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Novartis: Wie ein Vatermord

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Vasalla und sein Vize Lehner

Die skandalöse Abschiedsvergütung für Ex-Chef Daniel Vasella hat auch der deutsche Aufseher Ulrich Lehner mit zu verantworten.

Nun verzichtet Daniel Vasella also doch auf den vergoldeten Abschied in Höhe von umgerechnet 59 Millionen Euro, den der Verwaltungsrat des Schweizer Chemiekonzerns Novartis ihm als scheidendem Vorsitzenden bereiten wollte.

Der Vergütungsexzess, der nicht durch eine Verlautbarung des Konzerns, sondern durch einen Wirtschaftsblog im Internet sowie durch Strafanzeigen an die Öffentlichkeit kam, ist auch ein Lehrstück für Deutschland. Erstens weil er zeigt, wie eine zu große Nähe von Managern und ihren Kontrolleuren zu Auswüchsen führen kann. Und zweitens, weil den Geldregen über Vasella an entscheidender Stelle auch ein angesehener Deutscher mittrug: Ulrich Lehner, Ex-Chef- und Kontrolleur des Düsseldorfer Henkel-Konzerns (Persil, Pritt) und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom. Der 66-Jährige ist Stellvertreter des scheidenden Vasella, sitzt seit 2002 im Novartis-Verwaltungsrat und soll Interimspräsident werden, bevor der Bayer-Manager Jörg Reinhardt am 1. August den Top-Job übernimmt. Mit Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sitzt zudem ein weiterer deutscher Manager im Aufsichtsgremium.

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"Ob 5 oder 50 Millionen ist irrelevant"

Wer verstehen will, wieso auch Lehner die Gaga-Abfindung für Vasella nicht verhinderte, muss ins Jahr 1999 zurückgehen. Als Vasella damals den Vorsitz im Novartis-Verwaltungsrat übernahm, trat mit ihm auch Lehners Vorgänger bei Henkel, Helmut Sihler, an. Schnell freundete sich Vasella mit dem Österreicher an, denn der war nebenbei auch Aufsichtsratschef bei Porsche – und Vasella begeisterter Fahrer eines roten Modells. Vasella legte sich sogar einen anderen Porsche zu, weil Sihler ihn "von den Vorzügen des neuen Modells überzeugt" habe, verriet er 1998.

Helmut Sihler Quelle: Ansgar Werrelmann für Wirtschaftswoche

Abnicker: Helmut Sihler war die wichtigste Stütze von Novartis-Chef Vasella

Bild: Ansgar Werrelmann für Wirtschaftswoche

Sihler wurde als Vorsitzender des Vergütungsausschusses Vasellas wichtigste Stütze im Novartis-Verwaltungsrat. Der Österreicher teilte mit dem Schweizer den lockeren Umgang mit dem Geld der Aktionäre. Während Sihler dazu schwieg, brüstete sich Vasella öffentlich. Ob der Novartis-Chef nun 5 oder 50 Millionen im Jahr verdiene, sei bei sieben Milliarden Gewinn "irrelevant", sagte Vasella gern in Interviews. Sihler ließ in den Folgejahren zu, dass Vasella sein Gehalt in zweistellige Millionenbeträge steigerte.

Auf den Pfaden des Mentors

Für traurige Kontinuität in dieser Hinsicht sorgte Sihler, indem er 2002 seinen Zögling Lehner in den Novartis-Aufsichtsrat holte, nachdem er ihm vor dem altersbedingten Abtritt an der Henkel-Spitze 1992 in den Konzernvorstand in Düsseldorf verholfen hatte. Damit nicht genug: Als Sihler 2007 sein Amt als Porsche-Aufsichtsratschef aufgab, zog er Lehner auch in dieses Kontrollgremium nach, als einziges Mitglied außerhalb der Eignerfamilien Porsche und Piëch. 2008 folgte Lehner seinem Mentor schließlich auch noch an die Spitze des Telekom-Aufsichtsrats.

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