ThemaÖkonomen

alles zum Thema
_

Nobelpreisträger Selten: "Ich vertraue nicht auf die Stimmung der Märkte"

von Saskia Littmann

Der Ökonomie-Nobelpreisträger verrät seine Anlagestrategie - und erklärt, warum er den Euro für ein erfolgreiches Projekt hält.

Reinhard Selten Quelle: Matthias Jung für WirtschaftsWoche
Reinhard Selten Quelle: Matthias Jung für WirtschaftsWoche
Anzeige

WirtschaftsWoche: Professor Selten, wo hängt Ihre Nobelpreis-Medaille?

Selten: Die bewahre ich hinter ein paar Aktenordnern im Regal auf. Auch meine Urkunde hängt nicht an der Wand. Ich muss das nicht zur Schau stellen. Schließlich weiß ich, dass ich den Preis bekommen habe.

Und was haben Sie mit dem Preisgeld von umgerechnet rund 255.000 Euro gemacht?

Ich hatte schon damals das Gefühl, dass die Aktien an den deutschen Börsen über ihrem fundamentalen Wert liegen. Stattdessen habe ich mein Preisgeld in japanische Fonds investiert, die waren damals deutlich unterbewertet. Die meisten Papiere besitze ich sogar noch, ich verkaufe grundsätzlich nur, wenn ein Unternehmen von einem Mehrheitsaktionär übernommen wird. Hin und her macht schließlich Taschen leer. Meine Anlagestrategie ist eher fundamental ausgerichtet, ich vertraue auf volkswirtschaftliche Kenntnisse statt auf die Stimmung der Märkte.

In der Spieltheorie haben Sie den Begriff des Nash-Gleichgewichts verfeinert, bei dem sich jeder Spieler in einer optimalen Lage befindet und für sich keinen Vorteil erzielen kann, indem er einseitig von seiner Strategie abweicht. Die sogenannte Teilspiel-Perfektheit verlangt, dass das Nash-Gleichgewicht nicht nur im Spiel als Ganzem, sondern auch in all seinen Teilen besteht. Lassen sich Ihre Erkenntnisse eigentlich im alltäglichen Leben nutzen?

Ja sicher. Die Spieltheorie lässt sich beispielsweise auf jede Art von Verhandlungssituation anwenden, auch auf politische. Sie schärft den Blick für strategische Interaktion. Dem Verhandelnden fällt es leichter, die erwartete Reaktion seines Gegenspielers sowie daraus resultierende Konsequenzen in seine eigenen Entscheidung einfließen zu lassen. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass die Spieltheorie die eingeschränkte Rationalität der Menschen nicht ausreichend berücksichtigt.

Zuletzt haben Sie sich viel mit volkswirtschaftlichen Laborexperimenten beschäftigt. Lassen sich Verhandlungssituationen im Labor tatsächlich nachspielen?

Wir sollten uns die experimentelle Wirtschaftsforschung viel stärker zunutze machen. Anhand solcher Experimente lassen sich beispielsweise die Auswirkungen einer Reform schon im Vorhinein bestimmen. So müssten viele unsinnige Gesetze gar nicht erst verabschiedet werden.

In Brüssel verhandeln Europas Politiker seit Monaten über immer neue Rettungspakete für verschuldete Staaten. Könnte die experimentelle Wirtschaftsforschung auch da weiterhelfen?

Ja. Nehmen Sie beispielsweise die verschiedenen Szenarien zur Griechenland-Rettung, die diskutiert wurden. Hier hätte ein Laborversuch für mehr Klarheit sorgen können.

Zu diesem Artikel
7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.08.2011, 14:36 UhrAnonymer Benutzer: Felix Elysium

    @ bMW teuerkettendesater

    Er muss noch die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung lernen, Handelsbilanzen, Dienstleistungsbilanzen, Zahlungsbilanzen, Aufgaben einer abgestimmten Wirtschafts-, Finanz-, Steuer-, Währungs- und Haushaltspolitik. Magisches Vier- oder Fünfeck.

    Die DDR war ein System von bespitzelung und Unterdrückung der bevölkerung. Das war ein wichtiger Punkt und ein großer Unterschied zur damaligen bundesrepublik. Die zentrale Verwaltungswirtschaft wurde durch vorgegebene Wirtschaftspläne durch die Zentrale in berlin direkt und straff geführt (besser kommandiert), Vorschläge von Kombinatsfachleuten wurde konsequent ignoriert.

    bitte die dazu gehörenden bücher genau lesen, rekapitulieren und dann nochmals nachlesen. Auch das Lesen einer guten Tageszeitung sollte immer Standard sein, leider wird dies heute von vielen nicht mehr gesehen.

  • 21.08.2011, 12:25 UhrAnonymer Benutzer: BMW teuerkettendesater 1990-2012

    Felix Elysium muß lernen das GELD eine Tauschware ist, wie in der DDR! Die bewertung der Tauschware "GELD" obliegt der Gesellschaft. in der DDR war es das "Volk" im "Westen" sind es die bANKEN (keine deutschen). Mathematisch ist das system ein reiner betrug, weil die bedingungen vermeindliche staatliche (US-banken / FED) zu deinen ungunsten beeinflussen. Demokratie (heißt ja nicht Gerechtigkeit oder Wohlstand) sonder (war schon in der DDR so) wer die beste Drohung glaubwürdig an den Man/Frau bringen kann.
    Der Unterschied zum heutigen Fianzsystem der DDR war lediglich: keine Wetten an börsen, Anleite an geselschaften hielt der Staat (fürs Volk),es gab keine "Mehrwertsteuer" und die Einkommensbesteuerung .... das sollen die leser man selbst herausfinden.
    Mehr Senf unter "Die Problematik des Zinssystems"!

  • 17.08.2011, 17:38 UhrAnonymer Benutzer: werneremil

    da hat das senile pofessorchen aber einen abgefurzt-es waere damit besser zur toilette gegangen.wieder so einer wie desaster obama,der verspricht auch,was er garnicht hat(z.b.arbeitsplaetze).es scheint am nobelpreis zu liegen dass die inhaber sich gegenseitig aus dem allerwertesten absprechen.das pofessorchen sollte auch zu desaster obama fliegen um sich die freiheitsmedaille abzuholen.vor kurzem war auch das ostdeutsche kanzlerweib drueben,dann koennen sie drueben, den club der dummschwaetzer und desastermenschen gruenden. drueben kann dann das senile professorchen dann weiter alles von sich geben und muss nicht immer zur toilette.

Alle Kommentare lesen

Blogs

Leos späte Rache
Leos späte Rache

Der Fall Deutsche Bank gegen Leo Kirch zeigt: Die größten Schweinereien passieren, wenn sich der Staat in die Wirtschaft...

weitere Fotostrecken