Nils Schmid: Der Rosenkavalier aus Baden-Württemberg

Nils Schmid: Der Rosenkavalier aus Baden-Württemberg

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Chef der SPD in Baden-Württemberg, Nils Schmid, mit seiner Frau Tülay

Schwarz-Gelb geht, Grün-Rot kommt. Zwar holte die SPD das schlechteste Wahlergebnis in Baden-Württemberg überhaupt, dennoch schaffte Nils Schmid zusammen mit Winfried Kretschmann die Wende. Nun wird die SPD erstmals Juniorpartner der Grünen.

Gestern Abend jubelte die baden-württembergische SPD. Und das, obwohl sie ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten hinnehmen musste. 23 Prozent heimste Spitzenkandidat Nils Schmid ein. Als jedoch klar war, dass nach 58 Jahren nicht mehr die CDU am Ruder sitzt, gab es von den Sozialdemokraten Beifall und Pfiffe. "Nach 20.957 Tagen CDU haben wir es geschafft", freute sich Schmid über das Ende der Regierungszeit der CDU. Nun komme ein "historischer Wechsel nach gut 58 Jahren schwarz-gelb." Es gebe einen "klaren Regierungsauftrag für SPD und Grüne." Korrekt wäre: Ein klarer Regierungsauftrag für Grüne und SPD, die Grünen sind stärker als die SPD. So wird der 37-Jährige im neuen Kabinett in Baden-Württemberg auch nur der stellvertretende Ministerpräsident sowie Finanzminister.

Von roten Rosen und Bildungspolitik

Seit heute Morgen bespricht er sich mit Grünen-Chef Winfried Kretschmann in Vorbereitung auf die Koalitionsverhandlungen. Doch wer ist der Mann? Ein klassischer Landesvater ist er eher nicht, dafür ist er zu jung, wirkt jedenfalls zu jungenhaft. Und er ist auch kein polternder Mappus. Am achten März, dem internationalen Weltfrauentag, zog er mit 300 Rosen durch eine Fußgängerzone. Im Namen der Partei verteilte er rote Rosen an Verkäuferinnen, Apothekerinnen und Passantinnen. Mit Charme nach Stuttgart? Dabei sagte er doch von sich selbst, dass es nichts Seriöseres im Ländle gäbe, als ihn. Dementsprechend seriös, aber wenig überraschend, waren seine Wahlkampfthemen: Eines davon war der Atomausstieg. Während eines Fernsehduells mit Stefan Mappus kurz nach der Explosion im japanischen Kraftwerk Fukushima sagte er, dass er die Risiken der Atomtechnik für unbeherrschbar halte. „Die SPD treibt deshalb nicht erst seit 48 Stunden, sondern seit fast drei Jahrzehnten den Atomausstieg voran.“ Schmid steht für die Rückkehr zum Atomkonsens, den die frühere rot-grüne Regierung mit der Industrie vereinbart hatte.Außerdem läge ihm die Bildungspolitik sehr am Herzen: „Wir kämpfen für gleiche Bildungschancen unabhängig von der Herkunft und dem Geldbeutel. Gesellschaftlicher Aufstieg durch Bildung ist und bleibt unser sozialdemokratisches Versprechen“, sagt Schmid. Konkret will er mehr Ganztagsschulen und dafür keine Studiengebühren. Kindergärten sollen für alle kostenlos sein – finanziert durch eine geringe Reichensteuer. Außerdem will er sich für frühzeitige Sprachförderung von Migrantenkindern einsetzen.

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Doktor jur - summa cum laude

Sein Einsatz für die Bildung und für gleiche Bildungschancen mag aus seiner Biografie beziehungsweise der seiner Eltern resultieren. Schmids Eltern waren Heimatvertriebene, seine Mutter das erste Mädchen in ihrer Familie, das studierte. Sie wurde Lehrerin, später Professorin. Schmids Vater war Zollbeamter. Geboren wurde Schmid am 11. Juli 1973 in Trier. 20 Jahre später machte er in Filderstadt bei Stuttgart am Eduard- Spranger-Gymnasium sein Abitur – und bestand er mit Bestnote. Direkt nach seinem Abitur leistete er seinen Zivildienst in einem Altenheim der Arbeiterwohlfahrt ab, bevor er sein Jurastudium an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen begann. 1999 legte er sein erstes, 2001 dann sein zweites Staatsexamen ab. 2006 promovierte er am Lehrstuhl von Professor Ferdinand Kirchhof, dem jetzigen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit Staatsverschuldung und Staatsvermögen – auch hier gab es summa cum laude. Sein Doktortitel prangte auf seinen Wahlplakaten. Privat engagiert sich Schmid im sozialen Bereich und für die Kunst. 2003 war er Gründungsmitglied des Stiftungsrats der Werner-Weinmann-Stiftung, die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Altenpflege im Stuttgarter Raum fördert. Im selben Jahr übernahm er zusätzlich einen Posten im Kuratoriumder Kunststiftung Baden-Württemberg. Außerdem ist er Vorstand des Fördervereins des Stuttgarter Zoos Wilhelma und Mitglied des Verwaltungsrats der Landesbank Baden-Württemberg. Außerdem ist er Mitglied des Kuratoriums des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart. und sitzt im Kuratorium der Akademie Schloss Solitude. Er ist mit der Juristin Tülay Schmid verheiratet, die beiden haben einen gemeinsamen Sohn und eine Tochter.

"Künftiger Ministerpräsident"

Doch nicht nur Privatleben und akademische Karriere verliefen problemlos, auch in der SPD ging es für Schmid stetig bergauf: Mit 18 Jahren, 1991, trat er in die SPD ein, seit 1993 ist er Mitglied im SPD-Kreisvorstand und von 1993 bis 1997 war er Juso-Kreisvorsitzender. Mit 24 Jahren machte ihn das zum jüngsten Abgeordneten des Landes. Von 1996 bis 1998 war er stellvertretender Juso- Landesvorsitzender, seit 1997 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg, seit 1999 Vorsitzender des SPD- Ortsvereins in seinem Wohnort Nürtingen und seit 2001 finanzpolitischer Sprecher der SPD- Fraktion. Seit 2006 ist er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion. Nur 2008 musste er einen politischen Rückschlag ertragen: Nachdem die Landesvorsitzende Ute Vogt im Herbst 2007 zurückgetreten war, unterlag Schmid knapp dem Konkurrenten Claus Schmiedel. 2009 wurde Schmid dann zum SPD-Landesvorsitzenden gewählt, 2010 machte die SPD ihn zum Spitzenkandidaten. In Wahlveranstaltungen nannte er sich schon den „künftigen Ministerpräsident von Baden-Württemberg“. Sein Ziel war es „nicht alles anders, aber manches besser machen“. Das kann er ja auch als Vize.

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