Niedersachsen: Niederlands Nähe als Standortvorteil

Niedersachsen: Niederlands Nähe als Standortvorteil

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Mittelständler Wendt: Mit niederländischen Partnern die Krise gemeistert

von Hans Jakob Ginsburg

Niedersachsens Westen kultiviert einen überraschenden Standortvorteil – die Nachbarschaft mit den Niederlanden. Über einen grenzüberschreitenden Gewerbepark und unkonventionelle Kooperationen.

Viel weiter nach Westen geht es in Norddeutschland nicht. Der neue Industriepark, in dem sich unter anderem Transportunternehmen, IT-Firmen und ein Betonverarbeiter angesiedelt haben, rühmt sich der guten Anbindung an Autobahnen, Kanalschifffahrt und Eisenbahn, doch der eigene kleine Bahnhof ist arg versteckt. Endlich ein Schild: „Euroterminal Afrit rechts“. Wir sind in den Niederlanden und haben es gar nicht gemerkt.

Niedersachsen hat dank Schengenabkommen und Euro einen neuen Standortvorteil: die Nähe zu den niederländischen Nachbarn. Der Europark Coevorden-Emlichheim mit 120 Hektar Industriefläche auf deutschem Gelände und einem ähnlich großen Gebiet westlich der Grenze ist nur ein Beispiel für die florierende Kooperation. Die lange Zeit strukturschwachen Regionen auf beiden Seiten haben entdeckt, dass sie keine Randgebiete mehr sind – und die Deutschen profitieren davon ganz besonders.

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Aufschwung im westlichen Niedersachsen

In den niederländischen Nordostprovinzen Overijssel und Drenthe kostet der Quadratmeter Gewerbegrundstück heute mindestens 60 Euro, sagt Jutta Lübbert, Geschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung für die Grafschaft Bentheim – im westlichen Niedersachsen sind zehn bis zwölf Euro die Regel. Darum investieren niederländische Unternehmen zunehmend im deutschen Grenzland. Umgekehrt sind niedrigere Energiepreise und Lohnnebenkosten ein Argument für niedersächsische Mittelständler, westlich der Grenze zu produzieren. Insgesamt profitieren somit beide Seiten. Im westlichen Niedersachsen liegt die Arbeitslosenquote inzwischen deutlich unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt.

Auch, weil die Leute über die Grenze schauen. Lübbert verzeichnet in ihrer Region einen sprunghaften Anstieg von Zeitarbeitsverhältnissen, fast auf das in den Niederlanden seit Langem übliche Niveau. Die Arbeitnehmer in Nordhorn und Umgebung, meint sie, haben diesen Wandel mittlerweile akzeptiert, auch aus finanziellen Gründen: „Wie in den Niederlanden erhalten bei uns viele Zeitarbeitnehmer den gleichen Lohn wie reguläre Mitarbeiter.“

Bestes Beispiel für den Aufschwung im Grenzgebiet ist das Nordhorner Gebäude von Nino, vor zwei Jahrzehnten noch Hersteller der unvergessenen Ninoflex-Regenmäntel, dann wie die meisten Textilunternehmen der Region nicht mehr konkurrenzfähig. Der prächtige Fabrikbau wird jetzt in ein Bürozentrum verwandelt, das zum Mittelpunkt der neuen niedersächsisch-niederländischen Wirtschaftsregion werden soll.

Die Zusammenarbeit der Betriebe beschränkt sich aber nicht nur auf die Grenzgebiete. Das Maschinenbauunternehmen Wendt aus Georgsmarienhütte bei Osnabrück hat in enger Kooperation mit einem niederländischen Maschinenbauer die Folgen der Wirtschaftskrise überstanden, seine 120 Mitarbeiter halten können und die Marktposition gefestigt. Die Partner heißen Michael Wendt, der Chef des Familienunternehmens, und Bert Wessels, Besitzer der Bouwman Industrial Supply Group in Almelo. „Auch wenn die eine Seite Deutsch spricht und die andere Niederländisch – die Sprache der Technologie ist im Wesentlichen gleich“, sagt Wessels.

Praktikantentausch

Die Spezialmaschinenbauer tauschen Mitarbeiter für Praktika aus, treten – mit einem westfälischen Unternehmen mit etwas anderem Produktionsschwerpunkt – auf Messen auf und arbeiten gemeinsame Präsentationen aus. Wendt: „Vor allem teilen wir uns gegenseitig alle Anfragen von potenziellen Kunden mit – was ich allein nicht kann, kann vielleicht Bouwman, oder wir machen es am Ende zusammen.“

So baut Wendt derzeit eine Anlage zur Produktion besonders reiner Fruchtsäfte. Um chemische Verschmutzungen beim Abfüllen auszuschließen, sind die Prozesstechnik-Experten von Bouwman gefragt, den Gewinn haben beide Unternehmen. Mit einem Modell, wie es wohl nur Mittelständler zu Wege bringen: „Wir haben nie Verträge abgeschlossen, alles beruht auf Vertrauen“, betont Wendt. „Das geht gut, denn die ticken genauso wie wir.“

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