnung, wie viel Geld der Arzt anschließend unserer Kasse in Rechnung stellt. Wir reichen dem Apotheker unser Rezept und zahlen schlimmstenfalls ein paar Euro zu, höchstens zehn, bei Kindern gar nichts. Welche Summe die Krankenkasse zuschießen muss - keine Ahnung. Kein Interesse.

Wir sind dann doch zur Kinderärztin gegangen. „Nehmen Sie noch einen Moment Platz“, sagte die Sprechstundenhilfe, und wir warteten eine Stunde zwischen lauter kranken Kindern. Am nächsten Tag hatte mein Sohn nicht nur neue Pflaster, sondern auch Magen-Darm-Grippe.

Trotzdem: Danke an allen gesetzlich Versicherten, dass Sie die Augenpflaster für unseren Sohn so großzügig sponsern.

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