Notenbanken: Wenig Wissen zur Geldpolitik

Notenbanken: Wenig Wissen zur Geldpolitik

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Die Euro-Skulptur in Frankfurt am Main vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB).

von Elke Pickartz

Die Bürger sind schlecht über die Aufgaben der Europäischen Zentralbank informiert. Geldpolitik ist vielen weitgehend egal, zeigt eine neue Studie.

Es hat schon etwas von einer Gebetsmühle, wenn Jean-Claude Trichet über die Aufgaben der Europäischen Zentralbank spricht. Erstes Ziel sei es, für die Preisstabilität im Euro-Raum zu sorgen, betont der EZB-Präsident bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Und das heiße, mittelfristig eine Inflationsrate im Euro-Raum von knapp unter zwei Prozent zu garantieren. Doch die Mehrheit der Bürger hat offenbar keine klare Vorstellung davon, was die Aufgaben ihrer Währungshüter sind. Bedenklicher noch: Viele Menschen interessieren sich nicht einmal dafür.

Zu diesem Schluss kommt eine soeben veröffentliche Studie von Wissenschaftlern der niederländischen Zentralbank.* Sie befragten repräsentativ 1659 Bürger der Niederlande im Alter über 16 Jahren. Die Teilnehmer hatten zu beantworten, ob und wie sie sich über die Arbeit der EZB informieren und ob sie sich selbst gute Kenntnisse zuschreiben. Außerdem sollten sie elf Aussagen zu den Zielen der EZB als richtig oder falsch einschätzen – darunter Statements wie:„Das Hauptziel der EZB ist... Preisstabilität, ein Wachstum von mindestens zwei Prozent, eine Arbeitslosenquote von maximal fünf Prozent.“

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Bedenkliche Ergebnisse

Die Auswertung ergab überraschend schlechte Ergebnisse: Im Schnitt beantworteten die Testpersonen weniger als fünf der elf Aussagen korrekt, gut ein Sechstel der Befragten stufte keine einzige Aussage über die EZB als richtig ein. Sogar Teilnehmer, die ihr Wissen als „sehr gut“ beurteilten, kamen im Schnitt nur auf acht richtige Antworten. Bedenklich stimmt auch, dass gut ein Viertel angab, sich nicht oder kaum über Geldpolitik zu informieren. Wer sich informierte, tat dies vor allem über Medien: 42 Prozent der Befragten nutzten das Fernsehen, 33 Prozent die Printmedien.

Nur fünf Prozent griffen dagegen auf das Internet zurück. Die direkte Kommunikation der EZB mit den Bürgern über ihre Web-Seite ist also schwach ausgeprägt – obwohl sich dort auch gute allgemeinverständliche Informationen finden (www.ecb.int).

Da die Niederländer traditionell zu den wirtschaftsgebildeten Völkern Europas zählen, lässt sich schließen, dass Geldpolitik für die Bürger der Euro-Zone generell eine schwierige Sache ist. Sie hierfür zu motivieren erfordert neue Strategien. Zentralbanken sollten nicht nur ihre Ziele erklären, schreiben die Autoren. „Sie sollten auch die Menschen von der Bedeutung der Geldpolitik überzeugen.“ Nur eine Öffentlichkeit, die verstehe, was ihre Zentralbank tut (und warum), garantiere ihre Legitimität und Unabhängigkeit.

* Van der Cruijsen/Jansen/de Haan: How Much Does the Public Know about the ECB’s Monetary Policy? ECB Working Paper No. 1265. November 2010. http://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/scpwps/ecbwp1265.pdf

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