Norbert Drude: "Schmuggel quer durch ganz Europa"

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InterviewNorbert Drude: "Schmuggel quer durch ganz Europa"

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Norbert Drude ist der Schreck der Schmuggler

von Christian Ramthun

Der Zollfahnder Norbert Drude über neue Geschäftsfelder der Mafia und die Reaktionen seiner Behörde.

WirtschaftsWoche: Herr Drude, ufert die organisierte Wirtschaftskriminalität in Deutschland aus?

Organisierte Kriminalität finden wir überall, wo viel Geld zu verdienen ist – also im Rauschgift- und Waffenhandel, beim Alkohol- oder Zigarettenschmuggel. Neuerdings entdecken wir Strukturen der organisierten Kriminalität auch im illegalen Handel mit Arzneimitteln oder, was vor Jahren noch undenkbar war, beim Schmuggel von Bier in Transportern quer durch ganz Europa.

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Die Mafia diversifiziert ihr Geschäft?

Das Verbrechen folgt dem Ruf des Geldes – je mehr zu verdienen ist, desto eher sind die Täter auch bereit, ihr Geschäft mit Waffen zu verteidigen. Beim Biersteuerbetrug überraschen uns nicht nur die Steuerausfälle in Millionenhöhe. Sogar da treffen wir auf bewaffnete und gewaltbereite Täter.

Profitiert die Mafia von der Globalisierung und der Freizügigkeit in der EU?

Die zunehmende Globalisierung des Handels macht die Kriminalitätsbekämpfung nicht einfacher. Täter lassen ihre illegalen Waren häufig im Strom der legalen Ein- und Ausfuhren mitschwimmen. Je schneller dieser Warenumschlag vonstatten geht, desto weniger Zeit verbleibt für Kontrollen. Eine unserer Hauptaufgaben ist es daher, Risikoparameter zu entwickeln, um sensible Warensendungen schnell und gezielt kontrollieren zu können. Immerhin bearbeiten unsere Zollfahnder Jahr für Jahr rund 15.000 Ermittlungsverfahren.

Welcher Bereich bereitet Ihnen derzeit am meisten Kopfzerbrechen?

Seit Jahren sehen wir einen Anstieg im Bereich des illegalen Arzneimittelhandels, der zunehmend grenzüberschreitend und international organisiert stattfindet. Auch in regionalen Bereichen gibt es besorgniserregende Tendenzen, auf die wir so schnell wie möglich reagieren müssen. Hierzu gehört zum Beispiel der Handel mit synthetischen Drogen wie Crystal in der Grenzregion Bayerns und Sachsens zur Tschechischen Republik.

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Warum bekommt der Zoll den Zigarettenschmuggel nicht in den Griff?

Unsere Ermittlungsverfahren gegen den international organisierten Zigarettenschmuggel sind durchaus erfolgreich. Jahr für Jahr entziehen wir dem Schwarzmarkt Schmuggelzigaretten im Gegenwert eines dreistelligen Millionenbetrags. Auch Bargeld und Vermögen, das wir bei den Straftätern sicherstellen und zugunsten der Staatskasse vereinnahmen, liegen im mehrstelligen Millionenbereich, die festgesetzten Freiheitsstrafen summieren sich alljährlich auf viele Tausend Jahre. Dennoch bleiben die Gewinnspannen im Zigarettenschmuggel wie im gesamten Verbrauchsteuerbereich so lukrativ, dass festgenommene Täter innerhalb einer organisierten Bande häufig sehr schnell durch Nachfolger besetzt werden. Diese Täter schreckt dann auch das drohende Strafmaß nicht ab.

Wird die Arbeit beim Zoll gefährlicher?

Wir stellen schon lange fest, dass die Täter zunehmend konspirativer vorgehen und besser abgeschottet arbeiten. Zudem ist der Anteil an bewaffneten Beschuldigten gestiegen. Hier sind unsere Ermittler in besonderer Weise gefährdet. Der Schutz unserer Zollbeamten macht es deshalb erforderlich, dass wir vermehrt spezielle Einsatzkräfte sowohl für Observationen als auch für Zugriffe bereithalten.

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