Neulich…beim Thema Kinderwunsch: Staatshilfe für "Retortenbabys"

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Wenn die biologische Uhr immer lauter tickt, suchen Paare oft im letzten Moment die Hilfe der Medizin. Aber bis zu 6000 Euro Eigenanteil für künstliche Befruchtung kann sich nicht jeder leisten. Die Folge: Die Zahl der sogenannten Retortenbabys sinkt. Ein Fall für die streitbare Familienministerin Ursula von der Leyen, die dieses Land unbedingt zum Kinderkriegen animieren will.

Nicht wenige von ihnen starten mit Temperaturmessen und enden mit künstlicher Befruchtung. Darüber, dass es ohne ärztliche Hilfe nicht mehr klappt, sprechen die meisten Paare dann nicht mehr so gerne. Freund oder Bekannte, die nicht so nahe dran sind, wundern sich vielleicht, wenn Verabredungen kurzfristig abgesagt werden – „wir mussten ganz plötzlich zum Arzt“. Hinter Sätzen wie diesem verbirgt sich bei der Frau womöglich die termingenaue Entnahme der Eizellen, die mit Hilfe von Hormonen gereift sind und beim Mann die Samenspende, die dann ebenfalls „zeitnah“ zu erfolgen hat.

Für die meisten Frauen ist die Prozedur belastend. Abgesehen vom medizinischen Eingriff unter Vollnarkose bleibt der psychische Stress: Hat es geklappt, bin ich schwanger? Und wenn ja – sind es am Ende Zwillinge oder gar Drillinge? Viele Frauen lassen sich mehrere befruchtete Eizellen einpflanzen – in der Hoffnung, wenigstens eine könnte sich einnisten. Bis zu drei Embryonen auf einmal sind in Deutschland erlaubt. Bei knapp fünf  Prozent liegt die Wahrscheinlichkeit, Drillinge zu bekommen. 70 Prozent, also etwa zwei von drei Frauen, sind im Schnitt nach vier „künstlichen“ Versuchen schwanger. Ab 41 allerdings sinkt die Chance rapide.

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6000 Euro pro Versuch

Aber immerhin: Zwei von drei Frauen sind dank der modernen Medizin in der Lage, den Wunsch nach Kindern zu erfüllen, der sonst verwehrt bliebe. Es sind meist Akademikerfrauen, in der Regel finanziell abgesichert – die medizinische Hilfe beim Schwangerwerden kann bis zu 6000 Euro kosten. Eigentlich also familienpolitisches Wunschklientel. Und dennoch weigern sich zumindest die gesetzlichen Krankenkassen, für künstliche Befruchtungen vollständig aufzukommen. Seit 2004 tragen sie die Kosten nur noch zur Hälfte, und nur bei Frauen, die verheiratet und unter 40 sind. 

Anfang der Woche feierte sich Ursula von der Leyen (CDU) für etwa 3500 zusätzliche Geburten 2008 im Vergleich zu 2007. Das sei direkte Folge ihrer gelungenen Familienpolitik. Frau von der Leyen zückt bei solchen Gelegenheiten gerne ihre Allzweckwaffe, das Elterngeld. Es ermutige die Eltern, sich für Nachwuchs zu entscheiden, zeige jungen Paaren, dass auf den Staat Verlass ist. Das mag ja auch alles stimmen.

Geburtenzahlen der „Retortenbabys“ sinken

Trotzdem muss man der steigenden Geburtenzahl die gesunkene Zahl von Nicht-Geburten entgegen halten: 2008 wurden nur noch halb so viele „Retortenbabys“ geboren wie 2004, nämlich etwa 10.000.

Ein neuer Fall für "vdL" – sie will jetzt durchsetzen, dass der Staat wieder mehr für die Zeugung von Retortenbabies tut. Darüber streitet sie mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Unter der SPD-Politikerin beschloss die Regierung damals, den Kassenzuschuss zu halbieren. Und dabei soll es auch bleiben, findet Schmidt. Sie ist, was die Streitlust angeht, das sozialdemokratische Pendant zu von der Leyen.

Deren Vorbild ist der Freistaat Sachsen: Der schießt pro künstlicher Befruchtung 900 Euro zu, beim dritten Versuch sogar 1800.  Wer weiß: vielleicht wird es bald innerdeutsche Befruchtungs-Wanderströme geben, vielleicht wird Sachsen jetzt für Akademikerpaare besonders attraktiv?

Allerdings hat Sachsen ein ganz besonders starkes Eigeninteresse an jungem Nachwuchs: Das östliche Bundesland vergreist noch dramatischer als die Regionen im Westen. 2020 werden rund 52 Prozent aller Menschen älter als 50 sein. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg werden es nur 44 Prozent sein.

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