Nordrhein-Westfalen: Kreativwirtschaft soll Ruhrgebiet zu neuer Stärke verhelfen

Nordrhein-Westfalen: Kreativwirtschaft soll Ruhrgebiet zu neuer Stärke verhelfen

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Kulturmanager Gorny: Seht her, hier passiert was

Das zersplitterte Ruhrgebiet will zu einem urbanen Kraftraum zusammenwachsen. Ausgerechnet die wuselige Kreativwirtschaft soll die postindustriellen Lücken füllen. Ein standortpolitischer Großversuch beginnt.

Plötzlich geht alles ganz schnell: Limousinen fahren vor, Türen klappen auf, und kaum sind die Herren in den dunklen Anzügen ausgestiegen, werden sie von Fotografen wie eine Herde Schafe für ein Gruppenbild zusammengetrieben. Einer der Männer, der niederländische Premierminister Jan Peter Balkenende, schaut sich neugierig um. Vor ihm erheben sich die wuchtigen Gebäude der Essener Zeche Zollverein. Rechts und links von ihm lächeln der nordrhein-westfälische Regierungschef Jürgen Rüttgers und sein oberster Kulturpolitiker Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff um die Wette in die Kameras.

Viel Zeit bleibt dem niederländischen Gast nicht, die Architektur im Bauhaus-Stil zu bewundern. Die Leute vom Protokoll mahnen zur Eile, im Laufschritt entert der Tross die historischen Hallen. 160 Jahre Bergbaugeschichte in zehn Minuten, das muss reichen. Denn heute soll es nicht um die Vergangenheit des Ruhrgebiets gehen, heute geht es um seine Zukunft.

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Der Mann im Hintergrund

Der Mann, der für die Zukunft zuständig ist, steht abseits und wartet geduldig auf seinen Auftritt. Mit seiner Strubbelfrisur und dem bequemen Schuhwerk sieht er aus, als wäre er zufällig in das protokollarische Tamtam hineingestolpert. Doch der Eindruck täuscht. Der Mann heißt Dieter Gorny und hat das Treffen der Regierungschefs eingefädelt. Der Erfinder des Musiksenders Viva und heute wohl einflussreichste deutsche Kulturmanager hat einiges vor mit seiner Heimat, dem Ruhrgebiet. Er ist der Antreiber, Ideengeber und oberster Verkäufer eines ehrgeizigen strukturpolitischen Großversuchs. Und den will er dem niederländischen Premier jetzt vorstellen.

Gorny spricht wortgewaltig vom Übergang in die Wissensgesellschaft, von digitalen Leitmärkten, von der kreativen Ökonomie, die sich im strukturschwachen Ruhrgebiet ansiedeln solle, um die postindustriellen Lücken zu schließen. Von ehrgeizigen Bauprojekten, von Vernetzung, von Innovationen. „Wir werden Leuchttürme der Kreativität erschaffen“, ruft Gorny dem ranghohen Gast zu.

Dafür sorgen, dass was bleibt

Der nickt freundlich, verspricht ein enges Zusammengehen zwischen den niederländischen und nordrhein-westfälischen Behörden und kündigt eine finanzielle Beteiligung von 500.000 Euro an. Gorny ist zufrieden mit der Ausbeute des Tages. Wieder ein kleiner Erfolg, wieder eine Etappe geschafft auf dem mühseligen Weg, das kriselnde Ruhrgebiet in einen urbanen Kreativraum der Extraklasse zu verwandeln.

Heute Essen, morgen Rom, dann Brüssel oder Berlin. So geht das Woche für Woche. Bei dem Hochschulprofessor, Musiklobbyisten, Porschefahrer und Rüttgers-Unterstützer mit SPD-Parteibuch laufen im Moment die Fäden zusammen. Der 55-Jährige soll als Kreativdirektor der Festivalreihe „Kulturhauptstadt 2010“ im Ruhrgebiet dafür sorgen, dass das millionenschwere Spektakel mehr wird als nur Brot und Spiele. Dass Arbeitsplätze entstehen. Dass Unternehmen siedeln. Dass was bleibt.

Die eigens dafür komponierte strukturpolitische Melodie des Musikwissenschaftlers Gorny ist modern und naiv-romantisch zugleich: Kultur und Kommerz sollen zusammenfinden, statt sich zu bekämpfen. Kulturpolitik müsse ökonomisch denken, Wirtschaftspolitik die kulturelle Perspektive einnehmen.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wie sich das Ruhrgebiet auf die Rolle als Kulturhauptstadt 2010 vorbereitet.

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