NRW-Landtagswahl: TV-Duell: Kraft und Rüttgers proben Zusammenarbeit

NRW-Landtagswahl: TV-Duell: Kraft und Rüttgers proben Zusammenarbeit

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Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (rechts, CDU) und seine Herausforderin Hannelore Kraft (links, SPD) in ihrem einzigen TV-Duell vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen

Knapp zwei Wochen Wahlkampf liegen noch vor NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und seiner Herausforderin Hannelore Kraft (SPD). Gestern stellten sich beide im TV-Duell einer breiten Öffentlichkeit. Am Ende wussten die Wähler vor allem eines: Große Unterschiede gibt es zwischen beiden Kandidaten nicht. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteurin Andrea Auler.

Kraft und Rüttgers haben ihre Hausaufgaben gemacht. Beide sind gut vorbereitet und haben den Rat der zahlreichen Wahlkampfpsychologen beherzigt: Die Wahl der richtigen Kleidung ist schon einmal die halbe Miete. Kraft hat sich für einen magentafarbenen Blazer zu schlichter grauer Hose entschieden – das strahlt Angriffswillen und gleichzeitig eine gewisse Seriosität aus. Landesvater Rüttgers  griff zur dezent blau gestreiften Krawatte zu klassisch dunklem Zwirn. Seine Botschaft: Ich stehe für Ruhe,  Zuverlässigkeit und Kompetenz.

Aber neben der Kleiderwahl ging es ja auch um Inhalte. Bereits die erste Frage hatte es für Hannelore Kraft in sich: Wie sie eigentlich den Menschen in NRW die geplanten Milliardenhilfen für das verschuldete Griechenland erkläre? Kraft antwortet geschickt, denn sie verwendet eine von Rüttgers Lieblingsfloskeln zu diesem Thema: Am Ende müsse man eben genau schauen, wer die Zeche bezahlen müsse. Und es könne nicht sein, dass die Banken sich wieder einmal auf Kosten der Steuerzahler bereicherten.

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Emotionales Thema Bildung

Punkt für Kraft. Hier kann auch Rüttgers seiner Rivalin ums höchste Amt im Land nur beipflichten. Harmonie statt Duell, das gefällt auch dem Moderatoren-Duo vom WDR, Jörg Schönenborn und Gabi Ludwig, nicht. Nächstes Thema ist darum die Arbeitsmarktpolitik. Gefährliches Terrain für Kraft, schließlich muss sie die aktuellen Probleme anprangern und kann nicht verschweigen, dass die SPD mit den Hartz-Gesetzen für einen Großteil selbst verantwortlich ist.

Hier hätte Rüttgers punkten können. Hätte – denn Rüttgers und Kraft argumentierten in die gleiche Richtung: Grundsätzliche Reformen waren wichtig, leider sei nicht alles vernünftig umgesetzt worden, aber man selbst hätte es ja von Anfang an kritisiert. Und so verläuft auch diese Runde des Duells unentschieden.

Ein Hauch von Emotionen kam dann aber doch noch auf. Denn beim Thema Bildung gehen die Wege der Kontrahenten dann – erfreulich für den eventuell noch unentschlossenen Wähler – doch einmal auseinander. Festhalten am Status Quo versus Schulstrukturreform: Rüttgers und Kraft verteidigen vehement ihre Positionen. Hier kann Kraft jedoch punkten, da Rüttgers kein glaubhaftes Argument gegen eine Schulreform vorweisen kann, außer dass er sie eben nicht will. 

Unangenehme Finanzierungsfragen

Letzter großer Themenblock ist die Finanzlage. Die ist schlecht, darin sind sich Kraft und Rüttgers wieder einig. Beide müssen sich die unangenehme Frage gefallen lassen, wie man denn die versprochenen Bildungsinvestitionen gegenfinanzieren will (SPD) beziehungsweise wo denn in den kommenden Jahren gespart werden müsse (CDU). Kraft will im Haushalt umschichten, Einsparpotenziale etwa im Veranstaltungsbudget der Landesregierung seien schließlich drin. Rüttgers lässt sich nicht provozieren und führt den geplanten Abbau von 12.000 Stellen im öffentlichen Dienst an. Kryptisch allerdings bleibt seine Antwort auf Krafts Frage, welche Mitarbeiter denn betroffen seien. Die Betroffenen wüssten schon, wer gemeint sei, so die Antwort des Ministerpräsidenten. Kraft lächelt, auch Rüttgers hat zum Glück keine konkreten Antworten parat. 

Am Ende des einstündigen Duells ist der Wähler so schlau wie vorher. Am 9. Mai wird ein neues Landesparlament gewählt, aber eigentlich geht es um viel mehr: Die Bundespolitik, die Griechen-Krise und wie wir damit umgehen, den sozialen Zusammenhalt im Land – eben um das Große und Ganze. Am besten geht das mit der CDU. Mit der SPD natürlich auch. Am besten eben mit beiden.

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